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US-Mega-Sportevent: Fünf Mythen zum Super Bowl

Von Wlada Kolosowa, New York

Der Super Bowl ist das größte US-Sportevent. Beim NFL-Finalspiel werden Legenden des American Footballs geboren - und genauso viele Urban Legends. Etwa diese: In der Halbzeit bloß nicht die Toilette aufsuchen! Was steckt dahinter?

Football-Fan am Times Square in New York: Den Papphelden dabei Zur Großansicht
AFP

Football-Fan am Times Square in New York: Den Papphelden dabei

Der Super Sonntag, der Tag des Finalspiels des Super Bowl, ist ein Tag der Superlative. Es ist der Tag, an dem mehr als ein Drittel der Nation vor dem Fernseher sitzt, der Tag mit den teuersten Werbespots und der Tag mit dem zweigrößten Lebensmittelkonsum - nach Thanksgiving, berichtet der "Miami Herald". Etliche Urban Legends ranken sich um den Super Sonntag. Was ist Wahres dran?

Super Bully

Mythos: Frauen schauen sich den Super Bowl besser mit ihren Freundinnen an. Angesichts der Spannung während des Finalspiels könnten testosteron-geladene Männer außer Kontrolle geraten und zu Schlägern mutieren. Der Super Bowl gilt als Inbegriff für Aggression, der betrunkene Fernsehzuschauer anheizt, ihre Aufregung und Enttäuschung mit Gewalt auszulassen.

Stimmt's? 1993 kamen kurz vor dem Finalspiel Frauengruppen in Kalifornien zusammen, um vor dem "größten Tag für häuslicher Gewalt" zu warnen. Eine Studie wurde zitiert, laut der häusliche Gewalt gegen Frauen an den Tagen des Super Bowl um 40 Prozent anstieg. Als weiterer Beweis wurde erhöhter Zulauf in Frauenheimen angeführt. Die Geschichte schlug große Wellen: Warnende Flyer wurden an Frauen verteilt. Der Sender NBC ließ vor dem Spiel einen Werbespot laufen, der Zuschauer erinnerte, dass häusliche Gewalt ein Verbrechen ist. Zeitungen griffen die Geschichte auf. Doch als die Autoren der Studie angaben, dass ihre Befunde falsch interpretiert worden waren, hörte kaum einer mehr hin. Auch Frauenheime bestätigten das höhere Aufkommen nicht. Nicht am Tag des Super Bowl suchten die meisten Frauen Hilfe, sondern an Familienfeiertagen wie Weihnachten.

Menschenschmuggel

Mythos: Wo ein Sportevent ist, ist auch die Nachfrage nach Sex groß - das ist auch ein Magnet für Zwangsprostitution und Menschenhandel. So zumindest die Annahme. 2011 bezeichnete der Justizminister von Texas den Super Bowl als das "größte Menschenschmuggel-Ereignis in den Vereinigten Staaten".

Stimmt's? In Texas gab es 2011 null Verhaftungen im Zusammenhang mit Super Bowl und Sexhandel. Im Jahr darauf, in Indianapolis? Zwei. 2013, in New Orleans? Zwei. Zwangsprostitution und Menschenhandel sind ohne Frage üble Verbrechen - aber der Super Bowl ist nicht das größte "Menschenschmuggel-Ereignis".

Super Toilet Bowl

Fans posieren in NFL-Kluft: Massenbedürfnis in der Halbzeitpause Zur Großansicht
AFP

Fans posieren in NFL-Kluft: Massenbedürfnis in der Halbzeitpause

Mythos: Die Spannung steigt. Die Blase drückt. Während des Finalspiels hält die Nation den Atem an - und ignoriert die volle Blase. Allein 2013 klebten über 108 Millionen Menschen vor dem Fernseher und tranken dabei laut "huffingtonpost" etwa 1230 Millionen Liter Bier (so viel würde ungefähr zweitausend olympische Schwimmbecken füllen). Ganz klar: Wenn sie alle zur Halbzeit auf die Toilette eilen, dann brechen die Abwassersysteme in den Großstädten zusammen.

Stimmt's? Wasserwerke im ganzen Land melden am Super Sonntag zwar erhöhte Belastungen während der Halbzeit, beteuern aber, dass die Abwassersysteme bei weitem mehr aushalten. In den Kloschlangen gibt es trotzdem bis heute kein beliebteres Gesprächsthema als den Spül-Armageddon. In Salt Lake City in Utah gab es während des Finalspiels 1984 tatsächlich einen Bruch in der Kanalisation. Der Leiter der Wasserwerke von Salt Lake City sagte nicht, dass der Defekt mit dem Spiel zusammenhing. Vielmehr sei das Abwassersystem marode gewesen - Salt Lake City registrierte damals bis zu 300 Brüche pro Jahr.

Super Avocados

Guacamole mit Nachos: Ein Muss für eine Super-Bowl-Party Zur Großansicht
AP

Guacamole mit Nachos: Ein Muss für eine Super-Bowl-Party

Mythos: Was passt besser zu einem Sportabend vor dem Fernseher als Chips? Und was passt besser zu Chips als Guacamole? Der Mythos war geboren. Angeblich werden zwei Drittel aller Avocados in den USA während des Super Bowl verbraucht.

Stimmt's? Woher die Zahl "zwei Drittel" stammt, weiß keiner so genau. 2011 meldete die California Avocado Comission (ja, die gibt es tatsächlich), dass der Super Bowl für fünf Prozent des Avocado-Umsatzes verantwortlich ist. Das ist immer noch ein beachtlicher Berg: 2014 werden 208 Millionen Avocados während des Finalspiels konsumiert, sagt der Hass Avocado Board voraus.

Super-size Pizza

Super Bowl-Fans mit Pizza: Wieviel verträgt der Bauch? Zur Großansicht
AP/dpa

Super Bowl-Fans mit Pizza: Wieviel verträgt der Bauch?

Mythos: Der Super Sonntag ist der Tag mit dem meisten Pizzabestellungen.

Stimmt's? An diesem Mythos ist vielleicht sogar etwas dran. Allein Pizza Hut verkaufte nach eigenen Angaben 2013 16 Millionen Pizzastücke, Domino Pizza 11 Millionen. "Das ist der geschäftigste Abend im ganzen Jahr", sagt Luke DeRouen, Pressesprecher von Pizza Hut. "Mit der Menge an Pizza, die wir verkaufen, könnte man den Weg zur Spitze des Mount Everest 80-mal auslegen." Andere Pizza-lastige Tage seien Halloween, der Tag vor Thanksgiving und Valentinstag. Besonders an Tagen um den Super Bowl herum klingeln DeRouens Telefone Sturm.

Woher kommt das Interesse für all großen Zahlen? Woher die Legenden, die sich um sie ranken? "Die Mythen um den enormen Super Sonntag sind ein Teil unserer Kultur", sagt er. "Hier in Amerika lieben wir Superlative."

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insgesamt 20 Beiträge
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    Seite 1    
1. mal ganz ehrlich...
Klebestift 02.02.2014
...wen interessiert das? Oder gehört das mittlerweile zum GUTEN TON, jeden Mist der Amis mitmachen zu müssen? Ich denke mal, das gibt es noch andere Dinge auf der Welt!
2.
divb0 02.02.2014
108 Millionen Zuschauer 2013 ist ohne Zweifel falsch!
3. 10 Liter Bier?
Mach999 02.02.2014
Beim Superbowl konsumieren 108 Mio Zuschauer 1,2 Mrd Liter Bier? Vielleicht sollte man bei solchen Zahlen keine Hochrechnungen machen, mit denen sowieso niemand etwas anfangen kann (Wer hat schon eine Vorstellung von 2000 Schwimmbädern?), sondern auf einzelne Personen herunterrechnen. Das wären durchschnittlich über alle Altersgruppen und Geschlechter über 10 Liter pro Person. Das mögen einzelne verkonsumieren, aber sicher nicht der Durchschnitt. Übrigens: Auch die 2000 Schwimmbecken stimmen nicht. Ein olympisches Becken enthält mindestens 2,5 Mio Liter Wasser. Damit wären wir selbst bei diesen absurd hohen Verbrauchszahlen lediglich bei etwa 500 Becken.
4.
b399y 02.02.2014
Zitat von Klebestift...wen interessiert das? Oder gehört das mittlerweile zum GUTEN TON, jeden Mist der Amis mitmachen zu müssen? Ich denke mal, das gibt es noch andere Dinge auf der Welt!
an gleicher stelle wird über das dschungelcamp berichte, ich denke darüber sollte man sich mehr sorgen machen. ist aber natürlich auch wichtiger wenn in Usa eine schneeflocke fällt als das halb europa im schneechaos versinkt. so mal abgeschätzt an der berichterstattung. Ich errinere mich da gerne an die gefühlten minus 22° mitten im winter in NY m(
5. kleiner tipp
ihrnulpen 02.02.2014
an die leute die sich für den sport nicht interessieren. einfach ma den mund halten wenns euch egal ist. ja es gibt tatsächlich auch leute in Deutschland die fussball abgrundtief langweilig finden. aber heulen die rum wenn über fussball berichtet wird? NEIN! also ma lieber wieder an die Erziehung denken und gepflegt den mind halten wenn man nix intelligentes beizutragen hat!
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Alles zum Super Bowl

Super-Bowl-Sieger seit 2000
Jahr Gewinner Verlierer MVP
2016 Denver Broncos Carolina Panthers Von Miller
2015 New England Patriots Seattle Seahawks Tom Brady
2014 Seattle Seahawks Denver Broncos Malcolm Smith
2013 Baltimore Ravens San Francisco 49ers Joe Flacco
2012 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2011 Green Bay Packers Pittsburgh Steelers Aaron Rodgers
2010 New Orleans Saints Indianapolis Colts Drew Brees
2009 Pittsburgh Steelers Arizona Cardinals Santonio Holmes
2008 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2007 Indianapolis Colts Chicago Bears Peyton Manning
2006 Pittsburgh Steelers Seattle Seahawks Hines Ward
2005 New England Patriots Philadelphia Eagles Deion Branch
2004 New England Patriots Carolina Panthers Tom Brady
2003 Tampa Bay Buccaneers Oakland Raiders Dexter Jackson
2002 New England Patriots Saint Louis Rams Tom Brady
2001 Baltimore Ravens New York Giants Ray Lewis
2000 Saint Louis Rams Tennessee Titans Kurt Warner


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