Appell an Bundesregierung Tafeln fordern effektivere Bekämpfung von Armut

Der Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel hat eine Debatte über Armut ausgelöst. Nun wenden sich die Tafeln an die künftige Bundesregierung - und fordern "eine sozial-ökologische Wende".

Warteschlange an der Essener Tafel
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Warteschlange an der Essener Tafel


In der Debatte über die Arbeit der Tafeln hat der Bundesverband sich mit einer Reihe von Forderungen an die Bundesregierung gewandt. "Die letzten Wochen haben gezeigt, wohin es führt, wenn der Staat ehrenamtliche Hilfsorganisationen wie die Tafeln mit Aufgaben alleine lässt, die größer sind als sie selbst", sagte Tafel-Chef Jochen Brühl laut einer Mitteilung.

Die Zahl der Armen in Deutschland müsse nachhaltig gesenkt werden - und daran müsse sich eine Regierung, die sich soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben habe, messen lassen. "Spätestens in zwei Jahren werden wir sehen, ob die großen Ansprüche erfüllt werden konnten", heißt es weiter.

Auslöser der Debatte war die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst nur noch deutschen Bedürftigen eine sogenannte Kundenkarte auszustellen. Diese Entscheidung hatte heftige Kritik ausgelöst, auch Bundeskanzlerin Merkel tadelte die Verantwortlichen.

Im Video: Die Situation in Essen

Tafel Deutschland fordert nun ein Bündel politischer Maßnahmen - unter anderem gegen Kinderarmut und Lebensmittelverschwendung sowie für mehr Bildungsgerechtigkeit, Integration und Teilhabe.

Ähnliche Forderungen kamen auch von anderer Stelle. Ein Bündnis von mehr als 30 Sozialverbänden und Organisationen fordert Leistungen für Bedürftige. "Lebensmittelspenden sind gut, doch darf in unserem Sozialstaat niemand darauf angewiesen sein", sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider. Das Bündnis fordert unter anderem die Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes um mindestens 30 Prozent sowie einen Runden Tisch in Deutschland für die künftige Unterstützung von Armut bedrohter Kinder.

Eine ethnische Diskriminierung wie in Essen dürfe es nicht geben, sagte Schneider weiter. Er begrüße, dass dort nun ein Runder Tisch eingerichtet wurde, der nach heftiger Kritik eine Neuregelung für die Tafel der Ruhrgebietsstadt erarbeiten soll. Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, sagte: "Flüchtlinge dürfen nicht zu Sündenböcken gemacht werden."

mxw/dpa

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