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Toter Soldat in Taiwan: Zehntausende fordern Gerechtigkeit für Hung Chung-chiu

Strafe für Soldaten in Taiwan: "Unerträglich, grausam, misshandelnd" Fotos
AP

Der Soldat Hung Chung-chiu schmuggelte ein Handy auf seinen Stützpunkt und musste als Strafe tagelang anstrengende Trainingseinheiten absolvieren. Der 24-Jährige starb - seitdem reißt der Protest im Land nicht ab. Der Verteidigungsminister ist bereits zurückgetreten.

Taipeh - Am Samstag sind erneut Zehntausende Taiwaner auf die Straße gegangen, um gegen den Tod des jungen Soldaten Hung Chung-chiu zu protestieren. Die Menschen versammelten sich auf einem Platz in der Nähe des Präsidentenpalastes in der Hauptstadt Taipeh, die meisten waren in Weiß gekleidet - die Farbe symbolisiert in dem Land Wahrheit. "Mörder müssen bestraft werden", stand auf ihren Transparenten. Oder: "Das Militär verheimlicht die Wahrheit."

Hung war Anfang Juli an einem Hitzeschlag gestorben. Ärzten zufolge versagten mehrere seiner Organe, als er zu extremen körperlichen Übungen gezwungen wurde. Der 24-Jährige hatte verbotenerweise ein Handy auf seinen Stützpunkt geschmuggelt und musste deshalb anstrengende Übungseinheiten absolvieren. Er starb nach dem sechsten Trainingstag - nur wenige Tage vor dem Ende seiner Ausbildung.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Militärstaatsanwaltschaft Anklage gegen 18 Verdächtige erhoben. Unter anderem werde wegen ungesetzlicher Bestrafung eines Untergebenen, Freiheitsberaubung und fahrlässiger Tötung durch Vorgesetzte und andere Angehörige der Streitkräfte ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Tsao Chin-sheng. Hungs Strafen seien "unerträglich, grausam und misshandelnd" gewesen.

Verteidigungsminister Kao Hua-chu war im Zusammenhang mit dem Fall zurückgetreten, Präsident Ma Ying-jeou hatte sich für den Tod des Mannes entschuldigt. Taiwan ist dabei, sein Militär in eine Berufsarmee umzuwandeln. 2015 soll der Prozess abgeschlossen sein. In den vergangenen zehn Jahren kamen der Nachrichtenagentur dpa zufolge beim Militär 1392 Menschen ums Leben.

Bereits vor zwei Wochen waren etwa 30.000 Menschen vor dem Verteidigungsministerium in Taipeh auf die Straße gegangen, um Aufklärung über die Todesumstände des Wehrdienstleistenden zu erhalten. Am Sonntag wurde Hung in seiner Heimatstadt Taichung beigesetzt. "Als Präsident und Anführer der bewaffneten Streitkräfte des Landes garantiere ich Ihnen, dass Hung Chung-chius Tod nicht umsonst gewesen sein wird", sagte Präsident Ma an den Vater des Opfers gerichtet. "Eine solche Tragödie wird sich nicht wiederholen."

aar/dpa/AFP

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1. In den vergangenen Zehn Jahren...
roy712 04.08.2013
knapp 1400 Tote? Das sind 140 jährlich sowie ein Toter alle drei Tage?!? Wie kommt es denn zu einer solchen Menge an Todesfällen? Oder ist Taiwan irgendwo in einen aktiven Konflikt verwickelt?
2. Vorbildlich
b20a9 04.08.2013
.. Der Verteidigungsminister ist zurück getreten... Die Asiaten haben noch mehr Anstand und Ehre als wir Europäer. Er übernimmt die Verantwortung für sein Resort, auch wenn ihn persönlich keine Schuld trifft. Ich erinnere mich schon garnicht mehr an den letzten deutschen Politiker, der so ehrenhaft gehandelt hat. Hier kleben alle an ihren Posten, wollen von nichts gewusst haben, suchen die Schuld bei anderen, lügen wenn nötig. Kein Wunder das der Ruf des Politikers hier so ist wie er ist. Maizere: Einfach mal Verantwortung übernehmen und zurücktreten, so einfach geht das! Alle machen Fehler - es geht darum wie man damit umgeht und daran wird man bewertet.
3. Endlich mal fundiertere Nachrichten zu Taiwan
G. Whittome 04.08.2013
Schön, dass man hier auch mal etwas Fundierteres zu Taiwan liest statt nur Oberflächliches über Prügeleien im Parlament (ohne viel Hintergrund dazu) oder über Barbie-Restaurants... Die Fernsehsender hier berichten eher über mehr als 2000 Todesopfer in den letzten 10 Jahren. Das so viele Menschen deswegen auf die Straße gehen, hat sicher auch damit zu tun, dass viele ehemalige Wehrpflichtige sich an selbst erlebte Schikanen während ihrer eigenen Wehrdienstzeit erinnern. Wieviele Opfer es tatsächlich waren, wird vielleicht eine Kommission klären, deren Bildung Ministerpräsident Jiang Yi-Huah jetzt angekündigt hat. Die Bevölkerung kann der Kommission gegenüber Fälle aus der Vergangenheit anzeigen. Hier zeigt sich, dass sich seit dem Übergang aus diktatorischen Zeiten bei den inneren Strukturen des Militärs leider nicht allzu viel geändert hat. Immerhin werden in Zukunft Fälle von Soldatenmisshandlung nicht mehr von der Militärgerichtsbarkeit selbst behandelt, sondern werden nun der normalen Strafgerichtsbarkeit unterstellt. Die Bevölkerung glaubt den Militärstaatsanwälten sowieso nicht, die die vier Hauptverdächtigen in dem Fall gegen Kaution erstmal auf freien Fuß gesetzt haben.
4. Keine voreiligen Schlüsse...
G. Whittome 04.08.2013
Zitat von b20a9.. Der Verteidigungsminister ist zurück getreten... Die Asiaten haben noch mehr Anstand und Ehre als wir Europäer. Er übernimmt die Verantwortung für sein Resort, auch wenn ihn persönlich keine Schuld trifft. Ich erinnere mich schon garnicht mehr an den letzten deutschen Politiker, der so ehrenhaft gehandelt hat. Hier kleben alle an ihren Posten, wollen von nichts gewusst haben, suchen die Schuld bei anderen, lügen wenn nötig. Kein Wunder das der Ruf des Politikers hier so ist wie er ist. Maizere: Einfach mal Verantwortung übernehmen und zurücktreten, so einfach geht das! Alle machen Fehler - es geht darum wie man damit umgeht und daran wird man bewertet.
Man sollte hier keine voreiligen Schlüsse ziehen. In den ersten 2-3 Wochen nach Bekanntwerden des Falles gab es von Regierungsseite kaum Reaktionen. Erst nachdem die Medien tagtäglich den (schleppenden) Fortgang der Ermittlungen kommentierten und klar wurde, dass der Fall in der breiten Bevölkerung so ernst genommen wird, hat Präsident Ma erst einmal seinen Verteidigungsminister geopfert. Es wird darauf ankommen, ob der Fall wirklich zu wirksamen Reformen führt. Erst dann wird sich zeigen, ob man hier von "Ehrenhaftigkeit" sprechen kann. Die Skandale in der Bundeswehr sind ja eher finanzieller Natur. Mir ist nicht bekannt, dass es deswegen Todesopfer gegeben hat...
5. ...
rainer_unsinn 04.08.2013
Zitat von roy712knapp 1400 Tote? Das sind 140 jährlich sowie ein Toter alle drei Tage?!? Wie kommt es denn zu einer solchen Menge an Todesfällen? Oder ist Taiwan irgendwo in einen aktiven Konflikt verwickelt?
Das sind krasse Zahlen. DAS ist eine echte Menschenrechtsverletzung. Trotzdem werden wir von diesem Thema vermutlich nie wieder etwas hören. Aber von bösen Festlandchinesen der den armen Ai Wai Wai verfolgt werden wir noch sehr sehr oft hören.
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Hauptstadt: Taipeh

Staatsoberhaupt:
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