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Taufliste aus Berlin-Mitte: "So heißt also die Gentrifizierung"

Saarbrücker Straße in Berlin: Sanierte neben unsanierten Wohnhäusern Zur Großansicht
DPA

Saarbrücker Straße in Berlin: Sanierte neben unsanierten Wohnhäusern

Ich taufe dich auf den Namen... - und was darauf in einer Gemeinde in Berlin-Mitte folgte, sorgt im Netz für Gesprächsstoff. Grund sind so klangvolle Namen wie Frederick Theodor Heinrich oder Leonore Anna Maria Chiara Helena.

Berlin - "Gentrifizierung, die: Aufwertung eines Stadtteils durch dessen Sanierung oder Umbau mit der Folge, dass die dort ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten verdrängt wird."

So beschreibt der Duden ein Phänomen, das vor allem in Großstädten zu beobachten ist: Viele Menschen ziehen in günstige Wohnviertel, durch die Nachfrage steigen die Preise, bis die Mieten schließlich nur noch für die Wohlhabenderen bezahlbar sind - und die Künstler, Studenten, Geringverdiener weichen müssen. In der Weihnachtszeit hat nun ein Fall aus Berlin für Aufsehen gesorgt, der von einigen als Beispiel für Gentrifizierung genannt wird. Auf Facebook hat ein Nutzer die aktuelle Infobroschüre einer evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Mitte gepostet, Seite 25, Rubrik "Taufen". 29 Namen von Kindern und Erwachsenen sind dort zu lesen, darunter die folgenden:

Viktor Paul Theodor, Ada Mai Helene, Rufus Oliver Friedrich, Cäcilie Helene, Edvard Neo, Freya Luise Apollonia, Frederick Theodor Heinrich, Leonore Anna Maria Chiara Helena. Viele der Nachnamen lassen zudem auf einen adligen Hintergrund schließen.

"Das Comeback alter Adelsgeschlechter in Berlin-Mitte = Gentrifizierung im eigentlichen Sinne", lautet ein Kommentar unter dem Facebook-Foto. "In Dresden Gorbitz sähe die Liste anders aus", schreibt ein anderer Nutzer. Ein dritter fasst zusammen: "So heißt also die Gentrifizierung."

Im "Gentrification Blog", betrieben von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Berliner Humboldt-Universität, ist vor kurzem ein Beitrag zu der Taufliste erschienen: "Berlin: Am Taufbecken der Gentrification - Kirche im Aufwertungsgebiet" heißt er. Die Liste lese sich "wie eine Mischung aus FDP-Wahlliste für das Europaparlament und dem Verzeichnis der höheren Beamten des Diplomatischen Dienstes", heißt es in dem Artikel. Und: "Der Wortsinn der Gentrification - der ja auf die Wiederkehr des niederen Landadels (der Gentry) in den Städten anspielt - bekommt hier jedenfalls einen unerwarteten Realitätsgehalt."

Zu dem Artikel stellte der Autor eine Taufliste aus dem Jahr 2007 aus einer Gemeinde im benachbarten Stadtteil Prenzlauer Berg. Darauf sind unter anderem diese Namen zu finden: Ruby, Matteo, Iwan, Lennart, Emilia, Annabelle, Andreas, Anke.

Jene Kirchgemeinde, in der die mondänen Namen zur Taufe aufgeführt sind, listet auch die Verstorbenen auf. Zwei sind es in der aktuellen Infobroschüre. Nzitu. Und: Herbert.

aar

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 119 Beiträge
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1. Achso...
Philibus 27.12.2014
Tschakeline, Mandy, Dustin und Kevin wären den Herrschaften wohl genehmer. Dieses Gentrifizierungs-Gejammer ist so spannend wie der Rest der Neid-Debatten.
2. Jetzt ist Kevin...
seppiverseckelt 27.12.2014
...also auch in Berlin-Mitte bald allein zu Haus...
3. Einige Namen fehlen aber.
thunderstorm305 27.12.2014
Da fehlen aber Namen wie "Kevin, Cherome, Leon oder Chantal. Dann passt es auf jeden Fall. M.E. aber die Namensgebung hat tatsächlich einen Hintergrund.
4. Was will dieser schräge Artikel uns sagen?
Khaled 27.12.2014
Dass es ungewöhnliche Vornamen und unterschiedliche Namensvorlieben gibt? Dass es Menschen mit mehr und mit weniger ererbtem Reichtum gibt?
5.
optism 27.12.2014
Eine "Taufliste" umfasst naturgemäß nur die Kinder, die getauft werden. In einer Stadt wie Berlin ist sie als Datenquelle im besten Fall ungenügend.
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