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Luxus-Residenz: Limburger Katholiken empört über Tebartz-Entlastung

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Limburger Bischofhaus: Noch kein Tebartz-Nachfolger bestimmt

Franz-Peter Tebartz-van Elst muss keinen Schadensersatz zahlen - diese Entscheidung des Vatikans empört Limburger Katholiken. Statt der gewünschten Ruhe steigt die Unruhe im Bistum.

Die Mitglieder des Kirchenchores aus Vilmar waren überrascht, als sie kürzlich bei einer Besichtigung des Limburger Bischofshauses neue, unbekannte Fakten kirchlicher Geldverschwendung entdeckten: So kann der eigens aus dem Heiligen Land eingeflogene Olivenbaum im Designergarten im rauen Limburger Winter eigentlich nicht überleben. Er steht aus ästhetischen Gründen obendrein auf der Nordseite und bekam daher auf Wunsch des damaligen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst eine "Wurzelheizung" verpasst.

Viele Fenster aus teurem Spezialglas lassen sich auf Knopfdruck elektrisch von Klar- auf Milchglas umschalten. Und im benachbarten Koi-Teich wurde - die Fische nicht eingerechnet - der Wert eines ordentlichen Reihenhauses versenkt. "Alles Wahnsinn", sagt einer der Sänger, "wenn man jetzt an die Aufgaben unserer Kirche angesichts der Flüchtlinge denkt."

Solche Besichtigungen sollen eigentlich der "Entmystifizierung" des Tebartz-Erbes dienen. Das wünscht sich zumindest die gegenwärtige Bistumsspitze um Administrator Manfred Grothe und dessen ständigen Vertreter Wolfgang Rösch. Doch wer an solchen Führungen teilgenommen hat, schüttelt verständnislos den Kopf über die jüngste Entscheidung des Vatikans: Tebartz-van Elst muss keinen Schadensersatz zahlen.

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Limburg: Blick ins "Diözesane Zentrum"
Das Bistum Limburg kommt nicht zur Ruhe. "Ein Psychogramm der Maßlosigkeit" habe er im Bischofshaus erlebt, schreibt Bernold Feuerstein, Mitglied des Vilmarer Kirchenchores, in einem Blogeintrag über die Besichtigung. Feuerstein gehört eigentlich zu den Kernkatholiken, er ist langjähriges Mitglied im Pfarrgemeinderat, im Katholischen Arbeiterbund, im Pastoralausschuss und aktiv in der katholischen Erwachsenenbildung. Was er denkt, denken viele: "Wir haben noch nicht ein Wort der Einsicht gehört, kein wirkliches Zeichen von Reue."

"Empörung und Enttäuschung"

Tebartz-van Elst ist weich gefallen. Er bekommt monatlich gut 6000 Euro vom Bistum, dazu eine unbekannte Summe aus Rom für seinen dortigen Posten. Der Gedanke daran bringt das Blut vieler Katholiken in Wallung, denn sie müssen radikal sparen. Gemeinden werden von oben herab zusammengelegt, damit das Bistum überleben kann, heißt es.

Überall rumort es. Im Untertaunus etwa erhebt ein Pfarrer in einem offenen Brief harte Vorwürfe in Bezug auf die Personalpolitik von Rösch und Grothe. Er habe sich angesichts von "Entscheidungen über den Kopf" hinweg so aufgeregt, dass er kürzlich einen Herzanfall erlitten habe. Das Katholische, sagt der frustrierte Priester, drohe im Bistum "Stück für Stück" zu verschwinden.

Ein anderes Beispiel liegt im Main-Taunus-Gebiet. Dort protestieren vom Sparkurs aufgebrachte Gemeindemitglieder gleich in drei Städten (Hattersheim, Flörsheim und Hochheim) gegen die Limburger Bistumsleitung, "Empörung und Enttäuschung" seien groß, weil die Herren im Ordinariat "alles vorher Besprochene auf den Kopf stellten".

Und dann vergällen noch solche Fälle wie in Oberursel die Stimmung: Die Leiterin des katholischen Kindergartens in der Pfarrgemeinde St. Ursula droht ihre Stelle zu verlieren, weil sie nur standesamtlich und nicht auch kirchlich geheiratet hat. Seit zwölf Jahren arbeitet sie dort, seit fünf Jahren als beliebte Leiterin. Mit einem Brandbrief an den Papst und einer Unterschriftensammlung soll noch gekämpft werden.

Im Heilungsprozess?

Der Limburger Pfarrer Hubertus Janssen denkt, dass zu viele der alten Leute noch immer im Amt sind, die Tebartz-van Elst gewähren ließen oder gar seine Vertrauten waren. "Es war doch ein System von Maßlosigkeit, zwielichtigem Finanzgebaren, Vertuschung und Lügen mit totalitären Zügen. Wie können diese Leute, die darin verwickelt waren, einfach weitermachen?", fragt Janssen.

Die Bistumsleitung um Grothe und Rösch sei mit der Aufarbeitung im Bistum Limburg offensichtlich überfordert, so Janssen. "Als Apostolischer Administrator hat Grothe sämtliche Vollmachten, die auch ein Bischof hat." Er habe sich aber einfach nicht getraut, die heißen Eisen im Bistum anzufassen.

"Rösch spricht gerne davon, dass wir 'im Heilungsprozess' sind. Davon spürt aber das Bistum und spüren auch die Gläubigen nichts", kritisiert Janssen. Insbesondere die Mitglieder im Domkapitel, die Tebartz gewählt hätten, dürften nicht noch einmal einen Bischof in Limburg bestimmen. "Ich erlebe in vielen Gesprächen, wie erneut das Vertrauen verloren geht und die Kirchenaustritte zunehmen."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Typisch RKK.
gekreuzigt 10.09.2015
Wir ham´s ja. Nur nebenbei: Alle Religionen verdummen.
2. Wenn es so weitergeht,
vo_rembremerdeng 10.09.2015
werden sich noch mehr Kirchenaustritte auf den Schreibtischen der Bistümer stapeln. Auch für Hardcore-Kirchgänger wird es irgendwann unerträglich. Allerdings werden trotz erklecklicher Kirchensteuern die Pfarrer und Bischöfe vom Staat bezahlt.
3. genau auf den Punkt gebracht
rorufu 10.09.2015
das ist das Hauptproblem unserer Gesellschaft. Tebartz, ein dekadentes Ego, und keiner der Katholiken kriegt hier Ruhe rein und kann dem Thema ein Ende setzten. Also veschwere sich keiner über diesen Verein der Scheinheiligen. Aber, es wäre ein doch idealer Platz für Asylanten, hier kann die kath. Kirche zeigen was Nächstenliebe für sie bedeudet. Ich warte gespannt ob sich hier etwas gewegt.
4. Anderer Rechtskreis?
stahlfahrer 10.09.2015
Diejenigen die sich hier unnütz aufregen sollten wissen, tun es aber nicht, dass sich der Herrn Gernegroß Kraft seines Amtes und Funktion möglicherweise in einem ganz anderen Rechtskreis befindet als das gemeine Gemeindemitglied...Stichwort Kanonisches Kirchenrecht! Lesen bildet und Nachfragen erstrecht...;-)
5. genau auf den Punkt gebracht
rorufu 10.09.2015
das ist das Hauptproblem unserer Gesellschaft. Tebartz, ein dekadentes Ego, und keiner der Katholiken kriegt hier Ruhe rein und kann dem Thema ein Ende setzten. Also veschwere sich keiner über diesen Verein der Scheinheiligen. Aber, es wäre ein doch idealer Platz für Asylanten, hier kann die kath. Kirche zeigen was Nächstenliebe für sie bedeudet. Ich warte gespannt ob sich hier etwas gewegt. Ach ja, für die brisanten Themen macht ihr wohl kein Forum mehr auf. Angst? Vor wem? Nicht konforme Meinungen werden sowieso gelöscht! Also, was ist los mit der Pressefreiheit?
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