Rücktritt von Tebartz-van Elst Das Lügen-Gebäude des Bischofs

Der Prüfbericht über den Bau von Limburg eröffnet einen beispiellosen Blick hinter die Kulissen der Kirche. Franz-Peter Tebartz-van Elst, sein Generalvikar, die Honoratioren: Sie alle bildeten ein Schweigekartell. Der Ex-Bischof wehrt sich auch nach seinem Rücktritt noch.

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Die Offenbarung für die Katholiken im Bistum Limburg steht auf 108 Seiten. In einem umfangreichen und detaillierten Bericht des Schreckens über alles, was bisher verschwiegen, gelogen oder vertuscht wurde. Ex-Bauherr Franz-Peter Tebartz-van Elst, der 2008 als Hoffnungsträger rechter Katholiken in Deutschland wie im Vatikan antrat, steht nun da wie der nackte Kaiser im Märchen, dessen Kirche viel zu lange damit gewartet hat, die Wahrheit auszusprechen.

Doch das Kapitel Tebartz-van Elst ist mit dem Bericht nicht vom Tisch: Am späten Mittwochabend widersprach der zurückgetretene Bischof dem Untersuchungsbericht in einer langen Erklärung. Vieles sei verzerrt, falsch und andere seien auch schuld. Der Fall des Limburger Bischofs gerät zum Debakel ohne Ende. Was für ein Bischof, der sich übers Internet zur Wehr setzt.

Nun ist für die deutsche Bischofskonferenz laut Untersuchungsbericht aber bewiesen, dass Tebartz-van Elst schon bald nach seinem Amtsantritt in Limburg sich nicht nur umgehend rote Teppiche im Ordinariat auslegen ließ. Laut Prüfbericht forderte er angesichts seines Neubaus auch sofort eine "einheitliche Sprachregelung" und "Kommunikationskonzepte" nach außen hin. Mehrere Architektenhonorare wurden als Erstes verpulvert, aber das machte am Anfang nichts - denn in der für den Rest der Katholiken geheimen Kasse des "Bischöflichen Stuhls", über die er als neuer Chef in Limburg praktisch allein und ohne echte Kontrolle verfügen konnte, waren gut 81 Millionen Euro Vermögen versteckt.

Der Bischof schwamm mithin im Geld, und das passte bestens zu seinem Lebensstil, der schon in Münster zu Konflikten bei seiner dortigen Bischofswohnung geführt hatte, wovon man aber den Brüdern und Schwestern in Limburg nichts erzählte. Das Unheil nahm seinen Lauf, als 2010 die Pressestelle im Auftrag des Bischofs berichtete, der Bau würde mit 5,5 Millionen Euro etwas teurer als geplant, aber die eigentliche Wohnung des geistlichen Oberhaupts sei nur etwa 80 Quadratmeter groß und koste auch nur 200.000 Euro. Nun gibt der Bericht als vorläufige Endsumme "mindestens 31,05 Millionen Euro" an. Allein für Tebartz-van Elsts Wohnung, die inzwischen auf 283,02 Quadratmeter gewachsen ist, sind es 6,13 Millionen Euro Baukosten.

Damals gab es schon erste Kritik von Katholiken im Bistum und auch in der Presse, weil niemand an die offensichtlich schöngerechnete 5,5-Millionen-Summe glaubte. Voller Angst vor der Öffentlichkeit ergriff Tebartz-van Elst offenbar Panik. Auf Seite 43 des Prüfberichts heißt es: "Von Anfang an wurden die Pläne geheim gehalten und nicht zutreffende Angaben über die Kosten in die Öffentlichkeit gebracht. Das war allen direkten Akteuren und ebenso dem Bischof bekannt."

Zwang zu strengster Vertraulichkeit und Verschwiegenheit

Neben dem Bischof gab es nur drei handelnde Personen - die er jedoch zur Verschwiegenheit verpflichtete. "Diskretion war eine Tugend, die höher rangierte als Glaube, Hoffnung und Liebe", heißt es in dem Prüfbericht. "Diese drei Mitarbeiter, die verpflichtet wurden, über nichts zu reden", wussten auch untereinander nicht, was der jeweils andere machte. Auch der Architekt und sein Büro wurden zur Geheimhaltung verpflichtet, um "weder von bistumsinterner noch von öffentlicher Diskussion" begleitet zu werden.

Mit nahezu geheimdienstlicher Konspiration wurde gehandelt: "Pläne, Rechnungen und Dokumentationen wurden daher nur persönlich übergeben." Und: "Alles, was den Bischof oder seinen unmittelbaren Bereich betraf, wurde in durchgängig nummerierten und durch den Sekretär des Bischofs zweifach mit Siegel verschlossenen Umschlägen übergeben."

Der Diözesanbaumeister wurde zu strengster Vertraulichkeit und absoluter Verschwiegenheit gezwungen, später sogar zur öffentlichen Lüge. Auch durch die Auslagerung der Buchführung an den externen Dienstleister KPMG, durch die Führung eines diskreten Kontos in Berlin, die Umorganisation des Postlaufs im Ordinariat oder die Auslagerung der Registratur wurden weitere bewusste Schritte zur Geheimhaltung des Bauprojekts gemacht. Es ging stets um die Verschleierung der Gesamtkosten. Gremien wurden ausgeschaltet oder übergangen. Diözesanes Recht wurde missachtet. Statuten wurden kurzerhand geändert.

213.000 Euro für das Koi-Becken

Der Untersuchungsbericht liest sich teilweise so, als habe ein Mafiapate die Macht im Bistum Limburg an sich gerissen, wenige Vertraute um sich geschart und seine Pläne knallhart durchgesetzt. Doch als der Bischof allen Priestern, Diakonen und Mitarbeitern im August 2012 in einem Rundbrief noch versicherte, er würde nur eine bescheidene Drei-Zimmer-Wohnung beziehen und der Bau würde wie versprochen nur 5,5 Millionen Euro kosten, stand schon längst fest, dass es über 17 Millionen werden würden. "Damit wussten alle Beteiligten zu jedem Zeitpunkt, dass in der Öffentlichkeit mit Beginn der Baumaßnahme falsche Zahlen vorgestellt wurden."

Auf SPIEGEL-Anfragen zu einem Koi-Becken wurde beispielsweise ein solches geleugnet. Nun weist es der Bericht aus, zwei Meter tief, Kostenpunkt 213.000 Euro. Weitere Details sind "LED-Sonderleuchten" für 650.000 Euro, "32 Flachmembranlautsprecher verteilt im Projekt für ca. 45.000 Euro eingebaut". Nebenbei ließ Tebartz-van Elst sämtliche Lichtschalter wieder herausreißen, um sie durch Sensorlichtschalter zu ersetzen, Kostenpunkt 235.000 Euro. "Hochwertige Kunstwerke, Möbel und Antiquitäten" wurden angekauft. "Vielfältige Umplanungen und Änderungen (...) zum Teil im bereits fertiggestellten Haus", führten in der Regel zu deutlich kostenintensiveren Ausführungsarten. Die Änderungen wollte stets der Bischof. Der behauptet nun in seiner Stellungnahme, niemand habe ihm gesagt, dass es dadurch teurer würde. Und überhaupt, er habe nicht so genau wissen müssen, mit welchem Geld genau die Handwerkerrechnungen bezahlt wurden.

Schon am 14. Februar hatte die fünfköpfige Untersuchungskommission ihre Expertise fertig. Doch es dauerte bis Mittwochmittag, 12 Uhr, bis aus dem Kommissionsvorsitzenden, dem langjährigen Paderborner Weihbischof Manfred Grothe, auf Weisung von Papst Franziskus ein Administrator des Bistums Limburg geworden ist. Der soll nun das Bistum in eine neue Zukunft führen, bis ein neuer Bischof vom Papst bestimmt wird. Doch jetzt müssen Grothe und der neue Katholikenchef Kardinal Reinhard Marx erst einmal mit der neuen Offensive von Tebartz-van Elst umgehen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
isegrim der erste 26.03.2014
1. Mir fehlt der Glaube, dass es in anderen Bistümern
der Katholischen Kirche viel anders aussieht, als in Limburg unter Tebartz-van Elst. Nur rausgekommen ist eben noch nichts. Das ist der Unterschied.
nhorwath 26.03.2014
2. Die Verlogenheit in Deutschland
macht vor keiner Türe halt.Zu was für einer unredlichen Gesellschaft wir es doch gebracht haben.Jeder nimmt für sich in Anspruch richtig gehandelt zu haben.Ob das Steuerbetrüger, Politiker mit falschen Titel oder wie hier ein jämmerlicher (kommt von Jammer) Pfaffe der trotz dieses Unsummen-Betrugs sich für unschuldig hält.
mitgefühlundweisheit 26.03.2014
3.
In 2000 Jahren hat sich nichts geändert - ausser, dass der Staat heute beim Eintreiben des "Zehnten" Erfüllungsgehilfe ist. 400 Mio pro Jahr gibts vom Staat zur Kirchensteuer in D noch oben 'drauf! Den Rest des opulenten Lebensstils kann diw Kirche aus nicht einsehbaren, von Gesetzen geschützten, eigenen "schwarzen" Kassen finanzieren. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr ...
reznikoff2 26.03.2014
4. Hm
Zitat von sysopDPADer Prüfbericht über den Bau von Limburg eröffnet einen beispiellosen Blick hinter die Kulissen der Kirche. Franz-Peter Tebartz-van Elst, sein Generalvikar, die Honoratioren: Sie alle bildeten ein Schweigekartell. Der Ex-Bischof wehrt sich auch nach seinem Rücktritt noch. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tebartz-van-elst-ruecktritt-boschof-und-das-luegen-gebaeude-von-limburg-a-960985.html
Man überlegt ja derzeit, wo man diese Flasche anderweitig einsetzen kann. Am besten umschulen, denke. Irgendwas Nützliches wird sich ja finden lassen. Frisör?
matti99 26.03.2014
5. und alle bleiben still und lassen sich weiter führen
weiter führen in die, durch die heilige katholische kirche, ohne protest, ohne ruf nach selbstbestimmung, ohne ruf nach freiheit von diesen geistlichen katholischen führern.. völlig unverständlich, dies könnte, ja müsste doch grund für einen übertritt, einen austritt und übergang in eine andere protestantische kirche a la luther werden....
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