Camp für Tempelelefanten in Indien Probier's mal mit Gemütlichkeit

In Indien werden Tempelelefanten zwar verehrt, aber nicht artgerecht gehalten. In Erholungscamps sollen sie wieder zu Kräften kommen. Der Fotograf Selvaprakash Lakshmanan hat die Tiere dorthin begleitet.

Selvaprakash Lakshmanan

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Sie stehen angekettet vor Tempeln, nehmen Spenden entgegen und legen ihren Rüssel auf den Kopf von Gläubigen, ziehen bei Hochzeiten oder religiösen Festen reich verziert durch die Straßen: Tempelelefanten in Indien gelten dank des Elefantengottes Ganesha als heilig, werden aber wenig artgerecht gehalten. Tierschützer kritisieren, sie würden unter Bewegungsarmut leiden, sich an ihren Fesseln wund scheuern, wären durch die vielen Menschen und die lauten Geräusche gestresst.

Es verwundert kaum, dass manche Tempelelefanten Amok laufen. Nach einem weiteren Fall beschloss der Ministerpräsident des Bundesstaates Tamil Nadu 2013: Die Tiere brauchen dringend Erholung. Deshalb gründete er ein Regenerationscamp mitten in der Wildnis am Ufer des Flusses Bhavani. Der Fotograf Selvaprakash Lakshmanan hat die Tiere dorthin begleitet.

Da Lakshmanan in Südindien geboren und aufgewachsen ist, kennt er die Lebensbedingungen der Tempelelefanten sehr gut. Ihn interessierte vor allem, was in den Camps für die Tiere getan wird. Er besuchte das Camp am Bhavani vor etwa fünf Jahren zum ersten Mal und kehrte 2015 und 2018 zurück. Es gibt zwar auch andere Einrichtungen für gefangene Elefanten in Indien, aber diese ist die einzige, die von der Regierung betrieben wird.

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Indien: Im Elefantencamp

Einmal jährlich können Elefanten das Erholungslager besuchen. Jedes Mal müssen sie vorab einen Gesundheitscheck durchlaufen, damit überprüft werden kann, ob sie reisefähig sind. Denn manche der Tiere legen mehrere Hundert Kilometer zurück, um das Camp zu erreichen. Ihre Mahuts, Führer und oftmals auch Besitzer der Tiere, begleiten die Elefanten. Sie sind für die Ernährung und Pflege der Tiere verantwortlich, dressieren sie, sind oft über Jahrzehnte mit ihnen verbunden.

48 Tage verbringen Elefanten und Führer am Ufer des Bhavani. "Nach der indischen traditionellen Medizin ist dies die Dauer, um eine nachhaltige Veränderung in Körper und Geist eines Wesens herbeizuführen", sagt Lakshmanan. Die Tiere erhalten eine ausgewogene Ernährung, medizinische Versorgung, werden gebadet und bekommen viel Auslauf.

Mahuts lernen voneinander

Einige der Elefanten haben bis dahin noch nie einen Artgenossen gesehen. "Ich war daran interessiert, wie die Tiere miteinander umgehen", sagt Lakshmanan. "Außerdem konnte ich sie in ihrer ursprünglichen Umgebung erleben."

Die Dickhäuter sind nicht die einzigen, die von dem Camp profitieren: Die Mahuts haben viel mehr Freizeit als sonst, können sich miteinander austauschen und voneinander lernen. "Einige von ihnen wissen, dass die Kontrolle von Elefanten durch Angst, Schmerz oder Dominanz nicht funktioniert, und, dass sie zu den intelligentesten Tieren gehören."

Manche - aber nicht alle - Mahuts haben laut Lakshmanan eine starke Bindung zu ihren Elefanten. "Sicherlich arbeiten sie nicht für Geld, sie verdienen sehr wenig und haben schlechte Arbeitsbedingungen", sagte Lakshmanan. "Sie tun es für die Tierwelt."

Ob die Elefanten im Erholungslager glücklich sind? "Ich bin kein Elefantenexperte", sagt Lakshmanan. Ich kann aber sehen, dass sie es genießen, so sieht es zumindest für mich aus."

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