Psychisch kranke Spitzensportler Teresa Enke sieht Fortschritte im Kampf gegen Depressionen

Robert Enke nahm sich vor fast neun Jahren das Leben. Nun hat der Sportfunktionär Max Eberl kritisiert, dass sich im Umgang mit Depressionen im Profifußball wenig verändert habe. Doch Enkes Witwe widerspricht.

Robert Enkes Witwe Teresa Enke (Archivbild)
DPA

Robert Enkes Witwe Teresa Enke (Archivbild)


Knapp neun Jahre nach dem Suizid des Fußballnationalspielers Robert Enke hat der Sportdirektor des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach eine Debatte über den Umgang mit Depressionen im Profisport ausgelöst. "Enkes Tod war damals für alle ein großer Schock, ist aber nicht so nachhaltig in den Gedanken geblieben, dass er heute noch als warnendes Beispiel gilt", sagte Eberl.

Max Eberl
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"Die jungen Fußballer verdienen viel Geld, werden von jedem gefeiert, haben aber oft keine wahren Freunde, weil das sehr schwer ist", sagte er. "Die Jungs können auch einsam sein und überfordert mit dem, was alles auf sie einprasselt." Eberl hatte während seiner aktiven Karriere sowohl mit Enke als auch mit Sebastian Deisler in einer Mannschaft gespielt. Deisler und Enke litten an Depressionen, Enke nahm sich im November 2009 im Alter von 32 Jahren das Leben.

Die Witwe des verstorbenen Spitzensportlers widersprach Eberl. Sie sei gerührt gewesen, dass der Sportfunktionär seinen ehemaligen Mitspieler noch immer in Erinnerung halte, heißt es in einem offenen Brief von Teresa Enke an Eberl.

Es habe sich aber doch viel im Kampf gegen seelisches Leiden getan: "Wir haben in Deutschland ein Netzwerk von mehr als 70 Sportpsychiatern aufgebaut, mit telefonischer Beratungshotline und der Enke-App als Informationsquellen."

"Wir litten unter diesem schrecklichen Gefühl"

Sie nannte auch ein aktuelles Beispiel: Vor wenigen Wochen klagte demnach ein Jugend-Bundesligafußballer über anhaltende Erschöpfung und Gefühllosigkeit. Als im Gespräch mit dem Sportpsychologen seines Vereins der Verdacht einer Depression im Raum gestanden habe, sei die Stiftung kontaktiert worden. "Innerhalb eines Tages", so Enke, "hatte der Jugendliche einen Termin bei einem Sportpsychiater in seiner Stadt."

Zudem müsse mittlerweile jedes Nachwuchsleistungszentrum einen Psychologen beschäftigen. Dies sei ein Kontrast zur Situation 15 Jahre zuvor. Damals habe Robert Enke erstmals gegen eine tiefergehende Depression gekämpft. "Wir litten unter dem schrecklichen Gefühl, Roberts Krankheit verheimlichen zu müssen", schrieb Teresa Enke: "Einem Torwart mit Depression würde doch kein Verein mehr trauen."

Zuletzt hatte Enkes früherer Teamkollege Per Mertesacker mit persönlichen Eindrücken an den früheren Nationaltorhüter erinnert. "Er gab mir von Anfang an das Gefühl, er schätze mich, den Frischling", schrieb Mertesacker anlässlich Enkes achten Todestags im November vergangenen Jahres.

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Per Mertesacker über Robert Enke: "Er schenkte mir sein Vertrauen"

"Ich denke, eine schönere Erfahrung kann man bei der Arbeit kaum machen, egal, welche Arbeit man verrichtet", schrieb Mertesacker. "Er schenkte mir sein Vertrauen." Nach Enkes Suizid habe er viel über die Krankheit Depression gelernt; wie die meisten Betroffenen hätten Enke die Depressionen nur in kurzen Phasen seines Lebens erwischt. "Mit seinem Tod hat uns Robert die Aufgabe gegeben, seelische Krankheiten besser zu bekämpfen."

mxw/dpa



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