Giraffen-Jägerin "Ekelhafte, gemeine, unmoralische, herzlose, egoistische Mörderin"

Eine Frau aus den USA erschießt in Südafrika eine Giraffe - und wird nun auch von Prominenten angefeindet. Die 37-Jährige wehrt sich.

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Eine Frau mit Gewehr posiert vor einer erschossenen Giraffe: Ein Foto zeigt die Jägerin kniend vor dem Kadaver, ein weiteres stehend, die Faust jubelnd zum Himmel gereckt. Auf den Bildern ist Tess Thompson Talley zu sehen, 37, aus dem US-Bundesstaat Kentucky.

Die Fotos entstanden bei einem Jagdausflug nach Südafrika im vergangenen Sommer, machen aber erst jetzt auf Social Media die Runde. Sie haben große Empörung ausgelöst, Talley steht massiv in der Kritik.

Wie man zum Vergnügen Giraffen jagen könne, fragen Tierschützer - wo es doch weltweit weniger als 100.000 der Tiere gebe. Tatsächlich gelten Giraffen als vom Aussterben bedroht. Bereits Ende 2016 hatte die Weltnaturschutzorganisation IUCN die Tiere auf die Rote Liste der gefährdeten Arten gesetzt, nachdem die Population binnen drei Jahrzehnten um 40 Prozent geschrumpft war.

Da verwundert es nicht, dass in sozialen Medien viele Nutzer - darunter einige Prominente - das Verhalten der Frau verurteilen. Wer so etwas tue, habe keine Seele, meldete sich Musiker Moby zu Wort. Komiker Ricky Gervais, für seinen Einsatz für Tierrechte bekannt, bedachte die 37-Jährige mit einem üblen Kraftausdruck. Und die Schauspielerin Debra Messing ("Will & Grace") twitterte, Talley sei eine "ekelhafte, gemeine, unmoralische, herzlose, egoistische Mörderin" mit "schwarzem Herzen".

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Erschossener Giraffenbulle: Jägerin in der Kritik

Die dermaßen Kritisierte verteidigt sich. Dem TV-Sender CBS sagte Talley, was sie getan habe, sei "Artenschutz durch Wildtiermanagement". Der geschossene Giraffenbulle sei zu alt, um sich fortzupflanzen, habe aber drei jüngere männliche Tiere getötet. "Jetzt, wo die Giraffe verschwunden ist, können sich jüngere Bullen fortpflanzen."

Erfüllung eines Jagd-Lebenstraumes?

Ob allerdings diese Motivation allein ausschlaggebend war, wird bezweifelt. In einem inzwischen gelöschten Facebook-Eintrag soll Talley geschrieben haben, durch das Erlegen des seltenen Giraffenbullen sei für sie ein Jagd-Lebenstraum in Erfüllung gegangen.

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Bedrohte Art: Giraffen schwinden

Illegal war das Töten der Giraffe offenbar nicht. Jäger zahlen teilweise große Summen an die Behörden afrikanischer Staaten, um Großwild erlegen zu dürfen. Sie argumentieren, mit den Einnahmen aus diesem Geschäft ließen sich Maßnahmen gegen Wilderer und Naturparks finanzieren - zudem hätten die entsprechenden Länder dann Anreize, gewisse Tierarten nicht aussterben zu lassen, um weiterhin zahlungskräftige Kundschaft anlocken zu können. Diese Argumentation überzeugt Tierschützer freilich kaum. Sie halten dagegen, es sei verwerflich, ein Tier quasi als Sport zu töten.

Worauf Talley sich jetzt womöglich einstellen muss, kann sie bei Walter Palmer nachfragen. Der Zahnarzt aus den USA tötete 2015 den Löwen Cecil, wegen seiner schwarzen Mähne einer der bekanntesten Bewohner des Hwange-Nationalparks in Simbabwe. Palmer fand sich in einem derart üblen Shitstorm wieder, dass er zeitweise seine Praxis schloss.

Besonders empörend fanden Kritiker, dass das Tier aus dem Schutzgebiet gelockt und dann mit Pfeil und Bogen gejagt worden war. Erst nach Stunden war Cecil mit einem Schuss von seinen Qualen erlöst worden. Für Palmer blieb die Sache ohne juristische Folgen.

Video: Ein Urlaub zum Töten - Großwildjagd in Afrika

ulz



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