Angriff auf Highschool in Texas Der Täter rief noch "Überraschung"

Es ist wieder passiert: In Texas hat ein 17 Jahre alter Schüler an einer Highschool neun Mitschüler und einen Lehrer erschossen. Was steckt hinter der grausamen Tat?

REUTERS

Von , Washington


Die Santa Fe High School ist ein gigantischer Schulkomplex. Er erinnert von außen an eine Shoppingmall und liegt direkt am Highway Nummer 6, der die Metropole Houston mit dem Strandort Galveston verbindet. Um kurz vor acht Uhr nahm hier die Tragödie ihren Lauf.

Dimitrios Pagourtzis, 17, betrat das Gebäude seiner Schule, er trug einen schwarzen Trenchcoat und war mit einer Schrotflinte und einem Revolver Kaliber 38 bewaffnet. Augenzeugen berichten, der Angreifer habe erst auf dem Flur, dann in einer Kunstklasse um sich geschossen. Mehrere Schüler versteckten sich in einer Abstellkammer. Pagourtzis öffnete die Tür und rief "Überraschung". Dann schoss er auf die Schüler in der Kammer, dort traf er einen am Kopf, den anderen am Bein. "Es hörte einfach nicht auf", berichtet eine Schülerin.

Panisch rannten Kinder ins Freie und versuchten, den Kugeln zu entkommen. Sie versteckten sich hinter Büschen und Autos. Einige liefen zu einer nahe gelegenen Tankstelle. Als wenige Minuten später Polizisten am Tatort eintrafen, konnten sie Pagourtzis stellen. Schnell ergab er sich den Beamten. Eigentlich hatte er wohl geplant, nach seinem Angriff Suizid zu begehen. Doch er sagte den Polizisten, er habe dazu am Ende nicht den Mut gehabt.

Das nächste tödliche "Mass Shooting" an einer Schule

Gerade einmal drei Monate nach dem verheerenden Amoklauf in einer Highschool in Parkland, Florida, mit 17 Toten erlebt Amerika das nächste tödliche "Mass Shooting" an einer Schule. Die traurige Bilanz diesmal: Zehn Menschen sind tot, neun Schüler, ein Lehrer. Weitere zehn Menschen wurden verletzt.

Alles erscheint wie eine Wiederholung des Albtraums vom Februar: Wieder sind die Opfer zumeist Jugendliche, wieder ist der Täter ebenfalls ein Jugendlicher - und wieder blickt die Nation auf diese Bilder von schockierten, weinenden Kindern. Sie schildern ihre Ängste, ihre Trauer, aber auch ihre bösen Vorahnungen. "Ich habe mir immer gedacht, so etwas kann auch bei uns passieren", sagt ein Mädchen in die Kameras.

Insgesamt 22 Angriffe in Schulen hat es in diesem Jahr bereits in den USA gegeben. Bei dieser Zählung sind Schüsse an Colleges und Universitäten eingeschlossen. Und wieder stellen sich die gleichen Fragen wie nach dem Parkland-Shooting: Wie kann dieser Wahnsinn gestoppt werden? Was tut die Politik?

Präsident Donald Trump fiel in einer ersten Reaktion auch nicht mehr ein, als von einem "sehr, sehr traurigen" Ereignis zu sprechen. Nach dem Massaker von Parkland hatte Trump versprochen, alles zu unternehmen, um solche grausamen Taten künftig zu unterbinden. Er erneuerte dieses Versprechen nun. Doch es bleibt wertlos, solange der Präsident und seine Partei sich weigern, die mächtigen Waffenlobbyisten von der "National Rifle Association" (NRA) in die Schranken zu weisen.

Als Trump nach Parkland im Weißen Haus mit Überlebenden von Amokläufen und deren Angehörigen zusammensaß, machte er zwei Ankündigungen: Er wolle die Sicherheitsüberprüfungen für Käufer von Waffen entscheidend verbessern, und er wolle das Mindestalter zum Kauf von Sturmgewehren von 18 auf 21 Jahren anheben, erklärte er. Beide Vorschläge werden von der NRA abgelehnt, bislang ist noch nichts geschehen. Auch der Kongress tut: nichts.

Wachleute sollen rund um Schulgebäude platziert werden

Stattdessen wirbt Trump wie die Waffenlobby vor allem für mehr Waffen: Speziell geschulte Lehrer sollen auch im Unterricht zum Beispiel Pistolen tragen können, um ihre Schüler verteidigen zu können. Zugleich sollen mehr bewaffnete Wachleute rund um Schulgebäude platziert werden. Das soll das Problem nach ihrer Ansicht lösen.

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Schüsse an US-Schule: "Es sieht nicht gut aus"

Dimitrios Pagourtzis schoss offenbar mit Waffen, die seinem Vater legal gehörten. Ob er sie auch mit Wissen des Vaters nutzte, wird noch ermittelt. Untersucht wird auch, ob er möglicherweise Mitwisser hatte und welche Rolle mehrere selbst gebaute Sprengsätze spielen, die in der Nähe des Tatorts gefunden wurden. Zwei verdächtige Schüler werden dazu befragt.

Am Abend fand in Santa Fe eine Mahnwache statt, an der auch der texanische Gouverneur Greg Abbott und Senator Ted Cruz teilnahmen. Die republikanischen Politiker beteten mit den Anwesenden und sprachen ihnen Mut zu. "Wir werden jeden Tag hier sein, um sicherzustellen, dass der Schulbezirk Santa Fe und diese Schule wieder zur Normalität zurückkehren können und unsere Schulen wieder sicher sind", sagte Gouverneur Abbott. Er sprach auch von einem "Akt des puren Bösen". Das ist die übliche Formulierung, die Waffenbefürworter wie Abbott nutzen, um klarzumachen, dass aus ihrer Sicht nicht die liberalen amerikanischen Waffengesetze, sondern allein das Fehlverhalten Einzelner der Grund für das fortgesetzte Morden sind.

T-Shirts mit dem Spruch "Born To Kill"

Was genau den Angreifer von Santa Fe zu seiner grausamen Tat bewog, bleibt unklar. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler sollen bei Pagourtzis wenige Warnsignale für eine Gewaltbereitschaft erkennbar gewesen sein. Er war zuvor wohl auch nicht mit dem Gesetz in Berührung gekommen.

Nur auf seiner Facebook-Seite gibt es Hinweise für Gewaltfantasien. Dort postete er ein T-Shirt mit dem Spruch "Born To Kill" sowie ein Bild einer schwarzen Jacke mit einem deutschen Eisernen Kreuz und einem sowjetischen Hammer-und-Sichel-Anstecker. "Hammer und Sichel=Rebellion", schrieb er unter anderem. "Eisernes Kreuz=Tapferkeit."

Lehrer und Mitschüler beschreiben Pagourtzis als ruhigen, unauffälligen Jungen. Er war wohl gut in Geschichte und Mitglied in der Football-Mannschaft der Sante Fe High School. Zwei seiner Teamkameraden sind nun tot. Er hat sie erschossen.



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