Überschwemmungen in Texas "Harvey" wird schwächer - aber extrem teuer

Die Pegel sinken, der Regen hört auf: Die Lage im überschwemmten Houston entspannt sich ein wenig. Doch für den Wiederaufbau könnte Texas offenbar mehr als 125 Milliarden Dollar benötigen.

Überschwemmungen in Houston
AFP

Überschwemmungen in Houston


Nach Tagen der Katastrophenmeldungen gibt es endlich auch positivere Nachrichten aus den von "Harvey" betroffenen Gebieten in den USA. Das nationale Hurrikanzentrum meldete, der Tropensturm habe weiter an Stärke verloren. In der besonders betroffenen Millionenmetropole Houston verbesserte sich die Lage leicht: Am Mittwoch schien dort erstmals wieder die Sonne, die Pegel gingen in einigen Gebieten leicht zurück. Die Küstenwache meldete, vier Häfen an der Küste Texas würden tagsüber wieder geöffnet.

Das Hurrikanzentrum warnt aber noch immer vor lebensbedrohlichen Bedingungen. Und das Ausmaß der Flutkatastrophe wird immer sichtbarer. "Harvey" war der stärkste Hurrikan in Texas seit mehr als 50 Jahren - und allein dieser Bundesstaat braucht nach Einschätzung von Gouverneur Greg Abbott womöglich mehr als 125 Milliarden Dollar von der US-Regierung für den Wiederaufbau.

Angesichts der Größe des betroffenen Gebietes könnten 125 Milliarden nicht ausreichen, sagte Abbott. Diese Summe war 2005 nach dem Hurrikan "Katrina" zur Verfügung gestellt worden, der damals unter anderem New Orleans zerstörte.

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Houston nach Hurrikan "Harvey": Die zerstörte Stadt

"Harvey" war am Freitag erstmals in Texas auf Land getroffen; seither kämpft die Gegend mit den verheerenden Folgen. Binnen weniger Tage fielen in dem Staat mancherorts bis zu 125 Zentimeter Regen - ein Rekord für das Festland der USA. Inoffizielle Schätzungen gehen von mehr als 20 Todesopfern aus, der Sender CNN etwa sprach von mindestens 28. Zehntausende Bewohner mussten in Notunterkünfte ausweichen.

In Beaumont und Port Arthur fielen innerhalb von 24 Stunden 66 Zentimeter Regen. Beide Orte liegen nahe der Grenze zu Louisiana - also in der Gegend, wo "Harvey" in der Nacht zu Mittwoch zum zweiten Mal auf Land getroffen war. Am Donnerstag sollte er Mississippi erreichen.

Sorge vor Explosion in Chemiefabrik

In einer unter Wasser stehenden Chemieanlage bei Houston droht eine Explosion. "Wir bereiten uns in Crosby auf das vor, was wir als das schlimmste Szenario einschätzen", sagte der Chef der US-Filiale des französischen Konzerns Arkema, Kenneth Rowe. Derzeit stehe das Wasser in der Fabrik 1,80 Meter hoch.

Die in der Fabrik gelagerten Chemikalien müssen nach Angaben der Firma dringend gekühlt werden. Jegliche Stromversorgung sei ausgefallen, sagte Rowe. Es gebe nun keine Möglichkeit mehr, eine Explosion zu verhindern. Die Mitarbeiter der Anlage seien in Sicherheit gebracht worden.

Rowe versicherte, dass es Notfallpläne gebe und erinnerte daran, dass die Anwohner der Chemiefabrik bereits am Dienstag in Sicherheit gebracht wurden.

Video: Bürgermeister verhängt Ausgangssperre in Houston

Marine, Mexiko, Promis - alle helfen

Um die Rettungsarbeiten in den überfluteten Gebieten in Texas zu unterstützen, schickt die US-Marine zwei Schiffe vor die Küste des Staates. Sie sollten am Donnerstag von Norfolk in Virginia auslaufen, teilte die Marine mit. Beide Schiffe sind dafür ausgestattet, medizinische und logistische Unterstützung zu liefern. Sie wurden mit Lebensmitteln beladen.

Hilfsangebote kamen auch aus Mexiko und Venezuela. US-Außenminister Rex Tillerson dankte seinem mexikanischen Kollegen Luis Videgaray am Mittwoch bei einem Treffen in Washington für das "großzügige" Angebot in diesen "sehr, sehr schwierigen Zeiten". "Wir sind Nachbarn, wir sind Freunde und Freunde machen so etwas", fügte er hinzu. Die von Mexiko angebotene Summe nannte Tillerson nicht.

Venezuela wolle bis zu fünf Millionen Dollar für betroffene Familien in Houston und Corpus Christi zur Verfügung stellen, sagte Außenminister Jorge Arreaza und sprach von einer Geste der "Solidarität jenseits aller politischen Differenzen".

Video: Wie rote Feuerameisen Sturm "Harvey" trotzen

Texas State Parks

Auch zahlreiche Prominente hatten in den vergangenen Tagen angekündigt, für die Opfer von "Harvey" zu spenden, darunter die Schauspieler Sandra Bullock, Kevin Hart, Amy Schumer, Leonardo DiCaprio und Sängerin Beyoncé. Oscar-Preisträger Jamie Foxx kündigte in einer Videobotschaft auf Instagram an, dass am 12. September eine große Fernseh-Spendengala geplant sei.

aar/dpa/Reuters/AFP/AP

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phoenix68 31.08.2017
1. Wetten, dass
nichts dazu gelernt wurde. Der Wiederaufbau genau dort stattfindet, wo ueberschwemmt war und wo wieder ueberschwemmt wird. Werden die Kommunen wohl Flutkarten erstellen lassen? Wird es eine Umfahrungsstrasse um Houston geben? Wird es Fruehalarmsystem geben? Werden Krankenhaeuser, Pflegeheime VOR dem naechsten Wirbelsturm evakuiert? Wohl kaum - kostet ja alles Geld; Geld, das fuer die Ruestung gebraucht wird. Der naechste Wirbelsturm kommt bestimmt und mit ihm die naechste Katastrophe.
remcap 31.08.2017
2. Auch eine Chance für Trump zum Imagewandel?
Ich frage mich nur wie man solche Summen wie 125 Milliarden einfach so beziffern kann. Da wird Trump seine Politik gewaltig umdenken müssen um dieses riesige Loch stopfen zu können. Jetzt hat er die Chance durch eine humanitäre Politik sein Image gehörig aufzupolieren.. Auch die FED wir nicht aussen vor bleiben können und sicherlich ihre Entscheidungen aufgrund solcher Katastropehn neu einschätzen müssen.
fatherted98 31.08.2017
3. Das Geld...
...wird wohl kaum an die Geschädigten gehen...sondern beziffert wohl eher die Schäden in der Infrastruktur. Die Privat-Geschädigten können meist Ihre Häuser wegwerfen...wer US Bauweise kennt, weiß, dass außer dem Kamin (falls vorhanden) dort alles in Trockenbauweiß (sprich Rigips-Wände in Holzlattung) erstellt ist. Da kann sich jeder ausmalen wie diese Wände nach einer Woche Wasser aussehen...die ganzen Hütten kann man nur noch abreißen...schlimm für die Menschen....und Hilfe werden sie wohl kaum erhalten...jedenfalls weder von Trump und der US Regierung noch vom Staat Texas.
specialist0815 31.08.2017
4. Unklarheiten im Artikel
Also die übliche Einheit um einen Niederschlag zu beziffern ist in mm/m² und nicht cm. 66 cm suggeriert dass dort in 24 Stunden 660mm/m² gefallen sind. Zur Einordnung: Der Jahresniederschlag in Freiburg liegt bei weniger als 500mm/m². Können sie bitte die Korrekte Einheit im Artikel verwenden damit eine Einordnung des Ereignisses möglich wird?
fluxus08 31.08.2017
5. Nun ja,
Zitat von specialist0815Also die übliche Einheit um einen Niederschlag zu beziffern ist in mm/m² und nicht cm. 66 cm suggeriert dass dort in 24 Stunden 660mm/m² gefallen sind. Zur Einordnung: Der Jahresniederschlag in Freiburg liegt bei weniger als 500mm/m². Können sie bitte die Korrekte Einheit im Artikel verwenden damit eine Einordnung des Ereignisses möglich wird?
bei diesem Unwetter kommen Sie mit mm Angaben eben nicht mehr weiter, wenn es bei Harvey Regionen gab, wo unfassbare 1.300 Ltr. Regen auf einem m² innerhalb 72 Std. niedergegangen sind.
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