Gewalt in den USA Waffenrecht und Waffenwahn

Der Mordanschlag auf Kirchgänger in Texas heizt die Debatte über das US-Waffenrecht an. Wie viele Amerikaner besitzen Schusswaffen, wie oft kommen dort Menschen durch sie ums Leben? Der Überblick in Grafiken.

US-Waffengeschäft in Provo, Utah
REUTERS

US-Waffengeschäft in Provo, Utah

Von


Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form erstmals am 4. Oktober, nach dem Massenmord von Las Vegas. Dies ist eine aktualisierte Fassung.


Jeder US-Bürger hat das Recht, eine Schusswaffe zu besitzen - so interpretieren Waffenfreunde den zweiten Verfassungszusatz, das Second Amendment. Die genaue Bedeutung des Zusatzartikels ist juristisch nicht eindeutig, doch in den Debatten um das US-Waffenrecht ziehen sich die Befürworter immer wieder auf diesen Standpunkt zurück.

Einer aktuellen Umfrage zufolge geben mehr als 40 Prozent der Amerikaner an, eine Schusswaffe zu besitzen oder in einem Haushalt zu leben, in dem es mindestens eine Schusswaffe gibt.

Es ist eine Freiheit, die in den USA täglich Menschenleben kostet - was der Angriff auf Kirchenbesucher im Bundesstaat Texas wieder einmal deutlich gemacht hat. Im Dorf Sutherland Springs, etwa 50 Kilometer südöstlich von San Antonio, eröffnete am Sonntag ein Angreifer in der First Baptist Church das Feuer auf etwa 50 Gläubige. 26 Menschen tötete er mit seinem Sturmgewehr, viele weitere erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

Fotostrecke

7  Bilder
Ein Mann, ein Sturmgewehr: Schlimmste Massaker von Einzelschützen in den USA

Die nun anstehende Diskussion über die Waffengesetzgebung ist in den USA traurige Routine. Geändert hat sich bislang nichts - auch wegen der mächtigen Waffenlobbyisten, vor allem der National Rifle Association (NRA). Wie gravierend das Problem der Waffengewalt ist, zeigt ein Blick in die Statistik der Vereinten Nationen. Kein anderes hoch entwickeltes Land weist der Uno zufolge eine auch nur annähernd ähnlich hohe Mordrate durch Schusswaffen auf:

Mit knapp 30 Todesfällen pro einer Million Einwohner war die Quote im Jahr 2012 etwa 15-mal so hoch wie in Deutschland.

Laut dem Gun Violence Archive ist die Zahl der Schusswaffenopfer in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allein 2017 sind demnach in den USA bislang 13.158 Menschen mit Schusswaffen getötet worden.

Im vergangenen Jahr waren es mehr als 15.000 Todesopfer. Nicht mitgezählt werden dabei die etwa 22.000 mit Pistolen oder Gewehren verübten Suizide pro Jahr.

Um die Dimension dieser Zahlen zu verdeutlichen, lohnt sich ein historischer Vergleich: So starben zwischen 1968 und 2015 - also in nicht einmal 50 Jahren - mehr als 1,5 Millionen Menschen in den USA durch Schusswaffen. Das sind mehr US-Todesopfer als in allen Kriegen mit amerikanischer Beteiligung zusammen.

Im internationalen Vergleich zeigt sich: Der Anteil von Mord oder Totschlag mit Schusswaffen an tödlichen Gewalttaten insgesamt ist in den Vereinigten Staaten extrem hoch. So wurden 2016 fast zwei Drittel aller Morde mit Pistolen oder Gewehren verübt.

Wie viele Schusswaffen genau sich in den USA in Privatbesitz befinden, ist schwer zu sagen. Die Schätzungen unterschiedlicher Organisationen schwanken zwischen 270 Millionen und 310 Millionen. Statistisch betrachtet besitzt damit fast jeder US-Amerikaner eine Schusswaffe.

Wie gravierend das Problem in den Vereinigten Staaten ist, zeigen auch die Zahlen des Small Arms Survey aus dem Jahr 2007. Demnach befanden sich damals weltweit etwa 644 Millionen Waffen in Besitz von Zivilisten - und mehr als ein Drittel davon in den Vereinigten Staaten.

Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup führt seit 1959 in den USA Erhebungen dazu durch, wie hoch die Unterstützung für ein Verbot von Schusswaffen in Privatbesitz ist. Damals waren noch 60 Prozent der befragten US-Amerikaner dafür, dass es ein Gesetz geben sollte, welches den Besitz von Pistolen und Gewehren verbietet - mit Ausnahme von Polizisten und anderen autorisierten Personen. Bei der Befragung im Jahr 2015 sprachen sich nur noch 27 Prozent für ein solches Gesetz aus.

Überarbeitung: Peter Maxwill

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.