Eingeschlossene in thailändischer Höhle Das Wasser wird trüb, die Luft knapp

Zwölf Jugendfußballer und ihr Trainer warten in einer thailändischen Höhle auf ihre Rettung. Den Helfern läuft die Zeit davon, ihr Erfolg hängt auch von zwei britischen Tauchern ab.

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Der Tod eines Rettungstauchers in Thailand zeigt, wie gefährlich die Rettungsversuche für die in einer Höhle eingeschlossenen zwölf Jugendfußballer und ihren Trainer sind. Der Mann wollte Sauerstoffbehälter in der Höhle platzieren und verlor auf dem Rückweg das Bewusstsein. Es ist der erste Todesfall beim Versuch, die Gruppe in Sicherheit zu bringen. Seit dem 23. Juni sitzt sie in der Höhle in der nördlichen Provinz Chiang Rai fest, durch Wassermassen vom Ausgang abgeschnitten.

Die Hoffnungen ruhen nun umso mehr auf zwei britischen Experten: Richard William Stanton und John Volanthen. Drei Tage waren die zwölf Jungs und ihr Trainer verschollen, als Stanton und Volanthen mit ihrem Kollegen Robert Harper den Suchtrupp im Norden Thailands erreichten. Die örtlichen Behörden hatten den Kontakt zum "British Cave Rescue Council" aufgenommen, die Organisation schickte ihre besten Männer.

Rund tausend thailändische Einsatzkräfte sind an der Rettungsaktion beteiligt und werden von ausländischen Experten unterstützt - doch es waren die beiden Briten, die das Fußballteam im hinteren Teil der Höhle aufspürten.

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Höhle in Thailand: Den Rettern läuft die Zeit davon

Gemeinsam stiegen sie in die von Wasser geflutete Höhle und tauchten durch die engen Gänge. Mehr als drei Kilometer vom Eingang entfernt entdecken sie im Schein ihrer Taschenlampen die Kinder. Das Video aus dem Inneren der Höhle ging um die Welt. "Wie viele seid ihr?", fragte der 47-jährige Volanthen darin, der als Erster die Gruppe erreichte. "13", antwortete einer der Jungs. "Großartig", rief der Brite.

Video: Taucher stirbt bei Rettungseinsatz

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Auf die beiden Männer folgten Taucher der thailändischen Spezialeinheit Navy Seals. Gemeinsam wollen sie die Jungs aus der Höhle führen. Dafür wird den Kindern das Tauchen beigebracht. Aktuell trainieren sie das Aufsetzen der Tauchmasken und das Atmen unter Wasser

Die Mission ist riskant: Das Wasser in der Höhle ist schlammig, die Gänge sind eng. Die Kinder und ihr Trainer sind abgemagert und geschwächt. Wenn sie mit der Gruppe durch das Wasser tauchen, müssen sie sich ruhig bewegen und sicher fühlen, wissen die Experten aus Großbritannien.

Sie behalten in brenzligen Situationen die Nerven

"Panik und Adrenalin sind in gewissen Situationen großartig - aber nicht beim Höhlen-Tauchen", sagte Volanthen vor fünf Jahren in einem Interview mit der "Sunday Times". Dass sie in brenzligen Situationen die Nerven behalten, haben die beiden Briten in der Vergangenheit schon oft bewiesen.

Als 2010 der französische Taucher Eric Establie vermisst wurde, soll die französische Regierung explizit nach Stanton und Volanthen verlangt haben. Acht Tage lang suchten sie den Taucher, der in einem überfluteten Höhlensystem in der Ardèche-Region nahe Marseilles feststeckte. Am Ende konnte die beiden Männer nur noch seine Leiche bergen. Für ihren Einsatz wurden sie dennoch geehrt: Sie erhielten die Medaille der "Royal Humane Society".

Die britischen Taucher: Richard William Stanton, Robert Charles Harper und John Volanthen (v.l.)
AFP

Die britischen Taucher: Richard William Stanton, Robert Charles Harper und John Volanthen (v.l.)

Dem Online-Magazin "Divernet" sagte Stanton, er sehe seine Rettungseinsätze als "Hobby und freiwilligen Dienst". Bis die Aufgabe der beiden Männer in Thailand erfüllt ist, könnten noch Wochen oder Monate vergehen. Die kleinen Kammern der Höhle sind immer noch überflutet. Das Militär pumpt zwar stetig Wasser ab, doch neuer Regen stellt die Retter vor Probleme. Denn je mehr Wasser in die Höhle strömt, desto schlechter wird wegen aufgewirbelter Sedimente die Sicht für die Taucher.

Karte Thailand Höhle Überflutung
SPIEGEL ONLINE

Karte Thailand Höhle Überflutung

Für die Rettung der Eingeschlossenen gibt es mehrere Szenarien:

  • Die Kinder sollen in Begleitung von Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle herausschwimmen.
  • Es wird von oben eine Öffnung in die Höhlendecke gebohrt, um die Eingeschlossenen herauszuheben.

Behörden und Rettungskräfte favorisieren die erste Variante. Wenn es eine 90-Prozent-Chance gebe, die Eingeschlossenen mit Hilfe professioneller Taucher sicher herauszubringen, werde man es wagen, sagte der Gouverneur der Provinz Chiang Rai und Chef der Rettungsmission, Narongsak Osotthanakorn.

Sauerstoffgehalt in der Höhle sinkt

Aber viel Zeit können sich die Einsatzkräfte damit nicht lassen. Denn der Sauerstoffgehalt in der Höhle sinkt, weil auch Rettungskräfte dort sind. Aktuell liege der Sauerstoffgehalt in der Kammer bei rund 15 Prozent, sagte Arpakorn Yookongkaew, Kommandeur der Navy Seals. Normalerweise beträgt der Sauerstoffgehalt in der Luft rund 20 Prozent.

Die Retter wollen daher Sauerstoff in die Kammer leiten. Die geplante Leitung vom Höhleneingang bis zu der Kammer mit den Eingeschlossenen müsse rund 4,7 Kilometer lang sein, sagte der Armeegeneral. "Unsere Hauptaufgabe heute ist es, ein Rohr in die Kammer zu legen, damit die Gruppe mehr Luft zum Atmen bekommt."

Wie lange die Fußballer und ihr Trainer noch ohne zusätzlichen Sauerstoff in der Höhle ausharren können, ließ der General offen. Auch sagte er nicht, wie lang der Bau der Leitung dauern soll. Er weiß jedoch, dass sich die Retter beeilen müssen. "Zuerst dachten wir, dass wir das Leben der Kinder an diesem Ort lange erhalten können. Doch jetzt haben sich die Dinge geändert. Wir haben nur noch wenig Zeit."

sen/dpa/AP



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