Thailand Eingeschlossene Jungen müssen möglicherweise aus Höhle tauchen

Den in einer Höhle in Thailand festsitzenden Jugendfußballern und ihrem Trainer steht offenbar eine riskante Rettungsaktion bevor. Der Wetterbericht setzt die Einsatzkräfte zusätzlich unter Druck.

ROYAL THAI ARMY/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Die Befreiung des in der Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non gefangenen Jugendfußballteams gestaltet sich schwierig. Für die nächsten Tage vorausgesagte heftige Regenfälle führen laut thailändischen Behörden dazu, dass die Einsatzkräfte die Rettungsaktion beschleunigen müssen.

Möglicherweise müssten die zwölf Jungen und ihr Trainer aus der Höhle in der Provinz Chiang Rai hinaustauchen, sagte Innenminister Anupong Paochinda. Die 13 Personen müssten dieselbe komplizierte Route nutzen, über die die Rettungskräfte zu ihnen gelangt seien.

Zwar würde das Wasser weiter abgepumpt, aber es gebe Bereiche in der Höhle, die nicht trockengelegt werden könnten, sagte der Politiker. Dort müssten die Eingeschlossenen dann eventuell eine Tauchausrüstung nutzen. Geplant ist Paochinda zufolge, dass jeder von ihnen von zwei professionellen Tauchern begleitet wird.

Lage der Höhle

Schwierige Rettungsaktion

Neben dem Tauchen aus der Höhle gäbe es auch noch eine zweite Rettungsmöglichkeit, sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Passakorn Boonyalak. Von oben könnte eine Öffnung in die Höhlendecke gebohrt werden, um die Eingeschlossenen herauszuheben. "Momentan halten wir die erste Option für die bessere. Aber es bedeutet, dass die Gruppe schwimmen und tauchen muss, und sie sind gerade dabei, das zu üben", sagte Passakorn. Ein Restrisiko bleibt jedoch.

"Tauchen ist nicht einfach. Für Menschen, die das noch nie zuvor getan haben, wird es schwer", sagte Innenminister Paochinda. Als besondere Schwierigkeit käme hinzu, dass die Höhle teilweise schmale Tunnel habe. "Wenn unterwegs etwas passiert, könnte es lebensbedrohlich sein."

Auch der Höhlenforscher Andreas Kücha schätzt die Rettung der eingeschlossenen Kinder als schwierig ein. "Wenn die Passagen unter Wasser circa 30 bis 40 oder 50 Meter lang sind, dann ist es in meinen Augen möglich, die Kinder tauchend rauszubringen", sagte er SWR Aktuell. Wenn der Tunnel aber auf mehreren Hundert Metern komplett unter Wasser stehe, sei es seiner Meinung nach nicht möglich. "Dann muss man ausharren und warten, bis der Wasserstand wieder zurückgeht." Das Hauptproblem seien dabei die Strömung und die schlechte Sicht unter Wasser.

Bauern erlauben Flutung ihrer Felder

Unterdessen hätten mehr als hundert Bauern den Rettungsteams erlaubt, Wasser aus der überfluteten Höhle auf ihre Höfe und Felder abzuleiten, teilten die Behörden mit. Demnach geht es um eine Fläche von rund 2,2 Quadratkilometern nahe der Grenze mit Myanmar.

Ein Sprecher der Farmer sagte: "Wir sind alle bereit, unsere Ernte überschwemmen zu lassen, wenn so alle 13 Mitglieder des Fußballteams gerettet werden können." Das thailändische Landwirtschaftsministerium sagte im Gegenzug Entschädigung für das "selbstlose Opfer" zu.

Video: Vermisste Jugendfußballer lebend gefunden

Reuters/Thai Navy Seal

Die jungen Fußballer und ihr Trainer waren am 23. Juni nach einer Trainingseinheit in die Höhle in der Provinz Chiang Rai eingestiegen. Offensichtlich war die Gruppe von einer Sturzflut überrascht worden und hatte sich vor dem ansteigenden Wasser immer tiefer in die Höhle gerettet. Details zum Hergang sind bisher aber unklar. In der Nähe des Höhleneingangs wurden ihre Fahrräder, Fußballschuhe und Rucksäcke gefunden, im Inneren der Höhle ihre Handabdrücke und Fußspuren.

Die Eltern der Vermissten hatten tagelang vor der Höhle ausgeharrt. Dann, am späten Montagabend, kam die erlösende Nachricht von Provinzgouverneur Narongsak Osotthanakorn: "Unsere Spezialkräfte haben die Menschen wohlbehalten gefunden."

Retter installieren Telefonleitung in der Höhle

Inzwischen installierten die Retter Telefonleitungen in der Höhle, sagte der Gouverneur. Die Verwandten sollten voraussichtlich noch am Dienstag mit ihren Jungen telefonieren können. Das wäre der erste Kontakt, seit die Gruppe vermisst gemeldet wurde.

Den Teenagern und ihrem Trainer gehe es laut Osotthanakorn relativ gut: "Keiner der Jungs schwebt in Lebensgefahr. Die meisten haben kleinere Gesundheitsprobleme." Ein Arzt sei zu den Jungen geschickt worden, um sie zu untersuchen. Ihnen seien Medikamente und Energydrinks gegeben worden.

bbr/AP/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
taglöhner 03.07.2018
1.
Ohne Taucherfahrung wäre das schon in tiefem Freiwasser eine ungeheure psychische Herausforderung für die Kinder. Es ist Aussenstehenden kaum zu vermitteln, vielleicht am ehesten damit, sich vorzustellen, unter Zeitdruck und ohne Sicht in fachlicher Begleitung aus einer Steilwand herausklettern zu müssen, wobei eine eventuelle Panikattacke den sicheren Tod bedeutet.
comfortzone 03.07.2018
2. Tauchen ist
über lange Strecken für einen ungeübten Taucher sehr riskant. Kann man nicht eine Tauchkapsel, also eine Art Mini-U-Boot einsetzen ?
Hörbört 03.07.2018
3. Dahlbuschbombe
Zitat von comfortzoneüber lange Strecken für einen ungeübten Taucher sehr riskant. Kann man nicht eine Tauchkapsel, also eine Art Mini-U-Boot einsetzen ?
War auch mein erster Gedanke. Vielleicht ginge das mit einer wasserdichten Variante der Dahlbuschbombe, die man an Seilen durch die überfluteten Bereiche zieht.
taglöhner 03.07.2018
4.
Zitat von comfortzoneüber lange Strecken für einen ungeübten Taucher sehr riskant. Kann man nicht eine Tauchkapsel, also eine Art Mini-U-Boot einsetzen ?
Kommt auf die Höhle an. Es gibt Scooter, die allerdings vom Profi bedient werden müssen. Wäre eine Erleichterung beim abschleppen, wenn der Platz reicht. Das absolut Heikelste aber ist, den zu Rettenden ruhig zu halten, damit er nicht um sich schlägt, klammert, sein Atemgerät ausspuckt etc..
oschn 03.07.2018
5. Full-Face-Mask
Oder wenigstens mit einer Full-Face-Mask. Dann könnte man normal atmen und sogar miteinander sprechen, was es für die Kinder deutlich einfacher machen dürfte. Andererseits könnte ich mir vorstellen, dass ein Kind auch viel gelassener an eine Tauch-Exkursion herangehen könnte. Je älter ich werde, desto mehr Respekt habe ich vor jedem Tauchgang.
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