Navigator der "Enola Gay" Letztes Besatzungsmitglied von Hiroshima-Bomber gestorben

Das letzte Besatzungsmitglied des Hiroshima-Bombers "Enola Gay" ist tot. Theodore "Dutch" van Kirk, Navigator der B-29 "Superfortress", starb im Alter von 93 Jahren. Den Abwurf der Atombombe hat er nie bereut.

AP

Stone Mountain - "A sense of relief", ein Gefühl der Erleichterung, so beschrieb Theodore van Kirk im Gespräch mit der "New York Times" einmal den Moment nach der Detonation der Atombombe über Hiroshima. Die Bombe hatte gezündet, der Bomber flog unbeschädigt weiter, die US-Crew an Bord der B-29 "Superfortress" kehrte sicher zur Basis auf der Pazifikinsel Tinian zurück. Dort grüßten sie mehr Admirale und Generäle, "als ich je in meinem Leben gesehen habe", erinnerte sich van Kirk. Pilot Paul Tibbets bekam gleich einen Orden verliehen, es folgte die Nachbesprechung des Einsatzes, dann das Abendessen, dann ging die Crew ins Bett. Und die Welt war nicht mehr dieselbe.

Van Kirk war der Navigationsoffizier des Hiroshima-Bombers "Enola Gay". Wie seine Tochter Vicki Triplett und sein Sohn Tom bestätigten, ist er nun im Alter von 93 Jahren in einem Seniorenheim im US-Bundesstaat Georgia eines natürlichen Todes gestorben. Als letztes Mitglied der Besatzung der "Enola Gay".

Van Kirk flog laut der Nachrichtenagentur AP fast 60 Bombeneinsätze, aber es war die Mission vom 6. August 1945, die ihm einen Platz in der Weltgeschichte sicherte. Um 8.15 Uhr warf die "Enola Gay" die Atombombe "Little Boy" über Hiroshima ab. Die Druckwellen nach der Detonation rüttelten die B-29 durch, die Stadt habe nach der Detonation vom Flugzeug aus ausgesehen wie "ein Topf voll mit heißem, kochendem Teer", sagte van Kirk.

Die Explosion und ihre Folgen töteten rund 140.000 Menschen. Drei Tage nach dem ersten Einsatz setzten die Amerikaner eine zweite Atombombe über Nagasaki ein. Wenige Tage später kapitulierte Japan. Noch heute leiden Menschen an den Spätfolgen der Strahlung.

"Es ging darum, militärische Ziele in der Stadt Hiroshima zu zerstören, das wichtigste davon war das Armeehauptquartier für die Verteidigung Japans bei einer Invasion. Das musste zerstört werden", schrieb van Kirk 2005 in einem Artikel für das "Time Magazine". Sein Vater habe kein Bedauern über die Hiroshima-Mission empfunden, sagte Tom Van Kirk dem Sender CNN.

"Der Einsatz hat auf lange Sicht Leben gerettet"

Theodore van Kirk, Spitzname "Dutch", vertrat stets die Ansicht, dass der Einsatz der Atombombe den Krieg verkürzte und eine US-Invasion in Japan überflüssig machte. "Ich glaube, dass der Einsatz der Atombombe auf lange Sicht Leben gerettet hat", sagte van Kirk. "Die meisten davon waren japanische Leben."

Historiker sind uneins, ob die Atombombenabwürfe über Japan das Ende des Krieges wirklich beschleunigt und so womöglich höhere Opferzahlen verhindert haben. Die in Japan "Hibakusha" genannten Überlebenden der Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki lehnen die militärische und zivile Nutzung der Atomenergie ab. Sie verweisen immer wieder auf die Opfer der Angriffe vom 6. und 9. August 1945, die entweder sofort oder erst Jahre später qualvoll an den Folgen ihrer Verstrahlung starben.

Nach dem Kriegsende blieb van Kirk noch ein Jahr beim Militär, studierte anschließend, machte einen Abschluss in Chemietechnik und arbeitete bis zu seiner Rente 1985 beim US-Konzern DuPont.

Seinem Sohn zufolge sprach van Kirk zunächst nicht viel über den Krieg. Das habe sich erst spät in seinem Leben geändert, als er begann, vor Schulklassen seine Erfahrungen zu schildern. "Ich wusste nicht einmal, dass er auf dieser Mission war, bis ich als Zehnjähriger auf dem Dachboden meiner Oma alte Zeitungsartikel fand", sagte Tom van Kirk. "Ich weiß, dass er als Kriegsheld geehrt wurde. Aber wir kannten ihn einfach nur als großartigen Vater."

hut/dpa/AP



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