Gottschalk über verbrannte Villa "Es gibt größeres Elend auf der Welt"

Dutzende Menschen sind bei den Waldbränden in Kalifornien gestorben, Tausende haben ihren Besitz verloren. Auch Thomas Gottschalks Zuhause ist abgebrannt - doch der Moderator reagiert gefasst.

Thomas Gottschalk (Archiv)
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Thomas Gottschalk (Archiv)


Nie zuvor sind bei einem Feuer im US-Bundesstaat Kalifornien mehr Menschen ums Leben gekommen als bei dem im Norden tobenden Brand rund um den Ort Paradise. Die Zahl der Opfer allein hier stieg auf 42. Zwei weitere Menschen sind im Küstenort Malibu ums Leben gekommen. Dutzende Menschen werden weiter vermisst.

In Malibu leben viele Prominente - darunter auch Thomas Gottschalk. Er und seine Familie waren Ende der Neunzigerjahre dorthin gezogen. "Ich kann dazu gar nichts sagen, weil mir die Worte fehlen", sagte Gottschalk der "Bild-Zeitung".

Sein Haus ist von den Flammen vernichtet worden. Seine Frau Thea Gottschalk konnte sich aus der Villa retten. Der Moderator selbst arbeitet derzeit in Deutschland.

Ruine der Gottschalk-Villa
MIKE NELSON/EPA-EFE/REX

Ruine der Gottschalk-Villa

Wertvolle Erinnerungsstücke der Gottschalks sind verbrannt: Das Gedicht "Der Panther" in der Handschrift von Rainer Maria Rilke habe an der Wand gehangen. Es sei ebenso in Flammen aufgegangen wie das Treppenhaus, durch das seine Kinder immer getobt seien.

Gottschalks Frau habe sich die Katzen geschnappt, Futter und die Katzenklos. "Die Katzenklos sind gerettet, und mein Rilke ist verbrannt, aber das ist eben auch der Wahnsinn dieser Situation", sagte Gottschalk dem Bayerischen Rundfunk.

Die Anteilnahme, die Gottschalk erreiche, sei riesengroß, so der 68-Jährige. Viele Freunde und Bekannte hätten ihm bereits aufmunternde SMS geschickt. Der Moderator wolle aber keine Mitleidstour, sagte er dem Radiosender: "Es gibt größeres Elend auf der Welt."

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Kalifornien: Die Zerstörung in Paradise

Psychiater: Deutsche fühlen mit Thomas Gottschalk mit

Dass sich trotz der hohen Anzahl der Todesopfer das Interesse in Deutschland vor allem auf ihn richtet, hat einem Experten zufolge psychologische Gründe.

"Wenn man hört, dass da Waldbrände in Kalifornien sind, dann ist das erst mal weit weg", sagt der Psychiater Borwin Bandelow. "Je weiter weg eine Katastrophe ist, desto weniger ficht sie uns an. Aber Thomas Gottschalk ist sozusagen einer von uns."

Katastrophen zögen einerseits ein Erschrecken nach sich, andererseits aber auch ein positives Gefühl der Erleichterung, weil man selbst nicht betroffen sei, sagte der Göttinger Wissenschaftler. "Deshalb liest man gerne etwas über Katastrophen. Wenn man dann aber hört, dass ein bekannter Deutscher betroffen ist, dann rückt das die Katastrophe näher ran." Man empfinde dann Mitgefühl. Mit Schadenfreude habe es eher weniger zu tun.

Ein ähnlicher Effekt sei bei Hollywoodstars denkbar, die man seit vielen Jahren aus dem Kino kenne. "Allerdings nicht so ausgeprägt, wie wenn es sich um einen Deutschen handelt."

Außer Gottschalks Anwesen sollen auch die Häuser von US-Popstar Miley Cyrus, Hollywoodstar Gerard Butler, "Doctor Strange"-Regisseur Scott Derrickson, Sänger Robin Thicke und dem kanadischen Rocker Neil Young betroffen sein.

57.000 Gebäude vom Feuer bedroht

Insgesamt wurden in Malibu bislang mehrere Hundert Häuser zerstört. Nach offiziellen Angaben sind aber 57.000 Gebäude vom Feuer bedroht.

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Waldbrände: "Herzzerreißende Zeit in ganz Kalifornien"

Die Einsatzkräfte rechnen wegen anhaltender Trockenheit, Wärme und heftigen Winden nicht mit einer schnellen Entspannung der Lage. Der Feuerwehr gelang es aber zumindest, den kleineren der beiden Brände in Südkalifornien - das sogenannte Hill-Feuer - am Montagabend zu 80 Prozent einzudämmen.

Die Brände, die am Donnerstag ausgebrochen waren, haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald verkohlt, Tausende Häuser zerstört - und sind noch lange nicht eingedämmt. Hunderttausende Menschen mussten sich in Sicherheit zu bringen.

Im Video: Das Inferno von Kalifornien

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US-Präsident Donald Trump stellte den Betroffenen finanzielle Unterstützung vom Bund in Aussicht. Das Weiße Haus teilte mit, dass unter anderem Menschen, deren Häuser oder Geschäfte abgebrannt sind, finanzielle Hilfen des Bundes beantragen können - etwa um eine vorübergehende Unterkunft oder Reparaturen zu bezahlen. Die Unterstützung solle Aufbauhilfen des Bundesstaates und Hilfen auf lokaler Ebene ergänzen, hieß es.

cop/dpa



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