Albrechts in Thüringen Ein Dorf wird zum Adventskalender

Zur Weihnachtszeit verwandelt sich das Dorf Albrechts in Thüringen in einen großen Adventskalender: Jeden Abend öffnet eine andere Familie ihre Haustür für die Mitbürger. So lernt man sich besser kennen, sagt die Bürgermeisterin.

Winterwunderland: Weihnachtsstimmung in Albrechts in Thüringen
Rene Ehrhardt

Winterwunderland: Weihnachtsstimmung in Albrechts in Thüringen

Ein Interview von


Zur Person
  • privat
    Birgit Endter, Jahrgang 1960, ist Bürgermeisterin des Suhler Ortsteils Albrechts im Thüringer Wald. In dem 1200-Einwohner-Dorf sitzt sie zudem dem Mühlenverein vor, der lokale Traditionen pflegen will. Vor 13 Jahren gründete Endters den Albrechtser "Türchen-Kalender".
SPIEGEL ONLINE: Frau Endter, Sie sind Ortsbürgermeisterin eines Adventskalenders mit rund 1200 Einwohnern. Wie kam es dazu?

Endter: Wir saßen vor 13 Jahren im Heimatverein zusammen und haben uns die Urlaubsfotos eines Mitglieds angeschaut, das im Dezember nach Österreich gefahren war. Da ist mir aufgefallen, dass überall auf den Türen Zahlen zu sehen waren: die Türennummern des dortigen Adventskalenders. Denn dort singt im Dezember jeden Tag hinter einer anderen Tür jemand ein Lied, man kann dort basteln oder einen Glühwein trinken. Ich hab gesagt: "Das können wir auch!" Und wir konnten es auch.

SPIEGEL ONLINE: Wie denn?

Endter: Wir waren anfangs zu siebt und jeder von uns hat sich im eigenen Freundeskreis umgehört - bis wir 24 Freiwillige waren, für jeden Tag im Advent eine Tür. Seitdem treffen sich die Albrechtser im Advent jeden Abend hinter einer anderen Tür. Mal gibt es Stock- oder Fettbrot und Gulaschsuppe, mal Glühwein und Bier, mal ein Weihnachtslied vom Chor.

SPIEGEL ONLINE: Und jedes Jahr geben dieselben 24 Familien ihre Häuser dafür her?

Endter: Nein, diese Tradition rotiert durch die ganze Dorfgemeinschaft. Eine Familie ist schon zum zwölften Mal dabei, aber in der Regel wechseln wir uns damit ab. Und es machen auch Arztpraxen, Firmen, WGs oder der Kirmesverein mit.

SPIEGEL ONLINE: Und wie viele Leute kommen zu diesen Treffen?

Endter: Das ist total unterschiedlich, vieles hängt zum Beispiel vom Wetter ab - weil wir uns meistens erst abends um sieben im Hof oder Garten der Häuser treffen. Wenn's regnet, kommen vielleicht nur zehn, an anderen Tagen klopfen schon mal 100 Albrechtser an.

SPIEGEL ONLINE: Was ist die Idee hinter dem Adventskalender?

Endter: Ach, die Leute verbringen so viel Zeit alleine in ihren Wohnungen und auf der Arbeit hinter verschlossenen Türen. Die kann man doch auch mal öffnen, zusammen Zeit verbringen, miteinander reden und sich austauschen. Auf diese Weise lernen wir uns besser kennen, und das ist gerade für neu Zugezogene total hilfreich.

SPIEGEL ONLINE: Und was verbirgt sich hinter dem 24. Türchen?

Endter: Alle, die wollen, treffen sich an Heiligabend in der Kirche zum Gottesdienst. Da gibt's zwar keinen Glühwein, aber in der Weihnachtsnacht will eh niemand 100 Gäste haben.



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
93160 14.12.2015
1. Gute Idee
Ganz tolle Idee, wuerde mir auch gefallen.
marcnu, 14.12.2015
2. Wieso heißt es eigentlich Adventskalender?
Man öffnet ihn doch am 1. Dezember, nicht am 1. Advent.
RamBo-ZamBo 14.12.2015
3. asdf
Nicht gerade neu die Idee, gab es bei uns im Dorf (in Ostwestfalen) schon vor 20 Jahren. Meisten wurde etwas zu essen vorbereitet und Lieder gesungen.
_stordyr_ 14.12.2015
4.
Haben wir auch im Dorf. teils mit Bewirtung
ijf 14.12.2015
5. Na und?
Zitat von RamBo-ZamBoNicht gerade neu die Idee, gab es bei uns im Dorf (in Ostwestfalen) schon vor 20 Jahren. Meisten wurde etwas zu essen vorbereitet und Lieder gesungen.
Schön - Ihr Dorf war "zuerst" ein Adventskalender, aber Albrechts versucht, die Idee in die Breite zu tragen! Und DAS finde ich eine nette Advents-Nachricht...
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