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Sexismus-Vorwürfe gegen Nobelpreisträger Hunt: "Ich bin erledigt"

Nobelpreisträger Hunt (Archivbild 2012): Zukunft mit Quitten Zur Großansicht
AFP

Nobelpreisträger Hunt (Archivbild 2012): Zukunft mit Quitten

Nach seinen sexistischen Äußerungen über Frauen im Labor hat Nobelpreisträger Tim Hunt seinen Job am University College London aufgegeben. Doch das sei nicht freiwillig geschehen, sagte er nun - und kritisierte seine Ex-Chefs.

In einem Interview hat sich Nobelpreisträger Tim Hunt darüber beschwert, wie sein Arbeitgeber ihn nach dem Skandal um sexistischen Äußerungen behandelt hat. "Sie haben mich im Stich gelassen", sagte der 72-Jährige der britischen Zeitung "The Observer". Ihm sei nahegelegt worden, seinen Job zu kündigen - dabei habe ihn niemand nach seiner Version der Geschichte gefragt. Er habe keine Chance gehabt, sich zu erklären.

Hunt hatte auf einer Konferenz von Wissenschaftsjournalistinnen in Seoul getrennte Labore für Frauen und Männer vorgeschlagen. Denn, so der Wissenschaftler: "Drei Dinge passieren, wenn sie im Labor sind: Du verliebst dich in sie, sie verlieben sich in dich, und wenn du sie kritisierst, fangen sie an zu heulen." Es folgte heftige Kritik und Hunt trat von seinem Posten als Honorarprofessor am University College London (UCL) zurück. Man sei überzeugt, dass dieser Schritt dem Engagement der Universität für Gleichberechtigung entspreche, hieß es damals in einer Erklärung der UCL.

In dem Interview mit dem "Oberserver" stellte Hunt nun klar: Der Rücktritt war nicht seine Idee. Noch während er im Flugzeug von Seoul nach England war, sei seine Frau Mary Collins zur Uni-Leitung gerufen worden, auch sie arbeitet an der UCL. "Mir wurde mitgeteilt, dass Tim sofort kündigen solle, oder er werde entlassen", sagte Collins. Kurz nachdem Hunt daheim angekommen sei, habe er dann per E-Mail seinen Rücktritt eingereicht. Das Verhalten der Uni habe ihr und ihrem Ehemann sehr geschadet. "Was sie getan haben, ist unverzeihlich", sagte Collins.

Ihr Mann sei ganz sicher kein alter Dinosaurier. "Er sagt nur ab und zu dumme Sachen." Hunt selbst bezeichnete seine Äußerungen als Fehler. Sie seien scherzhaft und ironisch gemeint gewesen. Doch sie hätten seine Zukunft in der Wissenschaft beendet. "Ich bin erledigt."

Nur eine Sache tröste ihn, heißt es in dem Artikel. "Ich glaube, ich habe jetzt mehr Zeit für die Gartenarbeit", sagte Hunt. "Besonders für die Quittenbäume."

aar

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 218 Beiträge
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1.
Eduschu 14.06.2015
Dafür dürfte dann ja künftig jede Frau den Job verlieren, wenn sie Männern Larmoyanz vorwirft.
2. Die Sexismusdebatte geht zu weit!
MMM-MMD 14.06.2015
Man kann alles übertreiben! Am Besten sagt man als Mann gar nichts mehr über Frauen! Sich über die Äußerungen aufregen wäre doch ausreichend gewesen. Wenn man (Mann) nicht mehr die Gelegenheit bekommt sich zu entschuldigen und gleich den Job verliert, das halte ich für extrem überzogen! Kann mich nicht erinnern jemals gelesen zu haben, dass eine Frau einen Job verloren hat, weil sie etwas unglückliches über Männer gesagt hat.
3.
nic 14.06.2015
Eine Frau hätte ihren Posten wegen einer sexistischen Äußerung wohl kaum verloren.
4. Ist ja so üblich...
frank.w 14.06.2015
...das mann sich als Beschuldigter nicht äußern darf. Das die Aussage des "Täters" egal ist! Präjudizierung der übelsten Sorte! Schöne, neue, Welt!!!
5. Zurückschlagen
mc6206 14.06.2015
Man sollte die Personen die die Rücktrittsforderung gemacht haben namentlich bekannt machen.
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