Tödliche Hundeattacke: Gericht verurteilt Halterin zu Bewährungsstrafe

Im Prozess gegen die Halterin von vier Kampfhunden, die ein dreijähriges Mädchen aus Thüringen töteten, hat das Amtsgericht Nordhausen die Angeklagte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Nordhausen - Vier Staffordshire-Terrier-Mischlinge hatten sich am 21. Mai 2010 in Oldisleben-Sachsenburg auf die dreijährige Coleen gestürzt und sie getötet. Die 72-jährige Urgroßmutter des Mädchens versuchte noch, das Kind zu retten - vergebens. Die Frau wurde selbst lebensgefährlich verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Jetzt hat das Amtsgericht Nordhausen die Hundehalterin wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss sie 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Gefahr sei der Angeklagten bewusst gewesen, begründete das Gericht seine Entscheidung. Dennoch habe sie nicht gehandelt. Entgegen ihrer eigenen Aussage seien die Hunde nicht ausreichend eingeschlossen gewesen.

Der "Thüringer Allgemeine" zufolge wurden die Tiere illegal und ohne Zwinger auf dem Grundstück der Besitzerin gehalten. Bei den Kampfhunden handelte es sich demnach um ein Muttertier und drei jüngere Tiere aus einem Wurf. Sie wurden nach der Attacke vom zuständigen Amtsarzt eingeschläfert.

Mit seinem Urteil kam das Amtsgericht Nordhausen den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage nach. Es verwies auch auf das Versagen weiterer zum Tatzeitpunkt anwesender Familienteilnehmer. Allerdings sei die 45-jährige Angeklagte - eine Tante des Opfers - für das Geschehen verantwortlich.

Nach Auffassung von Oberstaatsanwalt Gert Störmer hätte die Angeklagte bei ordnungsgemäßer Haltung und Sozialisierung der Hunde unter Einschätzung der Gefährlichkeit die Folgen voraussehen und vermeiden können. Allerdings habe sie die vier Kampfhunde am Tattag sich selbst überlassen.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Ihrer Meinung habe keine Gefahr bestanden, als sich die Tiere auf dem Grundstück frei bewegten. Die Angeklagte habe zu keinem Zeitpunkt davon ausgehen müssen, dass die Tiere einen Angriff starten, wenn sie sie allein lasse. Zudem habe sie an dem Tag nicht mit Besuch rechnen müssen. Einer Gutachterin zufolge handelte es sich bei den Tieren allerdings um tickende Zeitbomben.

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