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Tödliche Reiskuchen: Mindestens neun Japaner ersticken an Neujahrs-Mochi

Neun Tote und mindestens 13 Verletzte - so lautet die traurige Neujahrsbilanz für den Genuss einer traditionellen Köstlichkeit aus Japan: Mochi, klebrige Reiskuchen, die so manchem Konsumenten im Hals stecken bleiben.

Potenziell lebensgefährlicher Neujahrs-Snack: japanisches Kind mit Mochi Zur Großansicht
AP/dpa

Potenziell lebensgefährlicher Neujahrs-Snack: japanisches Kind mit Mochi

Tokio - "Der Neujahrskiller hat wieder zugeschlagen", schreibt der US-Nachrichtensender CNN angesichts der zuverlässigen Tödlichkeit einer japanischen Spezialität, die jedes Jahr aufs Neue Opfer fordert.

Seit Silvester sollen in Japan mindestens neun Menschen an "Mochi", einer Beilage aus gedämpftem und gepresstem Klebreis, erstickt sein. Damit ist die Zahl der Toten im Vergleich zum Vorjahr um fünf gestiegen. Weitere 13 Menschen befänden sich nach dem Genuss der Kuchen im Krankenhaus, berichtet CNN. Der Zeitung Yomiuri zufolge haben sich seit der Jahreswende 128 Personen in ärztliche Behandlung begeben.

Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Japan bei einem Kilogramm im Jahr. Mochi wird mit Zoni serviert, der japanischen Neujahrssuppe. Beliebt sind die Reiskuchen auch mit süßer Sojasauce. Weil sie sehr klebrig und gehaltvoll sind, aber auch, weil die Neujahrstradition ihren massenhaften Genuss empfiehlt, kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, die Schwierigkeiten haben, die klebrigen Köstlichkeiten zu schlucken.

Seit Jahren warnen die Behörden in Japan, die Mochis vor dem Genuss in mundgerechte Stücke zu zerteilen, bevor sie Kindern und Alten gereicht werden. Auch sollten die Kuchen nie allein gegessen werden. Hängt der Mochi bereits im Hals fest, empfehlen Experten einen kräftigen Schlag auf den Rücken oder die Zuhilfenahme eines Staubsaugers, um den Pfropfen zu entfernen.

Mochi-Produktion in Tokio: mit dem Holzhammer in Form bringen Zur Großansicht
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Mochi-Produktion in Tokio: mit dem Holzhammer in Form bringen

Die klassische Herstellung der Mochi ist zeit- und kraftaufwendig: Der Reis wird zunächst gedämpft, in große Holzbottiche gepresst und dann mit Hämmern in Form gebracht. Nach jedem Schlag muss die klebrige Masse gewendet werden. Was früher vor allem von Sumo-Ringern praktiziert wurde, übernehmen heute meistens Maschinen.

Ein Unternehmen aus Osaka hat in dem Neujahrs-Dilemma bereits eine Marktlücke entdeckt. Die rasant alternde Bevölkerung in Japan kann sich demnach schützen: Mit einem Mochi, der dem Hersteller zufolge leicht zu schlucken ist - dank eines Enzyms, das ihn weniger klebrig macht.

ala/AP

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