Tödlicher Schlafwagenbrand: Zugbegleiter zu Bewährungsstrafe verurteilt

In einem Schlafwagen der Deutschen Bahn erstickten vor achteinhalb Jahren zwölf Menschen, weil der Zugbegleiter einen Brand auslöste und dann in Panik vergaß, die verriegelten Türen der Abteile zu öffnen. Jetzt wurde der Angeklagte im französischen Nancy zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der ausgebrannte Schlafwagen im November 2002 auf dem Rangierbahnhof bei Nancy Zur Großansicht
DPA

Der ausgebrannte Schlafwagen im November 2002 auf dem Rangierbahnhof bei Nancy

Nancy - Im Prozess um den tödlichen Brand in einem Schlafwagen der Deutschen Bahn in Ostfrankreich ist das Urteil gefallen. Gegen den wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagten deutschen Zugbegleiter verhängte das Strafgericht in Nancy am Montag eine einjährige Bewährungsstrafe.

Auch die Deutsche Bahn (DB) und die französische Staatsbahn SNCF mussten sich verantworten. Die DB war als Eigentümer des Waggons angeklagt worden, die SNCF, weil sie die Nutzung zugelassen hatte - beide wurden freigesprochen.

Bei dem Brand im Nachtzug von Paris nach München waren im November 2002 zwölf Menschen ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 64 Jahre alten deutschen Reisebegleiter, der das Feuer auslöste, eine zweijährige Bewährungsstrafe gefordert.

Der Zugbegleiter hatte den Ermittlungen zufolge in der Nacht zum 6. November 2002 eine Reisetasche und Kleidungsstücke über eine angeschaltete Kochplatte gehängt und so das Feuer ausgelöst. Innerhalb weniger Minuten breitete sich in dem Waggon schwarzer giftiger Rauch aus. Der Mann war offenbar völlig überfordert von der Notsituation und vergaß, die von außen abgeriegelten Schlafwagenabteile zu öffnen.

In dem Wagen hielten sich nach Erkenntnissen der Bahn AG 21 Menschen auf. In Panik hätten Fahrgäste Fenster mit Nothämmern eingeschlagen - neun von ihnen konnten sich ins Freie retten, zwölf starben, unter ihnen auch zwei Kinder im Alter von acht und zwölf Jahren. Viele Reisende in den anderen Waggons des mit insgesamt rund 150 Menschen besetzten Zugs bemerkten offenbar gar nichts von dem Drama, das sich abspielte.

Sowohl die Deutsche Bahn als auch die französische SNCF hatten nach dem Unglück die Vorwürfe zurückgewiesen. Laut Bahn entsprach der Schlafwagen den gültigen Sicherheitsanforderungen. Der Wagen sei 1964 gebaut und 1999 komplett umgebaut worden. Im Juni 2001 habe man ihn generalüberholt, die letzte technische Überprüfung habe zwei Tage vor dem Unglück stattgefunden.

Zudem sei die SNCF nach internationalem Eisenbahnrecht für die Sicherheit des gesamten Zuges verantwortlich gewesen, betonte die Bahn. Kurz nach Prozessbeginn hatte die SNCF vergeblich die Einstellung des Verfahrens wegen formaler Fehler angestrengt.

ala/dpa/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback