Tornado-Katastrophe in den USA "Es sieht aus wie im Krieg"

Die Menschen im Südosten der USA stehen unter Schock. Nach den verheerenden Tornados sind mehr als 150 Tote zu beklagen, es gibt viele Vermisste. Besonders hart hat es die Stadt Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama getroffen: Der Sturm löschte ganze Wohnviertel aus.

AP/ The Tuscaloosa News

Hamburg - "Das ist alles ein einziger Alptraum, ich will nur noch aufwachen", sagt Carolyn Forkner. Sie trägt noch immer ihr Headset, bis vor wenigen Stunden hat sie im Drive-in-Schalter eines Schnellrestaurants in Tuscaloosa Bestellungen entgegengenommen. Dann kam der Tornado und ließ nur Trümmer des Gebäudes zurück. "Es geschah fast zu schnell, um überhaupt Angst zu bekommen", sagt Henry Nixon der lokalen Web-Seite tuscaloosanews.com. Nixon arbeitete in einem Steakhouse nebenan, auch von diesem ist nichts mehr übrig.

Die 90.000-Einwohner-Stadt Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama gehört zu den am schwersten getroffenen Orten in der Zerstörungsschneise, die mehr als 110 Tornados seit Mittwochnachmittag (Ortszeit) im Süden der USA geschlagen haben.

Bei den schweren Unwettern sind laut dem US-Sender CNN 159 Menschen ums Leben gekommen. In den ersten Meldungen der Nachrichtenagentur AP war unter Berufung auf Rettungskräfte zunächst von etwa 70 Toten die Rede. Doch in den frühen Morgenstunden wurden immer mehr Leichen gefunden. Allein im US-Staat Alabama starben mindestens 128 Menschen, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten.

"Wir haben heute ein Ausmaß an Zerstörung in Tuscaloosa gesehen, wie schon lange nicht mehr", sagte Bürgermeister Walter Maddox. In der ganzen Stadt suchen die Rettungskräfte in den Trümmern fieberhaft nach Überlebenden.

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Stürme in den USA: Verheerende Tornadoserie
Fred Jackson ist zwar unversehrt davongekommen, doch von seinem Haus in der Nähe der Universität von Alabama ist nichts mehr übrig. Nun steht Jackson vor dem Schutthaufen, noch immer ist dem 48-Jährigen der Schock anzusehen. "Ich war gerade im Badezimmer, als der Tornado unser Haus gepackt hat. Der Sturm war so gewaltig, dass sich die Erde bewegt hat, alles ist zusammengestürzt. Wir haben uns durch ein Fenster ins Freie gerettet und Schutz gesucht."

Einige Häuser weiter berichten Gäste eines Restaurants, wie sie sich im Kühlraum der Gaststätte in Sicherheit gebracht haben. "Wir haben uns gegenseitig festgehalten, dann ist der Raum über uns zusammengebrochen", berichtet Sharon Howard. "Es war eine solche Erleichterung, als uns die Rettungskräfte aus den Trümmern gezogen haben."

Überall im Uni-Viertel Alberta suchen Menschen, teils mit bloßen Händen, in den Schutt- und Trümmerbergen nach ihren Habseligkeiten. Fast jeder versucht, per Telefon Verwandte zu erreichen, doch der Empfang ist gestört. Durch den Sturm wurden auch die Handy-Netze in Mitleidenschaft gezogen.

"Ich sah diese finstere Wolke"

Immer wieder berichten die Überlebenden von ihren Erlebnissen während des Sturms, die Geschichten gleichen sich. "Ich drehte mich um und sah diese finstere Wolke, die sich herabsenkt und den Boden berührt", erzählt Lafe Murray, den der Sturm in seinem Wagen überraschte. "Von den Seiten der Wolke sind zwei weitere Trichter ausgeschlagen. Es war beängstigend. Jetzt sieht es aus wie im Krieg", so Murray weiter.

Außer Alabama wurden auch Arkansas, Mississippi und Missouri schwer getroffen. In insgesamt sieben US-Bundesstaaten gilt der Notstand. Um mit der Versorgung der Verletzten und den Aufräumarbeiten fertig zu werden, haben mehrere Gouverneure die Nationalgarde zur Hilfe gerufen.

Unterstützung bekommen die Betroffenen auch aus Washington. US-Präsident Barack Obama hat schnelle Hilfe für Alabama angeordnet. Er habe die erbetene Bundeshilfe bewilligt, sagte Obama am Mittwoch in Washington. Das ganze Ausmaß der Schäden sei noch nicht abzusehen, so der Präsident weiter.

Die Menschen stehen vor dem Nichts

Die Hilfe ist dringend nötig, viele Menschen in den ohnehin teils strukturschwachen Bundesstaaten im Süden des Landes stehen vor dem Nichts. "Von Alberta ist nichts übrig", sagt ein Mann in dem Vorort von Tuscaloosa.

Während die Aufräumarbeiten auf Hochtouren laufen, droht bereits neue Gefahr: Der Wetterdienst warnt für weite Teile des Südens vor neuen Tornados, Hagelschauern, Überschwemmungen und Blitzschlägen. In 21 Bundesstaaten von den Großen Seen bis zur Golfküste und zum Atlantik muss mit Unwettern gerechnet werden. Erst am Freitag könne sich die Lage vorübergehend entspannen. Bereits am Samstag seien jedoch neue schwere Regenfälle und starker Wind zu befürchten, hieß es.

jok

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
crocodil 28.04.2011
1. Tornado
Zitat von sysopDie Menschen in im Südosten der USA stehen unter Schock. Nach den verheerenden Tornados sind mehr als 70 Tote zu beklagen, es gibt viele Vermisste. Besonders hart hat es die Stadt Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama getroffen: Der Sturm löschte ganze Wohnviertel aus. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,759451,00.html
ist doch interessant, wenn man sieht, wie die Lkw`s und Autos noch rumfahren, obwohl der Tornado nur einige hundert Meter entfernt ist. Ist das nur Neugier, oder begreifen die nicht, was mit 400 km/h Drehgeschwindigkeit alles zerstört werden kann. Normalerweise müssten die ja schon seit Jahren wissen, was da abgeht..
fatherted98 28.04.2011
2. Alles nur....
....Bretterbuden und Gartenhäuschen.
Silverhair, 28.04.2011
3. Kein rationales Handeln
Zitat von crocodilist doch interessant, wenn man sieht, wie die Lkw`s und Autos noch rumfahren, obwohl der Tornado nur einige hundert Meter entfernt ist. Ist das nur Neugier, oder begreifen die nicht, was mit 400 km/h Drehgeschwindigkeit alles zerstört werden kann. Normalerweise müssten die ja schon seit Jahren wissen, was da abgeht..
Vielleicht ein "normales" Fehleinschätzen der Situation und dessen was passiert? Eine Unmenge an Menschen handeln immer nach dem Prinzip - "Es trifft immer die anderen und nie mich" (ausser beim Glückspiel - da hat das gefälligst andersrum zu sein)! Und dann gibt es so wichtige Gründe wie "Nicht zur Spät zur Arbeit kommen" oder "Diese Waren müssen noch da und da hin! Und, in den USA nehmen wohl die Tornados und Stürme in den letzten Jahren auch immer stärkere Ausmaße an - also fehleinschätzung der "Reichweite" - man sieht wie die Kamera schon massiv schwankt obwohl der "Kern-Schlauch" noch weit weg aussieht! Der Mensch ein rational handelndes Lebewesen - wohl eher nicht, da spielt anderes scheinbar immer eine grössere Rolle!
sturmsäule 28.04.2011
4. Tornado-Katastrophe in den USA: "Es sieht aus wie im Krieg"
In den USA gibt es trotz der Tornadohäufigkeit Menschen, die nie einen zu Gesicht bekommen haben. Tornados sind kurzlebig und bestreichen nur eine geringe Fläche. Selbst wenn, hier hat man es mit einem Tornadooutbreak zu tun, dann noch in einer Stadt! Einfach unglaublich!
eknoes 28.04.2011
5. ...
Zitat von crocodilist doch interessant, wenn man sieht, wie die Lkw`s und Autos noch rumfahren, obwohl der Tornado nur einige hundert Meter entfernt ist. Ist das nur Neugier, oder begreifen die nicht, was mit 400 km/h Drehgeschwindigkeit alles zerstört werden kann. Normalerweise müssten die ja schon seit Jahren wissen, was da abgeht..
Wie deutlich zu sehen war, befanden sich die Fahrzeuge auf einem Highway, da kann man nicht mal eben in irgendeine x-beliebige Richtung abbiegen. Von der Logik her ist die Chance, dem Tornado zu entkommen eindeutig größer, wenn man versucht, ihm weg zu fahren. Stehende Fahrzeuge sind jedem Richtungswechsel des Sturmes hilflos ausgeliefert, ganz davon abgesehen, dass die Insassen dieser voraussichtlich im Fzg. sicherer sind, als würden sie irgendwo in der Landschaft umherirren.
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