Todesfahrt in Toronto "Es war schrecklich. Brutal"

Ein Mann fährt absichtlich auf den Gehsteig, zehn Menschen sterben, es gibt viele Verletzte. In Toronto herrscht Fassungslosigkeit - und die Ermittler rätseln über das Motiv des Täters.

Nathan Denette/The Canadian Press via AP

Zehn Tote und 15 Verletzte - so lautet die vorläufige Bilanz der Todesfahrt im kanadischen Toronto. Die Polizei befragt derzeit zahlreiche Zeugen des Vorfalls, der sich am Montag gegen 13.30 Uhr Ortszeit auf der Yonge Street ereignete. Auch Videos von Überwachungskameras in Tatortnähe werden ausgewertet.

Als mutmaßlicher Täter gilt der 25-jährige Alek M. Er steht unter Verdacht, am Montag einen Kleinlaster absichtlich in eine Gruppe von Fußgängern gesteuert zu haben.

"Er fuhr einfach auf den Bürgersteig", sagte der Augenzeuge Ali Shaker dem kanadischen Sender CP24. "Er fing einfach an, alle umzufahren. Er hat jeden einzelnen auf dem Bürgersteig umgefahren. Jeden, der ihm im Weg stand."

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Nach dem Vorfall hätten überall Tote und Verletzte gelegen, berichteten Augenzeugen. "Ich habe wohl fünf, sechs Leute gesehen, die von Passanten oder Sanitätern wiederbelebt wurden", sagte ein Mann namens Phil Zullo. "Es war schrecklich. Brutal."

M. war kurz nach der Attacke nur wenige Blocks vom Tatort entfernt festgenommen worden. Der verantwortliche Polizist habe sehr besonnen gehandelt, lobte Torontos Polizeichef Mark Saunders. "Durch sein Training hat der Polizist fantastische Arbeit geleistet", zitierte ihn der US-Sender CNN.

Bei der Festnahme des mutmaßlichen Täters habe der Polizist die Lage schnell begriffen und so eine "friedliche Lösung" erreicht, sagte Saunders über den Polizisten, der den Fahrer überwältigt hatte. "Die Polizisten hier lernen, so wenig Gewalt wie möglich anzuwenden."

Toronto

Der mutmaßliche Täter soll sein Fahrzeug auf einer Länge von etwa fünfzehn Blocks mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h über den Bürgersteig und die angrenzende Straße gelenkt haben. 26 Minuten sollen vom ersten Notruf bis zur Festnahme vergangen sein. Der Tatverdächtige soll nun einem Richter vorgeführt werden.

Über die möglichen Motive des Täters ist bisher nichts bekannt. "Wenn es je einen Moment gab, in dem die Belastbarkeit der Kanadier auf die Probe gestellt wurde, dann war es jetzt, wo unsere Metropole darum kämpft, einen Sinn im Unbegreiflichen zu entdecken: ein vorsätzliches Massaker auf Torontos berühmtester Straße", schrieb der "Toronto Star".

Dass der Fahrer des Lasters gezielt vorging, scheint gesichert. "Der Vorfall sieht geplant aus", sagte Polizeichef Mark Saunders auf einer Pressekonferenz. Der für die öffentliche Sicherheit zuständige Minister Ralph Goodale geht allerdings nicht von einer erhöhten Gefahrenlage aus. Auf die Frage, ob es sich um einen terroristischen Akt handeln könne, sagte Goodale: "Nach dem, was wir bisher haben, weist nichts darauf hin, dass die nationale Sicherheit bedroht ist."

M. soll nicht polizeibekannt sein. Auch ob es sich um den Versuch eines erweiterten Suizids handelt, ist noch unklar. Bei seiner Festnahme hatte M. die Polizisten aufgefordert, ihn zu töten. "Schießt mir in den Kopf!", rief er.

Ein Mann namens Peter Kang sagte dem Sender CTV News: "Wenn es ein Unfall gewesen wäre, hätte er das Auto gestoppt. Aber diese Person fuhr einfach über den Bürgersteig. Er hätte anhalten können."

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"Es war entsetzlich", beschrieb ein Anwohner dem "Toronto Star" die Todesfahrt und ihre Folgen. "Zehn Menschen sind tot, nur weil sie normale Sachen gemacht haben, die Straße entlanggegangen sind." Es sei die erste Tragödie dieser Art in der Region Toronto. "Wir haben unsere Unschuld verloren. Toronto wird nie wieder dieselbe Stadt sein."

Der verantwortliche Polizist habe sehr besonnen gehandelt, lobte später Saunders. "Durch sein Training hat der Polizist fantastische Arbeit geleistet", zitierte ihn der US-Sender CNN. Bei der Festnahme des mutmaßlichen Täters habe der Polizist die Lage schnell begriffen und so eine "friedliche Lösung" erreicht, sagte Saunders über den Polizisten, der den Fahrer überwältigt hatte. "Die Polizisten hier lernen, so wenig Gewalt wie möglich anzuwenden."

In Toronto ging am Montag ein G7-Außenministertreffen zu Ende. Der Tagungsort lag etwa 30 Kilometer von dem Ort des Geschehens entfernt. Premierminister Justin Trudeau sprach allen Betroffenen sein Mitgefühl aus. "Wir sollten uns alle sicher fühlen in unseren Städten und Gemeinden", sagte er. "Wir beobachten die Situation genau und werden auch weiterhin mit unseren Sicherheitskräften im ganzen Land daran arbeiten, die Sicherheit aller Kanadier zu garantieren."

ala/AP/Reuters



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