Totgeglaubte Brenda Heist: "Ich war fassungslos, dass er Bescheid wusste"

Totgeglaubte Brenda Heist: Putzfrau undercover Fotos
AP/ PA Dept. of Transportation via Lancaster Newspapers

Elf Jahre lang war Brenda Heist verschollen, ihr Mann ließ sie für tot erklären. Jetzt behauptet eine Zeugin aus Florida, bei der die Totgeglaubte unter falschem Namen gewohnt haben soll, Heist habe sich einem Kind offenbart.

Lititz/Lancaster - Der Fall der elf Jahre lang vermissten und totgeglaubten Brenda Heist sorgt in den USA für Aufsehen. Ein Bericht des Fernsehsenders CNN fügt der unglaublichen Geschichte nun eine weitere Pirouette hinzu: Eine Zeugin berichtet, Heist sei während ihrer Zeit in Florida nicht obdachlos gewesen, wie berichtet worden war. Sie habe vielmehr bei ihr gewohnt, das Haus in Schuss gehalten - und sich sogar dem Sohn der Zeugin offenbart.

Ohne ersichtlichen Grund hatte Brenda Heist vor elf Jahren ihren Mann und ihre beiden Kinder heimlich verlassen. Ihre Familie schaltete die Polizei ein, jahrelang wurde erfolglos ermittelt, bis ihr Mann Lee sie schließlich für tot erklären ließ.

Doch dann tauchte die inzwischen 54 Jahre alte Frau in der vergangenen Woche unerwartet wieder auf. Aus freien Stücken habe sie sich bei der Polizei in Florida gemeldet, berichtete die Zeitung "Miami Herald". Nach eigener Aussage habe sie die meiste Zeit auf der Straße gelebt. Auf dem veröffentlichten Polizeifoto sieht Heist krank und abgemagert aus.

Doch die Aussagen einer Zeugin aus Florida zeichnen nun ein ganz anderes Bild von Heists Vergangenheit. Laut CNN lernte Sondra Forrester sie vor drei Jahren kennen. Damals habe Heist auf Empfehlung einer Nachbarin als Putzhilfe in Forresters Haus gearbeitet und sich als Lovey Smith vorgestellt.

Anfangs nur Small Talk

"Sie ist hier sogar eingezogen", sagte Forrester CNN, "etwa sechs Monate nachdem sie hier als Putzhilfe angefangen hat." Anfangs hätten die beiden Frauen nur Small Talk betrieben. Mit der Zeit seien ihre Unterhaltungen persönlicher geworden.

"Sie erzählte mir von einer schlimmen Beziehung mit ihrem Freund. Sie tat mir leid", sagte Forrester. Nachdem Heist bei ihr eingezogen sei, habe sie auch nach ihrer Vergangenheit gefragt. "Sie stellte klar, dass sie keine Kinder hat und auch keine will." Heist habe sich auch als Witwe bezeichnet, ihr Mann Lee sei nach 20 Jahren Ehe gestorben.

Insgesamt habe Heist laut CNN etwa elf Monate bei Forrester gewohnt. Dabei habe sie sich keineswegs vor der Außenwelt versteckt: Forrester zufolge benutzte Heist einen Computer und ein Handy, sie hatte ein Profil bei Facebook und bei einem Dating-Portal.

"Sie hat enorm abgebaut"

Forrester zeigte sich CNN zufolge überrascht von dem schlechten Eindruck, den Heist auf den nun veröffentlichten Polizeifotos macht. "Ich war geschockt, als ich das sah", sagte sie. "Sie hat enorm abgebaut, seit wir uns das letzte Mal begegnet sind." Das sei vor etwa sieben Monaten gewesen.

Während Forrester keine Ahnung von Heists wahrer Identität gehabt haben will, soll sich die Vermisste dem kleinen Sohn der Zeugin offenbart haben. Forrester berichtete CNN, sie habe nach Bekanntwerden der Geschichte um die verschollene Frau aus Pennsylvania ihren Jungen beiseite genommen - er sollte nicht aus dem Fernsehen erfahren, wer die Putzhilfe wirklich ist, die er als "Miss Lovey" kennengelernt hatte.

Doch zu diesem Zeitpunkt kannte er längst ihren richtigen Namen. "Ich war fassungslos, dass er Bescheid wusste", sagte Forrester. "Ich habe ihn gefragt: Liebling, woher weißt du das?" - "Miss Lovey hat es mir gesagt", habe ihr Sohn geantwortet.

Per Anhalter bis nach Key West

Der Polizei in Florida hatte Heist berichtet, sie sei damals spontan durchgebrannt. Nachdem sie ihre damals acht und zwölf Jahre alten Kinder in der Schule abgesetzt hatte, habe sie sich einer Gruppe Obdachloser angeschlossen, die sie in einem Park getroffen habe. Per Anhalter seien sie durchs Land gezogen.

Damals bereiteten Heist und ihr Mann Lee ihre Scheidung vor. Der "Huffington Post" zufolge trennte sich das Paar im Guten, die beiden hätten sich geeinigt, auch in Zukunft nahe beieinander zu wohnen. "Es ist mir ein Rätsel, heute mehr als je zuvor", sagte Heists Tochter Morgan der "Huffington Post". Ihre Mutter habe überhaupt kein schweres Leben gehabt. Heists verlassener Mann äußerte sich verärgert. Seine Ex-Frau ahne gar nicht, was für ein Leid sie den Kindern bereitet habe. Ihr Verschwinden sei "ein wahnsinniger Schock" für die Familie gewesen, sagte er.

Tatsächlich scheint Heists Familie wenig Lust zu verspüren, die totgeglaubte Mutter und Ehefrau wiederzusehen. Sie hoffe, Heist "verrotte in der Hölle", twitterte Tochter Morgan laut CNN.

rls/dpa

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