Historische Hochzeitsgewänder Heiraten wie vor hundert Jahren

Auf der Suche nach historischen Hochzeitsgewändern reist die Fotografin Christina Czybik durch Deutschland. Ihre Bilder dokumentieren fast vergessene Traditionen.

Christina Czybik

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Wenn Frauen in der Schwälmer Tracht heiraten wollen, müssen sie früh aufstehen. Alleine das Anlegen der Kopfbedeckung dauert rund drei Stunden: Mit mehr als 200 Stecknadeln wird die Kappe kunstvoll zusammengefügt.

Trachten wurden traditionell von der ländlichen Bevölkerung getragen. Sie verrieten einiges über das Leben ihres Besitzers: Familienstand, wirtschaftliche Verhältnisse, Religion, Heimatdorf - über all das gab die Tracht Auskunft. Reiche Familien ließen die Kleider anfertigen, ärmere stellten sie selbst her.

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Heute gehören die Aufzüge, die teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammen, meistens Vereinen, teilweise werden sie in Vitrinen ausgestellt. Doch es gibt auch noch Trachten in Privatbesitz - und manchmal heiraten ihre Besitzer sogar in der traditionellen Kluft, in der bereits Großeltern oder Urgroßeltern vor den Altar getreten sind.

Die Fotografin Christina Czybik reist seit August 2016 durch Deutschland, um historische Hochzeitsgewänder zu finden - und die Erinnerung daran lebendig zu halten. "In den meisten Regionen werden diese Trachten seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr getragen", sagt sie. Nur wenige Originale seien erhalten und kaum jemand wisse noch, wie man sie anzieht und welche Bedeutung die einzelnen Teile haben. Es sei ein Kulturgut, das nicht aussterben dürfe, sagt Czybik: "Ich möchte mit diesem Projekt dazu beitragen, dass dieses bedeutende Erbe nicht vergessen wird."

Czybik arbeitete mit Heimatverbänden, Trachten- und Tanzgruppen zusammen, die ihr die Kleider für Fototermine zur Verfügung stellten und mit ihrer Expertise halfen. Bei den Aufnahmen verzichtete Czybik auf aufwendige Lichtinstallationen, um einen natürlichen Eindruck zu gewährleisten.

Czybik will das Projekt fortsetzen und weiter Trachten aus ganz Deutschland fotografieren. Besitzer können sich daher gerne per E-Mail bei der Fotografin melden.



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