Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Intersexualität: Norrie darf endgültig ein Neutrum sein

Norrie May-Welby: Nun ganz offiziell und legal ein Neutrum Zur Großansicht
DPA

Norrie May-Welby: Nun ganz offiziell und legal ein Neutrum

Muss ein Mensch zwingend männlich oder weiblich sein? Mit dieser Frage beschäftigte sich das oberste australische Gericht. Nun hat es eine wegweisende Entscheidung getroffen und besonders einen Menschen damit sehr glücklich gemacht.

Sydney - Norrie May-Welby aus Australien will kein Mann sein. Auch keine Frau. Stattdessen möchte Norrie ein Neutrum sein. Deshalb beantragte der Mensch im Jahr 2010, dass dies auch in seinen Papieren vermerkt wird. Vergeblich. Die australischen Behörden weigerten sich. Norrie klagte dagegen. Der Fall wanderte durch alle Instanzen und sorgte weltweit für Aufsehen.

Jetzt urteilte das oberste australische Gericht und gab dem Anliegen statt: Eine Pflicht, sich als Bürger zwischen zwei Geschlechtern entscheiden zu müssen, sei nicht in Ordnung. "Für die meisten rechtlichen Angelegenheiten ist das Geschlecht eines Individuums irrelevant", begründete das Gericht nach Angaben des "Sunday Morning Herald" seine Entscheidung. Das australische Ehegesetz sei "der wesentliche, vielleicht der einzige Fall, bei dem das Geschlecht der Beteiligten einer Beziehung von rechtlicher Relevanz" sei.

Australische Bürger haben durch die Entscheidung nun das Recht, dass ihr Geschlecht in den Papieren als "nicht näher bezeichnet" angegeben wird. Die Einführung neuer Kategorien - etwa "Transgender" oder "intersexuell" - lehnte das Gericht indes ab.

"Das ist ein erstaunlicher Sieg. Ich bin überglücklich, dass die Entscheidung gefallen ist, dass die Entscheidung so klar gefallen ist", zitiert die Zeitung Norrie nach der Urteilsverkündung. Es sei ein langer Weg gewesen, aber das Ergebnis sei großartig. Norrie wurde als Mann geboren, unterzog sich aber 1983 einer Operation und beschloss, weder als Mann noch als Frau zu leben.

In Deutschland wird das Thema der Intersexualität ebenfalls kontrovers diskutiert. Zum 1. November 2013 trat eine Änderung des Personenstandgesetzes in Kraft. Seitdem müssen sich Eltern nicht mehr entscheiden, ob ihr neugeborenes Kind weiblich oder männlich ist, wenn dies nicht zu erkennen ist. Das Feld "Geschlecht" im Geburtenregister bleibt in solchen Fällen einfach leer.

jbe/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: