Leser-Wünsche an die gute Fee "Einen Zeitsprung ins 24. Jahrhundert"

Stellen Sie sich vor, Sie treffen eine Fee und haben einen Wunsch frei. Benjamin Maack schilderte an Weihnachten seine Gedanken - und fragte die Leser nach ihren Wünschen. Das Echo ist ermutigend und berührend.

Gespräch mit einer Fee
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Gespräch mit einer Fee


An Weihnachten traf ich eine gute Fee und hatte einen Wunsch frei. Kein schlechter Zeitpunkt. 2016 ist ein Jahr, das einiges zu Wünschen übrig lässt.

Trump, Berlin, Aleppo, Brexit, AfD, Erdogan. 2016 hat so viele Schlagworte in unsere Köpfe gehämmert, die ratlos und verzweifelt machen können. David Bowie, Leonard Cohen, Carrie Fisher. In diesem Jahr sind so viele Ikonen verstorben, man könnte fast befürchten, dass bald alle unsere Helden verschwunden sind.

Am Ende entschied ich mich trotzdem gegen einen Wunsch - und fragte unsere Leserinnen und Leser, was sie sich von einer guten Fee wünschen würden. Die Resonanz war eindrucksvoll und ermutigend. In etlichen E-Mails zeigte sich, dass ihre Autoren und Autorinnen sich lange mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Es fanden sich viele Gedanken und Wünsche, die berühren und zum Nachdenken anregen, viele Ansätze, die Lust auf eine Diskussion machen.

Kein Wunsch ist perfekt, das hatte ich schon bei meinen eigenen Überlegungen gemerkt. Aber fast jeder Wunsch, der die Redaktion erreichte, könnte der Anfang eines interessanten Gesprächs über den Zustand und die Probleme der Welt sein - oder eine Anregung, selbst dafür zu sorgen, dass sich etwas verbessert. Auch ganz ohne Fee.

Der Luxus, selbstlos wünschen zu können

Die Lektüre mancher Nachrichten zeigte mir aber auch, was für ein Luxus es ist, selbstlos wünschen zu können. In einer E-Mail schrieb eine Mutter, deren Tochter im vergangenen Jahr plötzlich bei einem Unfall starb:

"Seitdem hat sich unsere Sicht auf die Welt komplett verändert, die meisten Dinge, die andere bewegen, sind - in Relation gesetzt zum Tod unserer Tochter - für uns vollkommen unwichtig geworden. Wir sind komplett auf uns selbst zurückgeworfen." Ihr einziger Wunsch sei, dass ihre Tochter zurückkomme.

Schlimme Krankheiten bei uns oder uns lieben Menschen. Viel zu früh verstorbene Familienmitglieder. Geldsorgen, von denen die Existenz bedroht wird. Die schwere Alkoholsucht des Ehemannes. Oder die plötzliche Hirnblutung des Geliebten, die eine Lebensplanung über den Haufen wirft. All das sind Schicksalsschläge, von denen Leserinnen und Leser berichteten. Ereignisse, nach denen wohl keiner von uns überlegen müsste, was er sich von einer guten Fee wünschen würde.

Zugleich zeigen viele Wünsche unserer Leser, wie gut es den meisten von uns geht. Gut genug, um selbstlos zu wünschen. Und vom Wünschen zum Handeln ist es nur ein kleiner Schritt.

SPIEGEL ONLINE wünscht allen Lesern Mut und Kraft für 2017.

Pling!



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telos 02.01.2017
1. Von sich selbst absehen .......
ist wichtig, um viel zu sehen. Dieses Wort von Nietzsche kann bei diesem Thema sehr hilfreich sein. Einen Wunsch ersehnen, um immer neue Wünsche frei zu haben? Ich denke, die Lebenskunst besteht darin, das Leben -so wie es kommt, im Guten und auch im Schlechten - so annehmen zu können. Sehr oft erkennen wir Dinge und Zusammenhänge erst viel später, als im momentanen Erleben. Das Leben mit seinen Schicksalsschlägen gleicht eben nicht einem Einkauf im Supermarkt, wenn wir Dinge in den Warenkorb legen, welche wir wollen. In seinem Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse ist davon die Rede, dass der Lebensprozeß uns Menschen weiten und heben will, unser Leben ein immer währender Prozeß einer Weiterentwicklung offenhält. Leben ist manchmal auch ein Einsamsein, eine Wanderung ohne menschliche Begleitung. Und dennoch liegt ein Zauber inne, der uns beschützt und hilft zu leben.
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