Trier - Die Entlassung des katholischen Theologen erfolgte bereits am vergangenen Dienstag, wurde aber erst am Freitag öffentlich gemacht. Bischof Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, habe zunächst die Opfer und den Täter informieren wollen, sagte ein Bistumssprecher.
Der Priester, der sich bereits im Ruhestand befindet, soll zwischen 1966 und 1980 fünf minderjährige Jungen missbraucht haben - in zwei Fällen über einen längeren Zeitraum hinweg. Er äußerte sich bisher nicht zu der Maßnahme, hat aber die Möglichkeit, innerhalb von 60 Tagen gegen die Entscheidung Einspruch einzulegen.
Bei der Entlassung handelt es sich nach Bistumsangaben um das höchste Strafmaß, welche das Kirchenrecht vorsieht. Der Priester verliert damit sämtliche Rechte, die mit seinem Priesteramt verbunden sind. So dürfe er die Messe nicht mehr feiern und die Sakramente nicht mehr spenden. Außerdem lägen seine Bezüge unter dem, was für Geistliche im Ruhestand üblich sei.
Es sei das erste Mal in den vergangenen 40 Jahren, dass diese Strafe im Bistum gegen einen Priester wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen werde, sagte ein Sprecher des Bistums. Nach eigener Darstellung erfuhr man dort im Frühjahr 2010 erstmals von den Vorwürfen gegen den emeritierten Theologieprofessor, der Autor zahlreicher Bücher ist. Nach Abschluss einer kirchenrechtlichen Voruntersuchung informierten die Trierer die Glaubenskongregation in Rom über die Ergebnisse. Der Vatikan habe die Unterlagen geprüft.
Strafrechtlich konnte der Geistliche nicht mehr belangt werden, weil die Taten verjährt sind. Ackermann schlug der Glaubenskongregation daraufhin vor, den Mann aus dem Klerikerstand zu entlassen. Dem stimmte Rom zu.
In einem Schreiben informierte der Bischof die Opfer des Priesters über seine Entscheidung. Er habe auch um Entschuldigung "für das, was ein Priester unseres Bistums getan hat", gebeten - "wohl wissend, dass damit nicht ungeschehen gemacht werden kann, was Ihnen widerfahren ist".
Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sind im Bistum Trier seit Februar 2010 gegen 16 Priester kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet worden. Von den Verdächtigen befinden sich derzeit noch drei im Dienst. Dieser Fall sei nun der erste, der richtig abgeschlossen sei, sagte ein Bistumssprecher. "Die anderen laufen mit unterschiedlichem Stand."
ala/dapd/dpa
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