Trier: Bischof entlässt Priester wegen Missbrauchs

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat erstmals einen Geistlichen seines Bistums wegen sexueller Übergriffe aus dem Klerikerstand entlassen. Der Mann soll fünf Jungen missbraucht haben.

Bischof Ackermann: Kirchliche Voruntersuchungen gegen 16 Priester im Bistum eingeleitet Zur Großansicht
dapd

Bischof Ackermann: Kirchliche Voruntersuchungen gegen 16 Priester im Bistum eingeleitet

Trier - Die Entlassung des katholischen Theologen erfolgte bereits am vergangenen Dienstag, wurde aber erst am Freitag öffentlich gemacht. Bischof Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, habe zunächst die Opfer und den Täter informieren wollen, sagte ein Bistumssprecher.

Der Priester, der sich bereits im Ruhestand befindet, soll zwischen 1966 und 1980 fünf minderjährige Jungen missbraucht haben - in zwei Fällen über einen längeren Zeitraum hinweg. Er äußerte sich bisher nicht zu der Maßnahme, hat aber die Möglichkeit, innerhalb von 60 Tagen gegen die Entscheidung Einspruch einzulegen.

Bei der Entlassung handelt es sich nach Bistumsangaben um das höchste Strafmaß, welche das Kirchenrecht vorsieht. Der Priester verliert damit sämtliche Rechte, die mit seinem Priesteramt verbunden sind. So dürfe er die Messe nicht mehr feiern und die Sakramente nicht mehr spenden. Außerdem lägen seine Bezüge unter dem, was für Geistliche im Ruhestand üblich sei.

Es sei das erste Mal in den vergangenen 40 Jahren, dass diese Strafe im Bistum gegen einen Priester wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen werde, sagte ein Sprecher des Bistums. Nach eigener Darstellung erfuhr man dort im Frühjahr 2010 erstmals von den Vorwürfen gegen den emeritierten Theologieprofessor, der Autor zahlreicher Bücher ist. Nach Abschluss einer kirchenrechtlichen Voruntersuchung informierten die Trierer die Glaubenskongregation in Rom über die Ergebnisse. Der Vatikan habe die Unterlagen geprüft.

Strafrechtlich konnte der Geistliche nicht mehr belangt werden, weil die Taten verjährt sind. Ackermann schlug der Glaubenskongregation daraufhin vor, den Mann aus dem Klerikerstand zu entlassen. Dem stimmte Rom zu.

In einem Schreiben informierte der Bischof die Opfer des Priesters über seine Entscheidung. Er habe auch um Entschuldigung "für das, was ein Priester unseres Bistums getan hat", gebeten - "wohl wissend, dass damit nicht ungeschehen gemacht werden kann, was Ihnen widerfahren ist".

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sind im Bistum Trier seit Februar 2010 gegen 16 Priester kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet worden. Von den Verdächtigen befinden sich derzeit noch drei im Dienst. Dieser Fall sei nun der erste, der richtig abgeschlossen sei, sagte ein Bistumssprecher. "Die anderen laufen mit unterschiedlichem Stand."

ala/dapd/dpa

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Scheinheilig.
allereber 13.07.2012
Die Pension die dieser Priester bekommt, möchte ich haben. Sie werden nur als alter Man entlassen. Eine Pension eines Oberstudienrates.
2. Passende Zeit-Punkte
ergo-oetken 13.07.2012
"Entlassung aus dem Klerikerstand" - wahrlich eine "Strafe" für den Mann, denn jetzt kommt er ja nicht mehr so leicht qua Amtswürde an Kinder heran....aber mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet, kann er es ja mal im Ausland versuchen. Es gibt immer noch Menschen, die glauben, dass Priester "bessere" Menschen seien...Und Leute, die ihre oder fremde Kinder gegen entsprechendes Entgeld zur Misshandlung verkaufen, sind auch leicht zu finden. Aber warum nur eine "Kirchliche Höchststrafe?" Die weltliche Höchststrafe für sexualisierte Übergriffe auf Kinder beträgt 10 Jahre Gefängnis. Wie wäre es damit? Verurteilung nicht möglich? Verjährung? Ach wie praktisch.... Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit
3. optional
tadamtadam 13.07.2012
"Strafrechtlich konnte der Geistliche nicht mehr belangt werden, weil die Taten verjährt sind. Ackermann schlug der Glaubenskongregation daraufhin vor, den Mann aus dem Klerikerstand zu entlassen." die verjährung ist wohl auch der einzige grund, warum die kriche das publik gemacht hat. der kinderschänder ist "bauernopfer", um die kirche in besserem licht dastehen zu lassen. ich würde mich über so einen schritt freuen, wenn keine verjährung vorliegt und die kirche aktiv an der aufklärung mitarbeiten würde, statt die straftäter bis in höchste kreise hinauf zu schützen.
4.
sprechkäs 13.07.2012
Zitat von tadamtadam"Strafrechtlich konnte der Geistliche nicht mehr belangt werden, weil die Taten verjährt sind. Ackermann schlug der Glaubenskongregation daraufhin vor, den Mann aus dem Klerikerstand zu entlassen." die verjährung ist wohl auch der einzige grund, warum die kriche das publik gemacht hat. der kinderschänder ist "bauernopfer", um die kirche in besserem licht dastehen zu lassen. ich würde mich über so einen schritt freuen, wenn keine verjährung vorliegt und die kirche aktiv an der aufklärung mitarbeiten würde, statt die straftäter bis in höchste kreise hinauf zu schützen.
Inwieweit steht die Kirche jetzt in einem besserem licht?
5. Allein schon die Tatsache,
futolapi 13.07.2012
das es hier ein Kirchenrecht gibt, ist ein Skandal. gibt es etwa auch ein eigenes Recht für die Zeugen Jehowas, für die Muslime ( Scharia), für Scientologen, .....?
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