Tropensturm "Isaac": Floridas Gouverneur ruft Notstand aus

"Isaac" hat in Haiti mindestens drei Menschen das Leben gekostet. Jetzt nimmt der Tropensturm Kurs auf den US-Bundesstaat Florida. Gouverneur Rick Scott ruft den Notstand aus - ausgerechnet vor dem Krönungsparteitag für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

Bewohner der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince flüchten aus ihren Häusern Zur Großansicht
REUTERS

Bewohner der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince flüchten aus ihren Häusern

Tampa - Florida wappnet sich für die Ankunft von "Isaac", der Tropensturm wird am Montag in dem US-Bundesstaat erwartet: Nun hat Gouverneur Rick Scott den Ausnahmezustand ausgerufen. Er bezeichnete die Maßnahme als "normalen Schritt" bei den Vorbereitungen auf einen solchen Sturm. Immerhin: Der Flughafen von Tampa bleibe geöffnet.

In Tampa werden am Montag Zehntausende Parteianhänger zum Beginn des Nominierungsparteitags der US-Republikaner erwartet. Scott betonte auf einer Pressekonferenz, es sei nicht davon auszugehen, dass "Isaac" den Parteitag beeinträchtigen werde. Meteorologen erwarten das Sturmzentrum weiter südlich.

Verantwortliche der Republikaner zeigten sich besorgt, halten aber bislang am geplanten Ablauf des Parteitages fest, auf dem Ex-Gouverneur Mitt Romney offiziell zum republikanischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November gekürt werden soll. Aktivisten und Bürgerrechtsgruppen haben in Tampa unabhängig vom Wetter politische Proteste angekündigt.

Die Stadtverwaltung von Tampa forderte die Bewohner und Urlauber dazu auf, die Inselkette im Süden des Staats zu verlassen, die Behörden errichteten Notunterkünfte. US-Vizepräsident Joe Biden sagte wegen des Sturms eine Reise nach Tampa ab.

Angst vor dem Sturm

Das Unwetter erreichte am Samstagmorgen mit Windgeschwindigkeiten von knapp 95 Stundenkilometern den Karibikstaat Haiti. Der Sturm trug Zelte und Dächer fort und riss Bäume ab. In der Hauptstadt Port-au-Prince fiel der Strom aus, die Telefonverbindungen waren gestört.

Am stärksten betroffen waren die rund 45.000 Einwohner zählende Stadt Les Cayes und angrenzende Gebiete. Eine Frau und ein Kind seien in der Ortschaft Souvenance umgekommen, sagte ein Politiker. Ein zehnjähriges Mädchen wurde laut Angaben des Zivilschutzes in Thomazeau von einer umstürzenden Mauer erschlagen. Mindestens 5000 Menschen wurden vor Überschwemmungen in Sicherheit gebracht.

Aus Angst vor dem Sturm wurden 18 Lager evakuiert, in denen Opfer des Erdbebens von vor zwei Jahren noch immer leben. Tausende Familien mussten in Notunterkünften untergebracht werden. Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre leidet bis heute unter den Folgen des verheerenden Bebens im Januar 2010, bei dem eine Viertel Million Menschen umkamen. Etwa 400.000 Haitianer leben noch immer in Zelten und provisorischen Camps.

"Wir leben in Zelten. Wenn es zu sehr regnet und Wind herrscht, kommt das Wasser rein. Wir können nichts tun", sagte Nicholas Absolouis, 34-jähriger arbeitsloser Mechaniker in einem Obdachlosen-Lager am nördlichen Rand der Hauptstadt. Durch die Überschwemmungen besteht die Gefahr, dass die Cholera erneut ausbricht, an der seit dem Erdbeben bereits 7500 Menschen in Haiti verstorben sind. Premierminister Laurent Lamothe erklärte, Haiti verfüge nur über sehr eingeschränkte Mittel, um die öffentliche Sicherheit zu garantieren.

Kuba und Florida im Visier

Nach US-Angaben hatte der Sturm fast Hurrikan-Stärke, als er auf die haitianische Küste traf. Das US-Hurrikanzentrum NHC warnte vor heftigen Regenfällen, lebensbedrohlichen Überschwemmungen und Erdrutschen. Am Abend sollte der Sturm nach Kuba weiterziehen. Aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo wurden vorsorglich hunderte Menschen in Sicherheit gebracht, die kubanische Regierung versetzte sechs Provinzen in Alarmzustand.

Am Sonntag sollte das Unwetter dann Hurrikan-Stärke erreichen. Das NHC gab für die Inselgruppe der Florida Keys sowie Teile der Küste eine Hurrikan-Warnung aus. Im Golf von Mexiko evakuierte der Ölkonzern BP die Öl-Förderplattform Thunder Horse.

Der Tropensturm verhinderte am Samstag auch den Start von zwei Forschungssatelliten vom US-Raumfahrtzentrum Cape Canaveral in Florida. Wegen eines Gewitters musste die Nasa den Countdown nur vier Minuten vor der Zündung der Raketen abbrechen. Das Gewitter war ein Ausläufer von "Issac". Die Nasa entschied, einen Start erst dann zu versuchen, wenn das Sturmgebiet durchgezogen ist. Das wird vermutlich am Donnerstag der Fall sein.

ala/dapd/AP/AFP

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1.
_Netizen 26.08.2012
Zitat von sysop"Isaac" hat in Haiti mindestens drei Menschen das Leben gekostet. Jetzt nimmt der Tropensturm Kurs auf den US-Bundesstaat Florida. Gouverneur Rick Scott ruft den Notstand aus - ausgerechnet vor dem Krönungsparteitag für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Tropensturm "Isaac" nimmt Kurs auf Florida, droht Parteitag zu sprengen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,852105,00.html)
Selbst mich als Atheisten amüsiert der Gedanke, der liebe Gott könnte einfach die Schnauze voll haben vom Getue dieses selbstherrlichen und verlogenen Mormonen.
2. Erstaunlich
zeitmax 26.08.2012
"Aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo wurden vorsorglich hunderte Menschen in Sicherheit gebracht" - Wie geht denn so etwas? Gibt es ein Reservegefängnis? Oder eine umzäunte Wiese und Schlafsäcke? Gulaschkanone?
3. Nein,
gandhiforever 26.08.2012
Zitat von sysop"Isaac" hat in Haiti mindestens drei Menschen das Leben gekostet. Jetzt nimmt der Tropensturm Kurs auf den US-Bundesstaat Florida. Gouverneur Rick Scott ruft den Notstand aus - ausgerechnet vor dem Krönungsparteitag für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Tropensturm "Isaac" nimmt Kurs auf Florida, droht Parteitag zu sprengen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,852105,00.html)
der Ablauf des Parteitages ist geaendert worden. Die Republikaner werden sich am Montag treffen, dann aber erst wieder am Dienstag Nachmittag. Die Aenderung wird es auch ermoeglichen, eventuelle Querschlaeger von dern Rednerliste zu streichen. Ich denke da an Huckabee, der Akin den Ruecken staerkte. So kann man dem Hurrikan auch eine positive Seite abgewinnen.
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