Tschechien Agrarfirma beendet Schweinemast auf früherem KZ-Gelände

Jahrzehntelang wurden südlich von Prag Schweine geschlachtet und zu Fleisch verarbeitet - auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Lety. Nun soll der Betrieb einem würdigen Gedenken weichen.

Schweinemastbetrieb in Lety (Archivbild)
AP

Schweinemastbetrieb in Lety (Archivbild)


Im Streit um eine Schweinemast auf dem Gelände des früheren NS-Zwangsarbeitslagers Lety im heutigen Tschechien gibt es eine Einigung. Der Besitzer des Agrarbetriebs stimmte dem Verkauf der Anlage an den Staat zu. Der endgültige Vertrag werde Anfang September unterzeichnet, sagte Kulturminister Daniel Herman dem tschechischen Rundfunk.

Die Firma Agpi als derzeitige Besitzerin der Schweinemast hatte sich zu einer Verlegung des Betriebs bereit erklärt, jedoch eine entsprechende Entschädigung gefordert. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Die tschechische Regierung will die Anlage abreißen lassen und damit ein würdiges Gedenken an die Opfer ermöglichen. Ein Agpi-Vertreter sagte, dass der Betrieb vermutlich noch vor der Parlamentswahl im Oktober umziehen werde.

Ein Aktivist von der Europäischen Antirassistischen Bewegung Egam, Benjamin Abtan, begrüßte die Einigung als "historisch für die Würde der Roma". Gegner des von der Mitte-Links-Regierung initiierten Kaufs kritisieren, das dafür investierte Geld werde verschwendet.

Hunderte Tote, vor allem Kinder

Das von den nationalsozialistischen Besatzern so genannte "Zigeunerlager Lety" war 1942 eingerichtet worden. Zwischen August 1942 und Mai 1943 waren dort etwa 1300 Roma interniert. 327 Menschen starben aufgrund der katastrophalen Bedingungen unter anderem an Typhus - darunter mehr als 240 Kinder.

Die meisten anderen Insassen wurden später in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort vergast. Die Gesamtzahl der Todesopfer könnte indes weit höher liegen als bisher angenommen: Archäologen stießen vor kurzem auf Spuren bisher unbekannter Massengräber.

Vertreter der Roma-Minderheit und der Uno-Menschenrechtsausschuss hatten jahrelang die Schließung des Schweinemastbetriebs gefordert, der während der kommunistischen Ära in den Siebzigerjahren errichtet worden war. Seit 2010 gibt es eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes, die jährlich von mehr als 10.000 Menschen besucht wird.

mxw/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.