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Tsunami 2004: Die Jahrtausend-Katastrophe

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Vor zehn Jahren riss der Tsunami rund 230.000 Menschen in den Tod. Wie kam es zu der Katastrophe? Wie haben Überlebende es geschafft? Wie erging es ihnen seither? Wir erzählen es in einer Serie.

Moschee in Banda Aceh: Eine der größten Naturkatastrophen seit Menschengedenken
Getty Images/ U.S. Navy

Moschee in Banda Aceh: Eine der größten Naturkatastrophen seit Menschengedenken

Die Fischer auf ihren Kuttern sind die Ersten, die es spüren. Sie berichten später von einem Donnergrollen, riesigen Strudeln und dem Gefühl, ihr Schiff sei in voller Geschwindigkeit auf Grund gelaufen.

Der tausendfache Tod kommt an einem Sonntagmorgen, er kommt aus dem Meer.

Eine gigantische Wasserwand erhebt sich am zweiten Weihnachtstag 2004 aus dem Indischen Ozean. Bis zu sechs Tsunamis, viele Meter hoch, schlagen an Land. Die Wellen vernichten Häuser, Dörfer, Städte. Rund 230.000 Menschen in vierzehn Ländern verlieren in den Fluten ihr Leben, in Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Indien werden ganze Landstriche verwüstet. Sogar im mehr als 6400 Kilometer entfernten Ostafrika werden rund 200 Menschen vom Wasser getötet.

Das Meer holt sich jene, die zu schwach sind, sich an eine Palme zu klammern, auf ein Hausdach oder einen Hügel zu retten oder sich an Treibgut festzuhalten. Die Mehrzahl der Toten sind Kinder und Frauen.

Zehn Jahre ist es her, dass der Begriff Tsunami in der Weltöffentlichkeit zum Synonym für Schrecken wurde. Es war eine der größten Naturkatastrophen seit Menschengedenken.

Banda Aceh vor und nach dem Tsunami

Links ein Satellitenfoto von Juni 2004, rechts vom 30. Dezember 2004

Das Unglück beginnt am Morgen des 26. Dezember um 7.59 Uhr nahe der Insel Simeulue: In 30 Kilometern Tiefe gibt es ein gewaltiges Erdbeben. Experten des U.S. Geological Survey legen die Stärke auf 9,1 fest - es ist das drittstärkste aller bislang registrierten Beben.

Der Meeresboden springt an manchen Stellen um bis zehn Meter in die Höhe, an anderen Orten sackt er einfach weg. Auf einer Länge von 1200 Kilometern kommt es zu enormen Verwerfungen. Unvorstellbare Wassermassen geraten so in Bewegung. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometer pro Stunde schieben sich Billionen Tonnen Wasser gegen die Küste.

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Die ersten Inseln der Nikobaren werden Minuten nach dem Beben von riesigen Wellen überrollt. Car Nicobar ist 127 Quadratkilometer groß, der höchste Punkt liegt gerade mal 10 Meter über dem Meeresspiegel, so hoch wie die erste Welle. Die zweite Welle ist höher. Die dritte noch höher. Rund 32.000 Menschen leben auf Car Nicobar. Sie ahnen nicht, dass sich an diesem Morgen unter ihnen die Hölle auftut. Die Inselgruppe, die zu Indien gehört, liegt über der Verwerfungszone. Etwa die Hälfte der Bevölkerung von Car Nicobar stirbt an diesem Tag.

Die Überlebenden sind auf sich allein gestellt, niemand weiß, was sich auf den Inseln zugetragen hat. Alle Kommunikationswege sind zerstört. Flüchtlinge, die sich auf andere Inseln retten können, verbreiten schließlich die furchtbaren Nachrichten. "Im Westen sehen wir nur Wasser und Wasser... Wir sehen kein Land und keine Insel im Westen", schreibt damals ein 13-jähriger Junge in einem Hilferuf.

16 Minuten nach dem Beben erreicht der Tsunami das Festland. Banda Aceh liegt nur 255 Kilometer vom Epizentrum entfernt. 12 Meter hoch schiebt sich die Welle durch die 500.000-Einwohner-Stadt, zermalmt Gebäude, Boote, Autos, Menschen. Kilometerweit wird der Brei ins Land gedrückt. Allein in der Stadt Banda Aceh sterben rund 25.000 Menschen, in der Provinz Aceh rund 170.000.

In Krabi (Westthailand) hat ein Fotograf die plötzliche Ebbe und den anrollenden Tsunami dokumentiert. Strandbesucher fliehen, die Schwedin Karin Svärd (r.) läuft Richtung Meer - ihre Söhne Anton, Filip und Viktor haben die drohende Gefahr nicht erkannt.

"Das Meer ist so schnell zurückgewichen, dass die Fische am Strand liegen blieben. Die Kinder schnappten sich die Fische, sie waren ganz aufgeregt, als wären es Trophäen", berichtet die Schwedin später in Interviews. "Ich habe nichts begriffen - bis ich zum Horizont sah."

Nun haben auch die Kinder die Welle entdeckt, sie fliehen. "Ich konnte die Angst in ihren Gesichtern sehen", sagt Karin Svärd später in Interviews. "Ich sah diese weiße Wand auf mich zukommen, und sie wurde immer schneller."

Die Familie wird von den Wassermassen überspült. "Mein Leben schien vorbei. Meine Kinder waren verschwunden." Karin Svärd kann sich retten und findet später, wie durch ein Wunder, die Vermissten auf einem nahegelegenen Hügel wieder. "Sie klammerten sich alle aneinander fest. Sie waren sehr verstört."

Familie Svärd hat den Tsunami nahezu unverletzt überlebt: "Wir waren dem Tode so nahe. Wir wissen jetzt, wie wertvoll das Leben ist."

An den Traumstränden Westthailands kündigt sich die Katastrophe zwei Stunden nach den Erdstößen an: Das Meer weicht urplötzlich um Hunderte Meter, zurück bleiben verdutzte Touristen und am Strand zappelnde Fische. Die Urlauber, viele sind dem europäischen Winterwetter entflohen, genießen heiße Weihnachten. Sie ahnen nichts von dem Überlebenskampf, den so viele Menschen in Aceh und auf den Nikobaren bereits verloren haben. Eine Tsunami-Warnanlage gibt es nicht. Erst als die Wellen an die Strände rollen, beginnen die Menschen zu verstehen: weg, nur weg!

In Khao Lak Beach, einem paradiesisch schönen Örtchen, stehen rund 60 Hotels, viele direkt am Strand. Der Strand ist breit und steigt langsam an, es gibt keine Unterwasserriffe, die den Tsunami bremsen könnten. Die Wasserwand erreicht eine Höhe von über 10 Metern. Mehr als 4000 Menschen kommen allein in der Region um Khao Lak ums Leben, Hunderte deutsche Urlauber sind unter den Opfern. Nirgendwo in Thailand ist die Zahl der Tsunami-Opfer höher.

Zehn Jahre sind vergangen, viele Opfer wurden nie gefunden. Was hat sich seit der Katastrophe verändert? Wie leben die Überlebenden heute?

Heike Klovert und Ulrike Putz reisten zu den Schauplätzen der Katastrophe. Sie trafen einen Vater, der seine Tochter nicht retten konnte. Eine Frau, auf deren Haus ein Kutter gespült wurde, was ihr das Leben rettete und ihr Leben doch zerstörte. Menschen, deren Leben entzweigerissen wurden: in das vor dem Tsunami und das danach. Und die neuen Mut fassten, jeder auf seine Weise.

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Kartengrundlage: DER SPIEGEL



Jule Lutteroth ist Autorin bei SPIEGEL ONLINE und koordiniert die Multimedia-Storys.

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1. Sensibilisiert für die Macht der Meere
Freidenker10 21.12.2014
Ein Wahnsinn! Ich war noch ein paar Jahre zuvor auf einer Thailändischen Insel die auch voll getroffen wurde. Kleine Hütten direkt am Strand. Wenn einen diese Katastrophe im Schlaf erwischt, hatte man dort keine Chance! Aber ehrlich gesagt, hätte ich den Tsunami auch nicht als Gefahr eingestuft. Das Wasser geht ein wenig zurück und man sieht auch keine Monsterwellen, da hätte ich genauso am Strand gestanden und mich gewundert was da abgeht... Erst nach dieser Katasrophe sind mehr Menschen sensibilisiert für die Macht der Meere!
2. Es wird noch noch viel mehr passieren
sandy123 21.12.2014
Ich halte es für voreilig, diesen Tsunami als die Jahrtausend-Katastrophe schon zu bezeichnen. Angesichts der Tatsache, dass der Mensch die Sicherheit technischer Anlagen (z. B. Standorte und Schutz von Atomkraftwerken, Lagerstätten für Atommüll, etc.), den Klimaschutz und den CO2-Ausstoß nicht annähernd sorgfältig überwacht, ist in Zukunft mit noch viel schlimmeren Katastrophen zu rechnen. Kaum einen Politiker denkt langfristig, d. h. über die aktuelle Wahlperiode hinaus. Mit dieser Einstellung überlassen wir unseren Kindern eine Menge "tickender Zeitbomben". Und als Wähler haben wir das aber in der Hand, d. h. wer nur solche Parteien wählt, denen nur das bedinungslose Wachstum der Wirtschaft wichtig ist und die nicht daran denken, dass wir auch für die Sicherheit aller geschaffenen technischen Anlagen und für die Erhaltung der Erde für unsere Nachfahren denken müssen, der darf sich nicht beschweren, wenn es zu verheerenden Unglücken kommt. Unsere Steuergelder sollten für viel mehr Sicherheits- und Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, auch um den Preis von eventuellen Steuererhöhungen.
3. Angehörige
bisi 21.12.2014
Nur wenige denken an die Angehörigen. Habe dazu ein gutes Buch gelesen: Klaila/Kleinjung Liebe Schwester - Trauern nach einem plötzlichen Tod. Echt lesenswert.
4. ich kann ihnen nur zustimmen ...
seriphos02 21.12.2014
Zitat von Freidenker10Ein Wahnsinn! Ich war noch ein paar Jahre zuvor auf einer Thailändischen Insel die auch voll getroffen wurde. Kleine Hütten direkt am Strand. Wenn einen diese Katastrophe im Schlaf erwischt, hatte man dort keine Chance! Aber ehrlich gesagt, hätte ich den Tsunami auch nicht als Gefahr eingestuft. Das Wasser geht ein wenig zurück und man sieht auch keine Monsterwellen, da hätte ich genauso am Strand gestanden und mich gewundert was da abgeht... Erst nach dieser Katasrophe sind mehr Menschen sensibilisiert für die Macht der Meere!
... ich hätte die zeichen des meeres sicher auch nicht richtig interpretiert, sofern dazu überhaupt noch die zeit geblieben wäre. per zufallsentscheidung war ich zu jener zeit an einem anderen ort in thailand und habe mich oft gefragt, was gewesen wäre, wenn. unmöglich. ich denke, diese gigantische katastrophe hat durch den tod so vieler reisender auch eine andere sensibilität prinzipiell zu (natur)katastrophen in fernen ländern geschaffen. wenngleich es in den darauffolgenden jahren wohl auch probleme gab, die enormen spenden nach dem tsunami immer sinnvoll einzusetzen, wäre es zu wünschen, dass uns die sensibilität für katastrophen und die bereitschaft zur hilfe erhalten bleibt, unabhängig davon, ob wir betroffene länder bereisen oder nicht.
5. Das stimmt so nicht
blob123y 21.12.2014
Zitat von Freidenker10Ein Wahnsinn! Ich war noch ein paar Jahre zuvor auf einer Thailändischen Insel die auch voll getroffen wurde. Kleine Hütten direkt am Strand. Wenn einen diese Katastrophe im Schlaf erwischt, hatte man dort keine Chance! Aber ehrlich gesagt, hätte ich den Tsunami auch nicht als Gefahr eingestuft. Das Wasser geht ein wenig zurück und man sieht auch keine Monsterwellen, da hätte ich genauso am Strand gestanden und mich gewundert was da abgeht... Erst nach dieser Katasrophe sind mehr Menschen sensibilisiert für die Macht der Meere!
ich war auch auf Phuket zu dieser Zeit aber mein Haus ist auf der Ostseite, das Disaster war aber auf der Westseite. Bei mir hat es nur etwas am Bett geruettelt und ich habe sofort an ein Erdbeben gedacht da genau dasselbe einige Jahre vorher in Istanbul geschehen ist da war das Epicenter dann oestlich von Izmir.
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