Neue TV-Show in Großbritannien Ich bin schwul, kannst du mich heilen?

Elektroschocks, Hypnose, Teufelsaustreibung: Selbsternannte Wunderheiler wollen Homosexuelle von ihrer angeblichen Krankheit heilen. Der britische Fernseharzt Christian Jessen will die skurrilen Methoden nun an sich selbst testen.

Corbis

Er ist der Arzt, dem die Engländer vertrauen: Doktor Christian Jessen, blond, markantes Gesicht, durchtrainiert. Im Fernsehen präsentiert er die Sendungen "Embarrassing Illnesses" und "Supersize vs Superskinny", es geht um sehr dicke und sehr dünne Menschen, um Diättipps und um peinliche Krankheiten, so beschämend, dass sich manche Patienten nicht zum Arzt trauen. Jetzt wurde sein neuestes Projekt bekannt: "Cure me, I'm gay". Heile mich, ich bin schwul.

Jessen selbst ist schwul, er lebt schon lange mit einem Mann zusammen, und er hat nicht vor, das zu ändern. "Ich habe in einer Dokumentation die unheimliche Welt der Homosexuellen-Heilung untersucht", twitterte er. Die vermeintlichen Wunderheiler will er nun entlarven.

Die Dokumentation soll im März auf "Channel 4" ausgestrahlt werden, dort laufen auch seine anderen Formate. Der Sender äußerte sich bislang nicht zu der Dokumentation. Der britische "Independent" berichtet, Jessen habe "Therapie"-Formen getestet, die in Großbritannien und den USA angewandt wurden oder immer noch werden. Zudem habe er mit Menschen gesprochen, die von sich behaupten, sie hätten sich auf wundersame Weise in Heterosexuelle verwandelt.

Im großen Finale lasse sich Jessen dann selbst testen, so der "Independent": Hat die Therapie angeschlagen? Dazu würden seine Augenbewegungen getestet sowie seine Erektion. Auch die vermeintlich Geheilten müssten sich diesem sexuellen Lügendetektortest unterziehen.

"Ich bin ein Doktor und kein schwuler Doktor"

Auf der ganzen Welt versuchen selbsternannte Wunderheiler, Menschen von ihren vermeintlich kranken sexuellen Neigungen zu heilen. Elektroschocks, Hypnose, Teufelsaustreibung, homoerotische Bilder, Bordellbesuche. Oft fühlen sich Homosexuelle von der Gesellschaft dazu gedrängt: In vielen Ländern werden sie verfolgt, bedroht, ausgegrenzt.

Auch Doktor Christian Jessen fühlte sich als Kind einsam und außen vor, als er merkte, dass er schwul ist. In einem Interview mit "Ditch the Label", einer britischen Anti-Mobbing-Organisation, sagte er: "Ich wusste, dass es okay ist, anders zu sein, aber ich hatte niemandem, mit dem ich darüber sprechen konnte." Er habe seine Homosexualität nie verleugnet, aber auch nie eine Flagge gehisst. "Ich bin ein Doktor und kein schwuler Doktor", sagt er in dem Interview. Oft habe er üble homophobe Kommentare von anderen Ärzten gehört, besonders wenn es um Sexualgesundheit ging. Und als er in einem "Channel 4"-Interview über seine Homosexualität sprach, reduzierte sich seine Followerzahl bei Twitter plötzlich: Binnen weniger Minuten habe er 500 Leser verloren, erzählt er.

Auch mit seinem neuen Format dürfte er manche verschrecken. Er twitterte dazu: "Die Kommentare nach dem 'Daily Mail'-Artikel zu meiner neuen Show überbieten sich selbst in ihrer schier glorreichen Dummheit."

fln

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 177 Beiträge
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Seite 1
news@adam-hg.de 25.01.2014
1. Einfach nur krank
Ich frage mich immer wieder, wie sich Menschen dazu herablassen, einen solchen Blödsinn zu produzieren. Solche "TV-Shows" sind einfach nur krank. Ein halbwegs vernünftiger Mensch schaut sich einen solchen Abfall nicht an.
demophon 25.01.2014
2. Dummer Titel
Zitat von sysopCorbisElektroschocks, Hypnose, Teufelsaustreibung: Selbst ernannte Wunderheiler wollen Homosexuelle von ihrer angeblichen Krankheit heilen. Der britische Fernseharzt Christian Jessen will die skurrilen Methoden nun an sich selbst testen. TV-Arzt Christian Jessen will sich von Homosexualität heilen lassen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tv-arzt-christian-jessen-will-sich-von-homosexualitaet-heilen-lassen-a-945492.html)
Der Titel dieser Show ist doch genauso dumm. Da Wissenschaftler, wie die der 'American Psychological Association', zu der Erkenntnis gekommen ist, dass Homosexualität keine Krankheit sondern eine normale Variante menschlicher Sexualität ist, kann man diese sexuelle Orientierung genauso wenig heilen wie Heterosexualität. Eine hohe Einschaltquote wird bei dieser Sendung aber trotzdem sicher sein, das Thema fasziniert die Menschen immer noch enorm.
knupauger 25.01.2014
3. Artikel nicht gelesen?
Ich frage mich immer wieder, wie sich Menschen dazu herablassen, einen solchen Blödsinn zu produzieren. Solche "TV-Shows" sind einfach nur krank. Ein halbwegs vernünftiger Mensch schaut sich einen solchen Abfall nicht an. Es geht darum, die fragwürdigen Methoden der Wunderheiler zu entlarven, nicht darum, Homosexuelle durch eine TV-Therapie zu schicken, um sie so zu heilen.
Trainspotter 25.01.2014
4.
Ich verstehe nicht, wieso das Showformat als schlecht dargestellt wird. Ich finde die Idee super, dass jemand mit dem Thema dieser seltsamen Heilungen umgeht. In manchen Kulturen werden Leute nämlich sogar zu solchen von den eigenen Angehörigen gezwungen.
wdb_342002 25.01.2014
5. die
der jensens sind sogenannte boulevard Progamme zugeordnet unter der Deckmantel "Wissentschaftlich Wertvoll. Im Grunde soll der Jensen sich schämen sich als Dr. zu bezeichnen - Seine Sendungen sind weder Wissenschaftlich noch relevant - für der Zusachauer a la Frauentausch jedoch bestenfalls geeignet!
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