TV-Entertainer Rudi Carrell ist tot

Rudi Carrell galt als der letzte große Entertainer des Deutschen Fernsehens. Jetzt ist die TV-Ikone gestorben. Der 71-Jährige erlag einem Krebsleiden.


Bremen - Anfang 2005 war bei dem Kettenraucher Lungenkrebs diagnostiziert worden. Carrell hatte es mit Fassung getragen und über den nahenden Tod gesprochen: "Ich werde noch lange als Wiederholung weiterleben."

Der Showmaster hatte sich mit rührendenden Dankesworten verabschiedet: "Deutschland hat mir zehnmal mehr gegeben, als ich mir je erhofft habe", sagte er. "Ich verdanke diesem wunderbaren Land mein Leben."

Carrell zählte zu den größten Stars der deutschen Fernsehgeschichte: Mit "Am laufenden Band" moderierte er in den siebziger und achtziger Jahren eine der erfolgreichsten Spielshows Deutschlands, später hatte er Erfolge mit "Rudis Tagesshow" und zuletzt "7 Tage, 7 Köpfe" auf RTL. Für seine Arbeit erhielt Carrell zahlreiche Preise, darunter mehrere Goldene Kameras und Bambis.

"Mit Rudi Carrell verliert die deutsche Medienlandschaft eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten", sagte Radio-Bremen-Intendant Heinz Glässgen. "Die Zuschauer liebten sein lockeres Auftreten. Mit Humor und Originalität hat er sein Publikum begeistert."

Carrell wurde am 19. Dezember 1934 im niederländischen Alkmaar als Rudolf Wijbrand Kesselaar geboren. 1959 wurde er durch einen selbst gestalteten Fernsehauftritt über Nacht in seinem Heimatland bekannt. Mitte der Sechziger kam er zu Radio Bremen.

Schon vor seinem Tod hatte er in einem bewegenden Interview mit dem SZ-Magazin betont, dass die Fans keinen Abschied nehmen könnten. Eine öffentliche Beerdigung lehnte der TV-Entertainer ab: "Aus Angst vor den Jacob Sisters! Mit ihren komischen Pudeln zerstören sie doch jede Atmosphäre", spottete Carrell über den Auftritt der Schwestern bei der Beerdigung des ermordeten Rudolph Moshammer im vergangenen Jahr. Seine Kinder habe er beauftragt, seinen Leichnam einäschern zu lassen und "irgendwo einen Grabstein" hinzusetzen.

Laut eigenem Bekunden hat ihn die Diagnose Lungenkrebs nicht überrascht: "Hätte ich eigentlich schon längst haben müssen! Ich habe immer fünf Tage vor einer Show so gut wie ohne Essen gearbeitet, nach einer Show nur Bier getrunken und mindestens sechzig Lord Extra am Tag geraucht." Er habe gewusst, "das geht irgendwann schief".

In dem Interview erzählte der Entertainer eine Fülle von Anekdoten. Unter anderem berichtete er von einem Erlebnis mit Marlene Dietrich. Die habe vor einer Gala einst die Bühne gefegt. "Ich frage etwas verdutzt: 'Frau Dietrich, kann nicht jemand anderes die Bühne fegen?' Und sie antwortet: 'Wissen Sie, ich muss gleich die Showtreppe runter. Wenn da irgendetwas liegt und ich rutsche darauf aus, steht es morgen in der Zeitung.'" Seitdem habe auch er immer selbst die Bühne gefegt.

aki/AP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.