Verschwundenes U-Boot "San Juan" Durchsuchungen bei Marine und Ferrostaal-Filiale in Argentinien

Das argentinische U-Boot "San Juan" ist mit 44 Menschen an Bord im Atlantik verschwunden. Nun haben Ermittler das Marine-Hauptquartier in Buenos Aires durchsucht - und die örtliche Filiale einer deutschen Firma.

U-Boot "San Juan" (Juni 2014)
REUTERS

U-Boot "San Juan" (Juni 2014)


Die argentinische Justiz hat im Zusammenhang mit dem verschollenen U-Boot "San Juan" das Hauptquartier der Marine in Buenos Aires und die örtliche Filiale des deutschen Unternehmens Ferrostaal durchsucht. Die Maßnahme hatte der Bundesrichter Luis Torres am Mittwoch angeordnet. Es gehe um den Verdacht, dass bei einer Überholung des U-Bootes in Argentinien Korruption im Spiel gewesen sein könnte. Gebaut wurde es in Deutschland.

Das 66 Meter lange U-Boot war im Auftrag Argentiniens 1983 in Deutschland gebaut worden. Mitte November verschwand es bei einer Routinefahrt im Südatlantik. An Bord waren 44 Besatzungsmitglieder. Für sie gibt es keine Hoffnung mehr.

Meeressonden hatten eine Explosion an Bord registriert. Zuvor hatte die Besatzung über einen angeblich kontrollierten Schwelbrand in den Batterien des U-Boots berichtet. Beim Auftauchen war Wasser über den Schnorchel eingedrungen und hatte in den Bug-Batterien einen Kurzschluss verursacht.

Am Freitag hatte eine Abgeordnete der Regierungskoalition von Präsident Mauricio Macri Anzeige gegen drei ehemalige Verteidigungsminister aus der Zeit der früheren Präsidenten Néstor Kirchner (2003-2007) und dessen Frau, Cristina Fernández de Kirchner, (2007-2015) erstattet. Sie sollen demnach bei der Generalüberholung des U-Boots zwischen 2005 und 2011 Verträge ohne Ausschreibung vergeben haben, bei denen es zu Korruption gekommen sein könnte.

Die Aufträge hätten unter anderen die deutschen Unternehmen Ferrostaal und Hawker GmbH zur Lieferung von Batteriezellen für das elektrisch angetriebene U-Boot begünstigt. Ferrostaal hatte vor einer Woche Spekulationen über Unregelmäßigkeiten zurückgewiesen.

aar/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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Worldwatch 21.12.2017
1. Wassereintritt über den Schnorchel?
Es gibt zwei Arten von Schnorchel. Die die nach oben offenen, wie ein offener Kamin, und solche mit automatischem Wassereintrittverschluss, wenn Wasser gegen die Schnorchel-Mündung drückt. Kann mir schlicht nicht vorstellen, daß bei dem U-Boot eine solche Verschlusstechnik nicht vorhanden sei, bzw. willentlich geöffnet wird, wenn das Boot nicht auf sicherer Schwimmposition befindet (inkl. hohem Wellengang). Was sagen ggf. UB-Experten dazu in der Kommentierung? Die Darstellung des Vorfalls, lt. Text jedenfalls, klingt unglaubwürdig. Auf dem Boot waren doch keine Laien unterwegs. Die wissen um die Gefahren von Wassereintritt und Kurzschlussgefahren, etc.. Die sind schon Laien wie mir klar. Ich kann die Story so nicht abkaufen.
darthmax 21.12.2017
2. Explosion
es schwimmen nun unzählige Minen im Meer herum, hat man im Falklandkrieg sicherlich noch einige hinzugelegt. Vielleicht war es einfach nur Pech.
ambulans 21.12.2017
3. >darthmax (#2, oben),
Zitat von darthmaxes schwimmen nun unzählige Minen im Meer herum, hat man im Falklandkrieg sicherlich noch einige hinzugelegt. Vielleicht war es einfach nur Pech.
ihre theorie (explosion durch herumvagabundierende ex-falklandmine) scheint mir auch am nächsten zu diesem unglück. die hektischen versuche der neuen regierung, für alles auf der welt die kirchner-vorgängerregierungen und natürlich die "internationale korruption" (war da nicht einmal was mit sr. macri?) verantwortlich zu machen, sprechen ja bände ...
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