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Umstrittene TV-Show in Pakistan: Ein Baby als Hauptgewinn

TV-Show "Amaan Ramazan": Moderator Aamir Liaquat Hussain verschenkt ein Baby Zur Großansicht
Geo TV

TV-Show "Amaan Ramazan": Moderator Aamir Liaquat Hussain verschenkt ein Baby

Die pakistanische Variante der Fernsehshow "Der Preis ist heiß" erzielt Traumquoten und erregt die Gemüter: Hauptgewinn ist ein Baby. Ein Skandal, meinen Kritiker. Doch Moderator Aamir Liaquat Hussain versteht die Aufregung nicht. Er ist davon überzeugt, Gutes zu tun.

Hamburg - Die Gewinner konnten ihr Glück kaum fassen. "Ich war zunächst völlig schockiert, konnte einfach nicht glauben, dass sie uns dieses Baby wirklich gegeben haben", sagt Suriya Bilqees. "Ich war extrem glücklich." Die Frau ist nun Mutter eines zwei Wochen alten Mädchens. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie das Kind in einer pakistanischen Fernsehshow gewonnen. Es war der Hauptpreis.

Die Sendung "Amaan Ramazan", eine pakistanische Version von "Der Preis ist heiß", erregt die Gemüter. Sie gilt als neuer Tiefpunkt im Kampf um die Gunst der Zuschauer, beschert ihrem konservativ-islamischen Sender Geo TV aber hohe Einschaltquoten im Fastenmonat Ramadan. Sieben Stunden dauert eine Folge der Show, sie wird live ausgestrahlt. Kandidaten aus dem 500 Zuschauer umfassenden Publikum treten dabei gegeneinander an, unter anderem in einem Koran-Quiz und einem Kochwettbewerb.

Zu gewinnen gibt es Waschmaschinen, Mikrowellen, Kühlschränke, Autos - oder eben Babys. In Ausschnitten der Sendung ist zu sehen, wie Moderator Aamir Liaquat Hussain den Hauptgewinn anpreist. "Dieses hübsche Mädchen wurde auf den Müll geworfen", sagt er und hält das Baby in die Fernsehkamera. Das Neugeborene steckt in einem roten Strampler mit weißen Punkten und hat eine rote Mütze auf dem Kopf. "Seht, wie hübsch und unschuldig es ist."

Fatima soll das kleine Mädchen heißen

Dann überreicht Hussain das kleine Mädchen den neuen Eltern. Sie beginnen vor Freude zu weinen - und berichten von den jahrelangen, frustrierenden Versuchen, Kinder zu bekommen. "Das ist ein Geschenk des Ramadan", sagt Suriya Bilqees. Ihr Mann berichtet, er sei oft aufgefordert worden, eine andere Frau zu heiraten. "Aber ich bin geduldig geblieben."

Die Freude ist also groß. Dabei wusste das Paar laut dem US-Sender CNN gar nicht, worauf es sich einließ. Davon, dass den beiden ein Säugling ausgehändigt werden könnte, sei nicht die Rede gewesen, als sie zu "Amaan Ramazan" eingeladen wurden. Und auch die notwendigen Papiere wurden demnach erst während der Show ausgestellt. In Pakistan gibt es kein Adoptionsgesetz. Die neuen Eltern müssen die Vormundschaft nun bei einem Familiengericht beantragen. Einen Namen haben sie schon ausgesucht: Fatima soll das kleine Mädchen heißen.

Fatima ist nicht das einzige Show-Baby. Ein anderes Mädchen wurde bereits verschenkt, ein Junge soll in den kommenden Tagen folgen. Eine Fürsorge-Organisation mit dem Namen Chhipa stellt dem Sender die Säuglinge zur Verfügung. Seine Mitarbeiter entdeckten bis zu 15 ausgesetzte Babys pro Monat, zurückgelassen auf der Straße oder in Mülltonnen, sagt Gründer und Namensgeber Ramzan Chhipa. "Warum sollen wir also nicht sicherstellen, dass das Baby am Leben bleibt und ein gutes Zuhause bekommt?" Es werde schließlich nicht einfach irgendwem anvertraut, so Chhipa. "Wir haben unsere eigenen Verfahren zur Sicherheitsüberprüfung. Das Paar war bereits bei uns registriert und hatte vier oder fünf Sitzungen mit uns."

"Babys sind keine Trophäen"

Mit der Aktion will die Organisation Aufmerksamkeit für das Problem schaffen. In Pakistan werden vor allem Mädchen ausgesetzt, weil die Eltern für sie später bei der Hochzeit eine Mitgift aufbringen müssen. "Oft finden wir auch Leichen ausgesetzter Kinder", sagt Chhipa. "Unsere Botschaft lautet deshalb: Bringt die ungewollten Babys zu uns. Überlasst sie nicht einfach ihrem Schicksal."

Die Empörung ist dennoch groß. Die Show verletze ethische Standards und sei geschmacklos, sagen Kritiker "Pakistan, wach auf!", schreibt eine Frau auf der Facebook-Seite der Organisation. "Babys sind keine Trophäen, die irgendwem übergeben werden sollten."

Moderator Hussain kann die Aufregung nicht nachvollziehen. "An Weihnachten gibt es den Weihnachtsmann, der jedem Geschenke bringt. Das ist wichtig für die Christen. Für uns ist Ramadan eine ganz besondere Zeit, und deshalb ist es so wichtig, die Leute glücklich zu machen und sie zu belohnen", sagt er in einem Interview mit CNN. Hussain ist islamischer Geistlicher und gilt als TV-Star. Seine Mischung aus Religion und Unterhaltung sorgt allerdings für Kontroversen.

Seine Show, so glaubt er selbst, eine Pakistan, das geplagt sei von Terrorismus, religiöser Gewalt und Intoleranz. Er bringe die Menschen dazu, ausgesetzte Kinder von der Straße zu holen, sie großzuziehen und zu verantwortungsvollen Bürgern zu machen, die die Gesellschaft nicht durch Terrorismus zerstören. "Wir haben ein Symbol von Frieden und Liebe geschaffen", sagt Hussain. Dies sei das Thema der Show: "Liebe zu geben."

wit

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Bevölkerung: 191,710 Mio.

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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