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Umstrittener Priester: Österreicher Wagner verzichtet auf Amt des Weihbischofs

Freiwilliger Rückzug nach massiven Protesten und vielen Kirchenaustritten: Priester Gerhard Maria Wagner hat den Vatikan gebeten, seine Ernennung zum Weihbischof zurückzunehmen. Der Österreicher hatte Homosexualität als Krankheit und Naturkatastrophen als Strafe Gottes bezeichnet.

Linz - Nach massiven Protesten innerhalb der katholischen Kirche hat der umstrittene österreichische Priester Gerhard Maria Wagner überraschend auf das Amt als Weihbischof von Linz verzichtet. Dies gab der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz am Sonntagabend bekannt.

Priester Wagner: Bitte um Rücknahme der Ernennung zum Weihbischof
REUTERS

Priester Wagner: Bitte um Rücknahme der Ernennung zum Weihbischof

Der ultrakonservative Wagner, 54, der von Papst Benedikt XVI. gegen den Willen der meisten Bischöfe ernannt worden war, bat den Vatikan nach eigenen Angaben, seine Ernennung zurückzunehmen. Die Kirchenführung in Rom habe diesem Wunsch entsprochen, hieß es am Abend in Linz. In den vergangenen zwei Wochen hatte die Ernennung des Geistlichen zu einer Welle von Kirchenaustritten geführt.

In einer dem Linzer Bischof übermittelten, knappen Stellungnahme an die Medien erklärte Wagner: "Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten." Nach Angaben der amtlichen katholischen Nachrichtenagentur Kathpress hat der Vatikan diese Bitte erfüllt.

Wegen der Empörung, die Wagners Ernennung vor allem unter der katholischen Laienbewegung in Österreich ausgelöst hatte, hatte Wiens Kardinal Christoph Schönborn für diesen Montag ein Krisentreffen der österreichischen Diözesanbischöfe in Wien einberufen. Die Sondersitzung soll auch nach dem Rückzug Wagners stattfinden.

"Da ist Satanismus am Werk"

Überregional bekannt wurde Wagner 2001 durch seine Äußerung zu der Romanserie Harry Potter. "Da ist Satanismus am Werk", zitierte die österreichische Nachrichtenagentur APA den Geistlichen. Lateinische Fluchsprüche, die keiner verstehe und die im Unterbewusstsein weiterwirkten, beängstigten Wagner. "Da bedient man sich einer Sprache, die niemand versteht, weil man damit magische Kräfte mobilisieren möchte und nicht den liebenden Gott."

Das nächste Mal sorgte Wagner den Angaben zufolge für Aufsehen, als er seltsame Theorien zur Hurrikan-"Katrina"-Katastrophe in den USA über das Pfarrblatt verkündete: "Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtclubs zerstört wurden."

Der Verfasser fragt sich in dem Schreiben auch: "Ist die auffallende Häufung von Naturkatastrophen nur eine Folge der Umweltverschmutzung durch den Menschen, oder mehr noch die Folge einer "geistigen Umweltverschmutzung." In die gleiche Stoßrichtung gehen seine Theorien zur Tsunami-Katastrophe. Es sei vermutlich kein Zufall, dass die Flutwelle zu Weihnachten aufgetreten sei, wenn die Leute aus dem reichen Westen ins arme Thailand flüchteten, um dort die Welt zu genießen, erklärte der Pfarrer APA zufolge.

Der Priester, der zudem Homosexualität als Krankheit bezeichnet und die Rolle von Laien in der Kirche beschränken will, war in den vergangenen zwei Wochen auf heftigen Widerstand auch in der katholischen Priesterschaft gestoßen. Liberale Pfarrer in Oberösterreich wollten in der kommenden Woche eine Art katholisches "Volksbegehren" gegen Wagner starten. Die Zahl der Kirchenaustritte war seit seiner Ernennung zum Teil um das Vierfache gestiegen.

fsc/dpa/AP

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