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Unachtsame Zoo-Besucher: Eisbär Anton stirbt an verschluckter Jacke

Einem Eisbären im Zoo von Stuttgart ist ein Kleidungsstück zum Verhängnis geworden: Er starb, nachdem er eine Jacke verschlungen hatte, die in sein Gehege gefallen war. Immer wieder kommt es in Tierparks zu Todesfällen durch Fremdkörper.

Eisbär Anton 2008 in der Stuttgarter Wilhelma: Tod durch verschluckte Jacke Zur Großansicht
DPA

Eisbär Anton 2008 in der Stuttgarter Wilhelma: Tod durch verschluckte Jacke

Stuttgart - Anton wurde 25 Jahre alt, er hätte aber noch mindestens zehn weitere leben können. Wenn nicht irgendjemand eine Jacke samt Umhängetasche in das Gehege des Eisbären im Zoo Wilhelma hätte fallen lassen. Wenn der- oder diejenige es nicht versäumt hätte, die Pfleger rechtzeitig darüber zu informieren.

Laut Wilhelma hatte sich Anton in den vergangenen Tagen seltsam verhalten. Dass mit ihm etwas nicht stimmte, sei offensichtlich gewesen. Weil Wildtiere aber dazu neigen, Leiden und Krankheiten sehr lange zu verbergen, da jedes Anzeichen von Schwäche in der Wildbahn sofort von Feinden ausgenutzt werde, sei schwer einzuschätzen gewesen, was ihm fehlte.

Irgendwann habe Anton begonnen, Gewebestücke zu erbrechen. Der Tierarzt habe ihm Abführmittel gegeben, wodurch er weitere Fremdkörper ausgeschieden habe. Schließlich sei Anton an schweren Darmverletzungen und -entzündungen gestorben. Dies legen erste Untersuchungen des Veterinäruntersuchungsamts nahe.

"Etwas sehr Leckeres darin"

Unklar ist, warum der Eisbär die Tasche samt Jacke überhaupt gefressen hat, anstatt sie nur zu zerlegen, wie er es sonst mit Fundstücken tat. "Es muss etwas sehr Leckeres darin gewesen sein, dem Anton nicht widerstehen konnte", vermuten seine Pfleger Andreas Wössner und Jürgen Deisenhofer.

Auch bleibt rätselhaft, wie Tasche und Jacke ins Gehege kamen, gibt es doch einen Elektrozaun an den hohen Gehege-Scheiben.

Tragische Unglücke mit Fremdkörpern sind im Stuttgarter Zoo keine Seltenheit: Vor etlichen Jahren war das Flusspferd Egon an einem Darmverschluss gestorben - verursacht von einem verschluckten Tennisball. Und Charly, der letzte See-Elefant der Wilhelma, starb an einem Stofftier, das er gefressen hatte.

Hinweisschilder ignoriert

Zwar gibt es überall Hinweisschilder, auf denen davor gewarnt wird, die Tiere zu füttern oder Gegenstände in die Anlagen zu werfen. Doch die werden offenbar ignoriert. In den vergangenen 20 Jahren fanden die Angestellten 200 Kinderschuhe im Wasser, außerdem etwa 50 Schnuller pro Jahr, zahllose Mützen, Fotoapparate, Handys und Brillen. Tierarzt Tobias Knauf-Witzens bittet die Besucher, Verluste zu melden. "Hätten wir gewusst, dass etwas im Gehege war, hätten wir Anton vielleicht noch retten können."

Anton wurde am 13. Dezember 1989 in Karlsruhe geboren und war 1992 gemeinsam mit drei Eisbärinnen erster Bewohner der neuen Anlage in Stuttgart. Als Vater des bisher einzigen in Stuttgart geborenen Eisbären ging Anton in die Geschichte des Zoos ein: Sein Nachwuchs Wilbär wurde 2007 wie der Berliner Eisbär Knut sehr populär. Er lebt inzwischen in Schweden.

ala/dpa

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