Nach Unfall vermisste Hündin Nudels ist wieder zu Hause

Bei einem Unfall auf der Autobahn 95 wurde Hündin Nudels aus einem Kleinbus geschleudert. Drei Tage lang kampierte ihr Besitzer, um sie wiederzufinden. Im Interview erzählt er, wie das geklappt hat.

Hündin Nudels
Simon Michael Poschenrieder

Hündin Nudels

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Drei Tage lang wusste Simon Poschenrieder nicht, ob er seine Hündin Nudels wieder sehen würde. Sie war bei einem schweren Unfall aus dem zertrümmerten Fenster seines Kleinbusses geschleudert worden - er sah nur noch, wie der Cockerspaniel unter dem Zaun der Autobahn hindurchhuschte. Dann war Nudels verschwunden. Poschenrieder selbst trug keine Verletzungen davon, doch wirklich freuen konnte er sich darüber nicht.

SPIEGEL ONLINE: Herr Poschenrieder, wie haben Sie die Tage nach Nudels Verschwinden verbracht?

Simon Poschenrieder: Sofort nach dem Unfall bin ich aus meinem Bus geklettert und habe angefangen, nach Nudels zu suchen. Mein einziger Gedanke war: Wie geht es meinen Hunden? Außer Nudels waren noch meine beiden anderen Hunde mit im Wagen, ihnen war zum Glück nichts passiert. Die Feuerwehr war erstaunt, dass ich da lebendig herumlief, sie hatten erwartet, einen Toten zu bergen.

SPIEGEL ONLINE: Sie fanden Nudels nicht, riefen auf Facebook zur Suche nach ihrem Hund auf - und bekamen mehr als 22.000 Likes.

Poschenrieder: Mein Telefon hört seitdem nicht mehr auf zu klingeln. Es ist der Wahnsinn. Es meldete sich auch die Hundestaffel K9, das sind echte Profis. Sie erklärten mir vor Ort, wie ich vorgehen muss: Ich bin eine Strecke an der Unfallstelle mehrmals abgelaufen, um eine Spur für Nudels zu legen. Nachts habe ich dort auch geschlafen, im Zelt und im Auto. Ich war seit mehr als 72 Stunden nicht mehr im Bett. Unsere Hoffnung war, dass Nudels so zu mir findet.

SPIEGEL ONLINE: Mehrmals wurde Nudels auch von Passanten gesichtet. Warum konnte die Hündin nicht eingefangen werden?

Poschenrieder: Man kann einen Hund im Schockzustand nicht einfangen. Nudels war komplett verschreckt, sie hatte riesige Angst. Einmal war es sogar richtig brenzlig, da haben Helfer sie wieder auf die Autobahn getrieben, weil sie sie fangen wollten. Zum Glück ist nichts passiert. Aber Nudels war natürlich wieder weg.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie es geschafft, sie doch noch einzufangen?

Poschenrieder: Nudels hat mich gefunden, ich musste sie gar nicht fangen. Ein Bekannter, der mit mir Wache hielt, sah sie hinten auf einer Wiese. Ich bin dann auf sie zu. Sie hat mich erst nicht erkannt und ist davongelaufen. Nach 20 Metern drehte sie aber plötzlich wieder um und kam voll auf mich zugerannt. Seitdem ist sie ganz die Alte.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Nudels als Erstes unternommen, als sie wieder zu Hause war?

Poschenrieder: Ich habe beim Pizzaservice angerufen und ihr Lieblingsessen bestellt, sie mag diese Tomatensoße mit den Hackfleischstücken so gern. Danach habe ich sie gebadet. Seitdem schläft sie, schon fast einen ganzen Tag lang, so erschöpft ist sie.

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