Taufbecken in Ungarn Zeremonienbademeister

Im Planschbecken, im See oder unter einer Orgel: Die Fotografin Boglárka Éva Zellei hat Ganzkörpertaufen in freichristlichen Gemeinden in Ungarn dokumentiert.

Boglarka Eva Zellei

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Eine Wiese, ein blaues Schwimmbecken und zwei weiß gekleidete Männer im Wasser, einer scheint den anderen zu stützen: Eine Rettungsaktion? Eine verlorene Wette? Zwei Betrunkene? Nein, diese Szene zeigt eine sogenannte Immersionstaufe, bei der der Täufling mit dem ganzen Körper ins Wasser getaucht wird.

Die 24-jährige Fotografin Boglárka Éva Zellei hat in ihrem Heimatland Ungarn Zeremonien von freichristlichen Gemeinden dokumentiert, die dieses Ritual durchführen.

Jedes Bild der Serie stammt aus einer anderen Stadt oder einem anderen Dorf in Ungarn. Zellei traf Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten, Anhänger der Pfingstbewegung sowie einige andere freichristliche Gemeinschaften. "Obwohl die Immersionstaufe eine 2000 Jahre alte Form der Taufe ist, praktiziert jede Kirche sie auf ihre Weise", erklärt Zellei.

Die Ungarin hält den Moment fest, wenn die Getauften aus dem Wasser kommen. "Im theologischen Ansatz wird die Person durch die Taufe symbolisch neugeboren", sagt sie. "Und oft sehen die Leute wirklich wie zerbrechliche Neugeborene aus, wenn sie aus dem Wasser kommen."

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Freichristliche Gemeinden: Ganzkörpertaufe in Ungarn

Zellei suchte in Datenbanken nach geeigneten Kirchen. Und da die Gemeinden gut miteinander vernetzt sind, bekam sie schnell weitere Kontakte. Die meisten Pastoren waren sehr offen und luden sie ein, an ihren Zeremonien teilzunehmen. Vor Ort wurden der Fotografin alle Räumlichkeiten gezeigt und die Details der Taufe erklärt.

Die Feierlichkeiten dauern in der Regel rund zwei Stunden. Nach einem normalen Gottesdienst mit Predigt, Gesang und Gedichten teilen sich die Gläubigen ein Mittagessen. Für gewöhnlich erzählen die Menschen, die getauft werden sollen, von ihrem Weg in die Gemeinschaft, wie sich ihr Leben durch den Glauben verändert hat und warum sie beschlossen haben, sich taufen zu lassen.

Die Täuflinge tragen immer weiße Kleidung, nur die Becken variieren. Manche Pastoren taufen in einem See, andere in einem Schwimmbecken, einem riesigen Eimer oder einer Wanne im Fußboden - je nach finanziellen Mitteln. "Normalerweise dauert es viele Jahre, bis eine Gemeinde eine eigene Kirche und ein eigenes Taufbecken bauen kann", sagt Zellei. "Ich hatte das Gefühl, dass dies für die meisten Gläubigen nicht wirklich wichtig ist, denn die Zeremonie ist in einem aufblasbaren Pool genauso heilig."

Besonders interessierte Zellei auch, wie die Gemeinden ihre Räume gestalten: Topfpflanzen stehen neben Kreuzen und Kanzeln, Fußböden werden zu Taufbecken umfunktioniert, Landschaftsbilder schmücken die Wände. "Die Einrichtung drückt das Bedürfnis aus, sich einerseits zu Hause zu fühlen, aber auch der göttlichen Welt nahe zu sein", sagt Zellei.

Auf ihren Bildern zeigt die Fotografin nur Erwachsene, sie hat aber auch an Zeremonien mit Kindern teilgenommen. "Die Glaubensgemeinschaften lehnen die Taufe von Babys ab", sagt Zellei. "Sie finden es wichtig, dass eine Person bewusst entscheiden kann."

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