Unicef-"Foto des Jahres": Kindheit im Krieg

Das kleine Mädchen sieht wie eine Prinzessin aus. Doch sie steht in einem Krankenhaus in Syrien, umgeben von Kalaschnikows, Blut und Tod. Der italienische Fotograf Alessio Romenzi hat die Gesichter des Krieges dokumentiert - und das Unicef-"Foto des Jahres" aufgenommen.

Unicef-Auswahl: Die besten Fotos des Jahres Fotos
Alession Romenzi/ UNICEF-Foto des Jahres 2012

Hamburg - Das Mädchen ist verletzt, es blickt ängstlich in die Kamera. Zu Hause ist es gestürzt und wartet nun an der Hand seines Vaters auf einen Arzt. Es hat sich herausgeputzt, trägt eine große Perlenkette, in den dunklen Haaren zwei rosafarbene Schleifchen und in den silberfarbenen Sandalen weiße Socken. Sie passt nicht ins Bild. Der Boden zu ihren Füßen ist mit Blut bespritzt. Im Vordergrund steht ein Mann mit einer Kalaschnikow.

Entstanden ist die Aufnahme am 27. September im Dar-al-Shifa-Hospital in Aleppo. Seit knapp zwei Jahren tobt in Syrien Bürgerkrieg, mehr als 2,5 Millionen Menschen sind von den Kämpfen betroffen - die Hälfte von ihnen sind Kinder. Die Vereinten Nationen schätzen, dass seit Beginn der blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Truppen von Machthaber Baschar al-Assad und Regimegegnern mindestens 40.000 Menschen getötet wurden. Und immer wieder geraten auch Zivilisten - Kinder - zwischen die Fronten.

Das Kinderhilfswerk Unicef hat das Bild des Mädchens im Krankenhaus zum "Foto des Jahres" 2012 gewählt. Aufgenommen wurde es vom italienischen Fotografen Alessio Romenzi. Er hat unter anderem im "Time"-Magazin veröffentlicht, in der "Washington Post", bei "El País", "Le Monde" und im SPIEGEL.

Für seine Fotoreportage aus Syrien hat Romenzi die Gesichter des Krieges aufgenommen, Menschen mit verstörten Seelen und geschundenen Körpern. Er zeigt Kinder, die vor einer Leiche stehen und ihre Wut hinausschreien. Erwachsene, die sich ihren Weg durch Stacheldraht bahnen. Familien, die sich verzweifelt aneinander klammern.

"Das Foto des Jahres 2012 ist ein Appell an alle Konfliktparteien in Syrien, internationales Recht einzuhalten", sagte Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen bei der Preisverleihung in Berlin. "Dazu gehört vor allem, dass alle Kinder zu jeder Zeit geschützt werden." Romenzi erhält als Preis eine Leica-Kamera sowie als Anerkennung einen Fotoreportage-Auftrag von "GEO".

Das Siegerfoto und die weiteren Bilder aus dem Wettbewerb sehen Sie hier.

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1.
Snedronningen 18.12.2012
Zitat von sysop"Das Foto des Jahres 2012 ist ein Appell an alle Konfliktparteien in Syrien, internationales Recht einzuhalten"
Deutschland liefert völkerrechtswidrig und ohne UN-Mandat Waffen an terroristische Organisationen in Syrien. *Der deutschen Regierung geht es um Öl- und Gaslieferverträge, sowie Pipelines vom Irak bis zum Mittelmeer unter Einbeziehung der Türkei, und das Sichern von Assets deutscher Unternehmen in Syrien.* Die USA haben seit mehr als drei Jahren auf eine Destabilisierung Syriens hingearbeitet, wie klar aus Diplomaten Cables bei Wikileaks hervorgeht.
2.
stereopath 18.12.2012
Scheinbar haben viele schon vergessen, dass Assad schon vor über einem Jahr auf Demonstranten schießen ließ, als diese noch monatelang friedlich protestierten, weil er sah was um ihn herum im Zuge des arab. Frühlings passiert ist. Dabei wollten sie nicht einmal seinen Sturz, nur Reformen! Das hier immer wieder Leser Assad zur Seite springen, einem Mann, der auf bewohnte Gebiete mit Artillerie schießen lässt, ist purer Zynismus, wo doch die Schuld immer nur bei dem - ach so bösen Westen gefunden wird. Es ist alt und billig, wir reden hier von Despoten, die ihre Macht mit Blut festigen wollen.
3. ♟
flachatmer 18.12.2012
Zitat von stereopathScheinbar haben viele schon vergessen, dass Assad schon vor über einem Jahr auf Demonstranten schießen ließ, als diese noch monatelang friedlich protestierten, weil er sah was um ihn herum im Zuge des arab. Frühlings passiert ist. Dabei wollten sie nicht einmal seinen Sturz, nur Reformen! Das hier immer wieder Leser Assad zur Seite springen, einem Mann, der auf bewohnte Gebiete mit Artillerie schießen lässt, ist purer Zynismus, wo doch die Schuld immer nur bei dem - ach so bösen Westen gefunden wird. Es ist alt und billig, wir reden hier von Despoten, die ihre Macht mit Blut festigen wollen.
Es geht dabei grundsätzlich nur um Menschenrechte und Demokratie. Dieses unsägliche Gerede von Rohstoffen, Machtbestrebungen, Wirtschaftsräumen und vor allem Wachstum in der militärischen industrie sind windige Verschwörungstheorien ohne jeden Hintergrund von Alt-68ern und anderen Leistungsverweigerern. Aber sowas darf man ja heute nicht mehr sagen.
4. Na ja
supulsinac 18.12.2012
"MUNDUS VULT DECIPI" Auch von den"68"ern Ich denke, mehr muss ich nicht sagen
5. Syrien und Alt-68er
waelder 18.12.2012
@supulsinac - so wird Sebastian Brandt (15.-16. Jahrhundert) mit seinem "Narrenschiff" zum Alt-68er. Von daher ist das lateinisierte, ursprüngliche deutsche Zitat. @stereopath - ob ein Alt-68er wie ich, der bereits mehr als 45 Jahre arbeitet und eine 6-stelliges Gehalt bezieht, 5 Sprachen spricht und in 22 Ländern gearbeitet hat "windige Verschörungstheorien ohne jeden Hintergrund" verbreitet und als Leistungsverweigerer zu bezeichnen ist, weise ich zurück. Und es geht eindeutig um Macht und Kontrolle von Wirtschaftsräumen, die durch Waffenlieferungen und Aufbau zusätzlicher Militäranlagen gesichert werden soll.
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