Unicef-Report zu Gewalt gegen Kinder Jedes vierte Mädchen wird zum Opfer

Schläge, sexueller Missbrauch und Psychoterror: Unicef hat eine weltweite Studie über Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorgelegt. Die Ergebnisse sind erschütternd.

Mädchen in Indien:  Missbrauch von Kindern weltweit
Unicef

Mädchen in Indien: Missbrauch von Kindern weltweit


New York - Bariria* war 15, als sie zwangsverheiratet wurde. "Mein Mann hat mich grundlos geschlagen", sagt das Mädchen aus Niger. Laut Unicef heiratet jedes dritte Mädchen in dem Land vor dem 15. Geburtstag. "Er drohte mir jedes Mal, wenn ich etwas sagte." Als Bariria schwanger wurde, hielt sie es nicht mehr aus, flüchtete zurück zu ihren Eltern.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hat jetzt in New York einen Report über Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorgestellt - 25 Jahre nach Inkrafttreten der Kinderrechtskonvention. Unicef-Angaben zufolge ist es die bislang größte Studie dieser Art. Basis sind Daten aus 190 Ländern (Hier gibt es das PDF in englischer Sprache zum Download).

In dem Bericht geht es um Schläge, sexuelle Gewalt und psychische Aggression. Das sind die zentralen Erkenntnisse:

  • Tödliche Übergriffe: Allein 2012 fielen weltweit rund 95.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Viele von ihnen in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Lateinamerika, der Karibik und Westafrika. Die meisten tödlichen Übergriffe gab es in Nigeria (13.000) und Brasilien (11.000).

  • Gewalt in der Erziehung: Sechs von zehn Kindern zwischen zwei und 14 Jahren werden regelmäßig körperlich bestraft. Betroffen sind davon etwa eine Milliarde Kinder. Knapp jedes sechste Kind ist sogar heftigen Schlägen ausgesetzt. Drei von zehn Erwachsenen meinen, körperliche Züchtigung gehöre zur Erziehung. Diese Zahl wird größer, je geringer der Bildungsstand ist. In Ländern wie Ägypten, Jemen und dem Tschad werden sogar etwa 40 Prozent der Kinder mit heftigem Prügel bestraft.

  • Gewalt zwischen Kindern und Jugendlichen: Fast ein Drittel der 13- bis 15-Jährigen war im vergangenen Jahr an einer körperlichen Auseinandersetzung beteiligt. Ebenso viele Schüler dieser Altersgruppe sind regelmäßig Opfer von Mobbing - oft in Verbindung mit physischer Gewalt. In Europa und Nordamerika gibt jeder dritte 11- bis 15-Jährige an, in den vergangenen Monaten mindestens einmal einen Mitschüler gemobbt zu haben.

  • Gewalt gegen Mädchen: 70 Millionen Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren berichten, sie seien schon Opfer körperlicher Gewalt geworden. Das ist fast ein Viertel dieser Altersgruppe. Oft ist der Partner der Mädchen für die Übergriffe verantwortlich. So war weltweit knapp jedes dritte Mädchen, das in einer Partnerschaft lebt (84 Millionen), schon emotionaler, körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren Freund oder Ehemann ausgesetzt.

  • Sexuelle Gewalt: Schätzungsweise 120 Millionen Mädchen und junge Frauen unter 20 Jahren wurden mindestens einmal in ihrem Leben zum Geschlechtsverkehr gedrängt oder gezwungen. Meist geht die Gewalt von Partnern oder Freunden aus. Gut die Hälfte der Opfer zeigt die Taten nicht an und sucht auch keine Hilfe.

  • Einstellung zu häuslicher Gewalt: Ein Ehemann oder Partner ist dazu berechtigt, seine Frau gelegentlich zu schlagen - diese Meinung vertritt fast die Hälfte aller Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren. Weit verbreitet ist diese Ansicht vor allem im Süden und Norden Afrikas, im Nahen Osten sowie in Südasien.

Hinter all den Zahlen verbergen sich Fälle wie der von Bariria. Weltweit sind Kinder und Jugendliche in ihrem täglichen Lebensumfeld nach Einschätzung von Unicef-Experten einem "erschreckenden Ausmaß an körperlichen, sexuellen und seelischen Misshandlungen" ausgesetzt. In vielen Ländern ist derartige Gewalt demnach immer noch so selbstverständlich, dass sie nicht einmal infrage gestellt wird. Solche Taten gebe es in allen Ländern, allen Kulturen und allen Religionen. Lediglich fünf Prozent aller Kinder leben demnach in Staaten, die jegliche Form der Gewalt gegen Kinder ächten.

Ziel von Unicef ist es, solche Gewalt ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen, um sie bekämpfen zu können. Denn regelmäßigen Übergriffen ausgesetzte Heranwachsende haben laut dem Kinderhilfswerk nicht nur häufiger Lernprobleme, entwickeln ein geringeres Selbstvertrauen und leiden öfter unter Depressionen. Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake warnt auch: "Gewalt zieht Gewalt nach sich." Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass misshandelte Kinder Gewalt als normal ansehen und diese auch in Zukunft gegen die eigenen Kinder oder Partner anwenden.

* Name von der Redaktion geändert

wit



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Toll-s-toy 04.09.2014
1. Kinder als Freiwild
Und die VIELEN Täter sind unter uns.
Anreg 04.09.2014
2.
Zitat von Toll-s-toyUnd die VIELEN Täter sind unter uns.
TäterInnen, um genau zu sein.
pierrotlalune 04.09.2014
3.
habe gerade den anderen Artikel gelesen. Waffenkäufe als Investition. Mit diesem Artikel wird meine Auffassung verstärkt, daß Bildung der Schlüssel zu einem menschlicheren Leben ist.
brut_dargent 04.09.2014
4.
Gewalt gegen Kinder ist nicht nur in unmenschlich, sondern fördert, dass diese Kinder später selbst über eine höhere Bereitschaft für Kriege verfügen. "… Was im internationalen Vergleich auffällt ist, dass viele Länder, die historisch für schwere Konflikte, hohe Kriminalitätsraten, Kriege, Krisen, Diktaturen und/oder Rekrutierungsgebiete für Terroristen stehen, gleichzeitig sehr hohe Gewaltraten gegen Kinder aufweisen. Nachfolgend einige ausgesuchte Beispiele. Laut UNICEF erlebten – Grundlage sind Daten aus den Jahren 2005-2007 – in Prozent der Kinder (2- bis 14-Jährige) psychische und/oder körperliche Gewalt (wobei die Mehrheit beides erlebte): in den besetzten palästinensischen Gebieten 95 %, Vietnam 94 %, Jemen 93 %, Ägypten 92 %, Sierra Leone 91 %, Togo 91 %, Elfenbeinküste 90 %, Zentralafrikanische Republik 88 %, Syrien 87 %, Algerien 87 %, Irak 84 %, Weißrussland 83 % und Serbien 73 % (UNICEF 2009, S. 8). …" Aus dem Arbeitspapier "Als Kind geliebte Menschen fangen keine Kriege an: Plädoyer für einen offenen Blick auf die Kindheitsursprünge von Kriege", Seite 8 ff. http://www.jaeger.uni-koeln.de/fileadmin/templates/publikationen/aipa/AIPA_2012_4.pdf Kinderschutz und -fürsorge ist ein zentraler Bestandteil für mehr Frieden in der Welt.
sr.pablo 04.09.2014
5. Und Kinderarbeit?
Oder fällt das nicht unter Gewalt gegen Kinder?
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