Unicef 200 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung betroffen

Laut Unicef gibt es deutlich mehr Opfer von Genitalverstümmelungen als bislang bekannt. Bei etwa 200 Millionen Mädchen und jungen Frauen soll das grausame Ritual vorgenommen worden sein.


Etwa 200 Millionen Mädchen und junge Frauen sollen von Genitalverstümmelung betroffen sein. Das geht aus einem Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen hervor. Demnach liegt die geschätzte Zahl der Opfer um 70 Millionen höher als noch 2014 angenommen. Dieser Anstieg sei auf Bevölkerungswachstum und neue Daten aus Indonesien zurückzuführen, teilte Unicef mit.

Der Bericht enthält Daten aus 30 Ländern, in denen Genitalverstümmelung praktiziert wird - vorwiegend in muslimisch geprägten Staaten. Laut Unicef lebt die Hälfte der Opfer des grausamen Rituals in Ägypten, Äthiopien und Indonesien. Das Land mit der höchsten Rate ist demnach Somalia: 98 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 49 sind betroffen.

"Es ist notwendig, das Ausmaß der Genitalverstümmelung zu erfassen, um diese Praxis zu beseitigen", sagte die stellvertretende Unicef-Geschäftsführerin Geeta Rao Gupta. Wenn sich der derzeitige Trend fortsetze, werde sich die Zahl der Opfer in den kommenden 15 Jahren weiter signifikant erhöhen. Jeder Fall verletze die Rechte der betroffenen Mädchen und Frauen.

Die Uno-Vollversammlung hatte im Dezember 2012 einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der ein weltweites Verbot für Genitalverstümmelungen gefordert wird. Bei dem grausamen Ritual werden neben der Klitoris häufig auch die inneren Schamlippen teilweise oder ganz entfernt. In besonders gravierenden Fällen wird sogar die Vagina zugenäht und nur eine kleine Öffnung belassen.

In Deutschland hatte der Bundestag im Juni 2013 die Einführung eines eigenen Straftatbestandes für Genitalverstümmelung beschlossen - und die maximale Strafe auf 15 Jahre Haft heraufgesetzt.

wit/AP/Reuters

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