Hamburg - Deutschland belegt in internationalen Vergleichsstudien regelmäßig einen Mittelfeldplatz unter den Industrieländern, wenn es um gute Lebensumstände für Kinder und Jugendliche geht. Der aktuelle Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) zur Lage in der Bundesrepublik zeigt allerdings, dass sich hinter diesen Durchschnittswerten große Unterschiede verbergen. "Die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen, ihre Schulleistungen, Hoffnungen und Ängste unterscheiden sich gravierend - je nachdem, wo in Deutschland sie aufwachsen, wovon ihre Familie lebt und welche Unterstützung sie in ihrem konkreten Lebensumfeld, durch die Politik und ihre Gemeinden erfahren", heißt es in der am Freitag vorgestellten Studie.
Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben dazu alle aktuell verfügbaren empirischen Daten zum Wohlbefinden von Kindern für die einzelnen Bundesländer ausgewertet. Ihr Fazit: Die Lebenssituation der Kinder unterscheidet sich innerhalb Deutschlands stark. Die Wissenschaftler legten bei ihrer Untersuchung die von Unicef definierten sechs Dimensionen zugrunde: die materielle Situation, Gesundheit und Sicherheit, Verhalten und Risiken, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen sowie subjektives Wohlbefinden.
Von zentraler Bedeutung für dieses Wohlbefinden sei die aktive Teilhabe der Eltern am Arbeitsleben, so die Studie. Für Jugendliche seien zudem die Perspektiven, einen Ausbildungsplatz in ihrer Region zu finden, von großer Bedeutung.
Im Vergleich zu früheren Studien kommen die Forscher zu einem erstaunlichen Schluss: "Die Unterschiede sind in einzelnen Dimensionen zwischen den Bundesländern sogar größer als die zwischen einzelnen OECD-Staaten." Nationale Durchschnittswerte - etwa zu Kinderarmut - seien daher nur begrenzt aussagekräftig. "Für eine wirksame Kinder- und Jugendpolitik müssen diese um regionale und kommunale Analysen ergänzt werden", fordern die Autoren der Studie. Laut Unicef wachsen 14 Prozent der Kinder in Deutschland in "relativer Armut" auf.
wit
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