Weltweite Studie zu Tötungsdelikten Acht von zehn Mordopfern sind Männer

Fast eine halbe Million Menschen wurde im Jahr 2012 weltweit vorsätzlich getötet. Das zeigt eine aktuelle Studie der Uno. Besonders hoch ist die Mordrate in Mittelamerika, zu Verurteilungen kommt es jedoch vergleichsweise selten.

Straßenszene in Recife, Brasilien: Männer leben gefährlicher
AP

Straßenszene in Recife, Brasilien: Männer leben gefährlicher


London- Fast eine halbe Million Menschen fielen im Jahr 2012 einem Tötungsdelikt zum Opfer. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Uno-Büros zur Bekämpfung von Drogen und Kriminalität (UNODC).

Die Auswertung zeigt, dass Männer deutlich häufiger umgebracht werden als Frauen. Rund 80 Prozent der insgesamt 437.000 Opfer von Mord und Totschlag waren männlich. Opfer aus bewaffneten Konflikten und Kriegen wurde nicht mitgezählt.

Die meisten Taten wurden in Amerika und Afrika verübt. Ost-Asien und Europa wiesen die niedrigsten Raten auf. Die durchschnittliche Mordrate beträgt 6,2 pro 100.000 Personen. Die Mordrate im Süden Afrikas und Mittelamerika ist viermal so hoch - 24 Opfer pro 100.000 Personen. Dass Männer viel häufiger getötet werden, liege vor allem an organisierter Kriminalität und Banden.

Auffällig ist, dass vor allem junge Menschen Opfer von Morddelikten wurden: 43 Prozent waren zwischen 15 und 29 Jahren alt. Eines von sieben Mordopfern war ein junger Mann aus Amerika.

Für Frauen ist ihr Zuhause ein gefährlicher Ort

Während männliche Mordopfer meistens von jemandem umgebracht werden, den sie nicht oder nicht so gut kennen, fallen Frauen meistens jemandem aus ihrem näheren Umfeld zum Opfer. Fast die Hälfte der Fälle, die von ihrem Lebenspartner oder einem Familienmitglied umgebracht wurden, waren Frauen.

Die meisten von ihnen, knapp 20.000, lebten in Asien. In Europa wurden 3300 Frauen Opfer eines Gewaltverbrechens von Angehörigen. Jede zweite europäische Frau, die 2012 ermordet wurde, fiel einem Bekannten aus ihrem nähren Umkreis zum Opfer. "Das Zuhause kann für eine Frau der gefährlichste Ort sein", sagte Jean-Luc Lemahieu vom in Wien ansässigen Uno-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung.

Fast die Hälfte aller Tötungsdelikte wurde mit einer Schusswaffe verübt (rund 40 Prozent). Messer oder andere Gegenstände wurden ebenfalls oft als Tatwaffe eingesetzt (rund ein Viertel). Etwa ein Drittel der Mordopfer wurden durch andere Methoden umgebracht wie Vergiften oder Strangulieren. In Amerika wurden Schusswaffen besonders häufig eingesetzt (fast 70 Prozent).

Laut dem Bericht erhöht der Konsum von Alkohol das Risiko, zum Täter oder Opfer eines Morddelikts zu werden. In Schweden und Finnland zum Beispiel waren über die Hälfte der Täter betrunken, als sie einen Mord begingen. Der Einfluss von Drogen wie Kokain oder Amphetaminen würde allerdings eher Gewalt auslösen als andere Suchtmittel.

Weltweit wird laut Vereinten Nationen in etwa 43 Prozent aller Fälle ein Täter verurteilt. Auch hier gibt es große regionale Unterschiede. In Nord- und Südamerika liegt die Rate lediglich bei rund 24 Prozent, in Europa sind es 81 Prozent.

som/dpa



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