Asylbewerber: Unterkünften für Flüchtlinge droht Überlastung

Nordrhein-Westfalen überlegt bereits, Hotelzimmer anzumieten: Weil so viele Flüchtlinge kommen, sind viele Einrichtungen für die erste Aufnahme voll oder fast voll. In Hamburg oder Thüringen wäre hingegen noch genug Platz.

Berlin - Der Platz wird knapp in manchen Bundesländern - zumindest was die erste Bleibe von neu ankommenden Flüchtlingen angeht. Da ihre Zahl gestiegen ist, sind mancherorts die Unterkünfte voll oder sogar überlastet. Das gilt etwa für Nordrhein-Westfalen und für Baden-Württemberg. Andere Länder wie Niedersachsen stehen kurz vor der Grenze ihrer Möglichkeiten. Anderenorts gibt es derweil noch genug Platz, wie eine Umfrage der dpa ergab.

Bundesweit ist die Zahl der Erstanträge auf Asyl stark gestiegen. Im Vergleich zum Juni kletterte der Wert im Juli um gut 15 Prozent auf 4498. Verglichen mit dem Juli 2011 war es ein Anstieg um fast 31 Prozent. Nach einer Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge werden in diesem Jahr mehr als 50.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Sie werden nach einem festgelegten Schlüssel auf die Länder verteilt. Dabei bleiben die Zahlen im Vergleich zu den neunziger Jahren aber niedrig. Zum Vergleich: 1995 lag die Zahl der Asylbewerber noch bei knapp 167.000.

Zahl der Flüchtlinge aus Syrien stieg im letzten Monat stark an

Die meisten Flüchtlinge versuchen, Gewalt und Bürgerkriegen in ihrer Heimat zu entkommen. Knapp 15 Prozent der heutigen Asylbewerber kommen aus Afghanistan, gut elf Prozent aus dem Irak und rund acht Prozent aus Syrien. Besonders die Zahl der Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat nach Deutschland fliehen, nimmt stark zu. Sie stieg im Juli um fast 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Baden-Württemberg hat seine zentrale Erstaufnahme-Einrichtung in Karlsruhe. "Ihre regulären Kapazitäten sind bereits voll ausgelastet. Die Lage ist angespannt", sagte ein Sprecher des Stuttgarter Integrationsministeriums. Einige Bewerber hat das Land deshalb in Ausweichunterkünften untergebracht. Im Südwesten stieg die Zahl der Asylanträge von rund 1900 im Jahr 2006 auf rund 5300 im Jahr 2011.

Ansturm in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen erleben die Unterkünfte gerade einen Ansturm. Bei den vier Erstaufnahme-Einrichtungen gibt es Engpässe, wie in der vergangenen Woche bekanntwurde. Laut Landesregierung wird jetzt über eine fünfte Einrichtung nachgedacht. Auch könnten kurzfristig Hotelzimmer angemietet werden.

In Niedersachsen sind die Aufnahmestellen laut Landesregierung im Moment zu 92 Prozent ausgelastet. Man gehe aber nicht von Engpässen aus, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. In Hessen erklärte das Sozialministerium, damit die Kapazitätsgrenze in der zentralen Aufnahmestelle in Gießen nicht überschritten werde, würden die Menschen schneller an die Kommunen weitergeleitet.

Die Regierung in Sachsen erklärte, die Kapazität der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Chemnitz sei "nicht überbeansprucht". Allerdings sei die Zahl der Aufgenommenen in letzter Zeit erheblich gestiegen. Freie Kapazitäten melden Thüringen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Hamburg und das Saarland.

In den sogenannten Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben die Flüchtlinge meistens einige Tage. Dort werden die Akte angelegt und die Gründe für den Asylantrag aufgenommen. Anschließend werden die Bewerber auf die eigentlichen Unterkünfte der Länder verteilt.

juh/dpa

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