Unterversorgung Zu wenig Kinderärzte in Problemvierteln

In manchen Großstädten wird die Versorgung von Kindern und Jugendlichen knapp. Wegen "anhaltender Unterfinanzierung" könnten Mediziner ihre Praxen in Problemvierteln nicht mehr finanzieren, kritisiert der Berufsverband der Fachärzte - und fürchtet einen Anstieg der Kinderarmut.


Berlin/Köln - Kinder- und Jugendärzte sehen die medizinische Versorgung von Kindern in sozialen Brennpunkten "in großer Gefahr". Wegen der "anhaltenden Unterfinanzierung" ärztlicher Leistungen im System der gesetzlichen Krankenkassen könnten Mediziner ihre Praxen in Wohnvierteln mit einem hohen Anteil an Arbeitslosen und Migranten nicht mehr finanzieren, kritisierte der Berufsverband BVJK bei einer Tagung in Berlin. Eine Unterversorgung gebe es bereits in Problemstadtteilen, etwa in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Bremen oder Köln.

Die Bundespolitik müsse entschieden gegen Kinderarmut vorgehen. "Wir Kinder- und Jugendärzte beobachten mit Sorge, dass in Deutschland Kinder nicht ausreichend zu essen haben und Hunger leiden müssen", erklärte der Verband.

Die Hartz-Regelsätze für Kinder seien zu niedrig. Die 1,6 Millionen Jungen und Mädchen bundesweit, die von Hartz-IV-Leistungen leben, sind den Ärzten zufolge erheblich benachteiligt. Das geplante Milliarden-Sparpaket verschärfe die Lage für die Jungen und Mädchen aus armen Familien weiter.

Eine "staatlich gewollte Zweiklassenmedizin" rügt die Vereinigung bei den Vorsorgeuntersuchungen und in Teilen auch bei der Versorgung mit Medikamenten. Kinder aus ärmeren Bevölkerungsgruppen würden hier diskriminiert.

han/dpa



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