Schweres Unwetter in Wuppertal "Offensichtlich der Ausnahmezustand"

In Wuppertal fiel am Dienstag teils so viel Regen wie sonst in einem Monat. An der Universität und einer Tankstelle stürzten die Dächer ein, Gebäude sind überflutet. Die Stadt rechnet mit tagelangen Aufräumarbeiten.

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Bei einem heftigen Unwetter in Wuppertal ist das Dach eines Universitätsgebäudes eingestürzt. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen keine, wie die Uni nach dem Unwetter am Dienstagnachmittag auf ihrer Webseite mitteilte. Demnach stürzten an einem Unigebäude etwa 30 bis 50 Quadratmeter des Daches ein. Zudem stünden der Keller sowie Teile des Erdgeschosses mindestens zweier Gebäude unter Wasser. "Nach ersten Einschätzungen ist der Ausmaß des Schadens erheblich", sagte Rektor Lambert T. Koch.

In der Innenstadt knickte nach heftigen Regenfällen auch das Dach einer Tankstelle weg und beschädigte mehrere Autos. Unter dem Dach hätten insgesamt 14 Fahrzeuge geparkt, erklärte die Polizei. "Es ist eine unfassbare Situation gewesen", sagte eine Sprecherin. Ein Fahrer habe sein Auto noch rechtzeitig verlassen können, bevor das Dach auf seinen Wagen gestürzt sei. Er wurde leicht verletzt. Die Ermittlungen zur Unfallursache und Schadenshöhe dauerten noch an.

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Nach den massiven Regenfällen herrsche in der Stadt "offensichtlich der Ausnahmezustand", teilte die Feuerwehr am späten Dienstagabend mit. Mehr als 500 Einsätze standen demnach noch aus. Die Feuerwehr Wuppertal reichte bei der Feuerwehr Essen ein offizielles Hilfeersuchen ein. Mehr als hundert Einsatzkräfte mit 22 Fahrzeugen seien nach Wuppertal aufgebrochen, heißt es in einer Mitteilung der Feuerwehr Essen. Die Deutsche Bahn und die Wuppertaler Schwebebahn, das Wahrzeichen der Stadt, stellten demnach den Betrieb ein.

In der Spitze fielen im Raum Wuppertal nach Informationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 100 Millimeter Regen, also 100 Liter auf den Quadratmeter. "Das war schon extrem und ist in der Regenmenge etwa das, was normalerweise im Laufe eines Monats fällt", sagte ein Sprecher am Mittwoch.

"Die Infrastrukturschäden werden ganz erheblich sein", sagte eine Sprecherin der Stadt Wuppertal. Die Reparatur- und Aufräumarbeiten könnten mehrere Tage dauern - mindestens.

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Auch aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens wurden Hunderte Einsätze der Feuerwehr wegen über die Ufer tretender Bäche, überschwemmter Straßen und Keller gemeldet. Unwetter tobten zudem über Hessen, Niedersachsen und Teilen Bayerns. Für den Mittwoch gab der DWD keine Entwarnung. "Es ist keine Entspannung in Sicht", sagte ein Sprecher am Mittwochmorgen. Vom Nordwesten bis in den Osten und Südosten sowie lokal im Südwesten werde es teils wieder kräftige Schauer und Gewitter geben. "Es wird wieder krachen."

In Hamburg meldete die Feuerwehr für die Zeit zwischen 7 und 17 Uhr insgesamt 47 Einsätze - dort war der Grund allerdings die Hitze. Allein 43 Mal rückten Rettungswagen im Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen wegen der hohen Temperaturen aus (Tipps, wie sich die Frühjahrs-htze aushalten lässt, finden Sie hier). Zudem mussten mehrere Feuer an Böschungen oder auf Grasflächen gelöscht werden.

aar/AFP/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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vaikl 30.05.2018
1. Es ist jetzt fast exakt 10 Jahre her,...
...dass im Dortmunder Westen innerhalb weniger Stunden zwischen 120 und über 200 Liter/qm in einer Sturzflut enorme Schäden anrichteten. Es sind also fast exakt 10 Jahre, in denen in den allermeisten Kommunen *nichts* aus dieser Katastrophe gelernt und umgesetzt wurde.
espet3 30.05.2018
2. #1.
Regenschirme für ganze Städte soll es noch nicht geben. Was hätten Sie denn gesagt, wenn die Behörden die Standsicherheit Ihres Hauses, in dem Sie wohnen, noch einmal kostenpflichtig untersucht oder größere Abflussrohre in den Straßen verlegt hätten .
AufzweiNeue 30.05.2018
3. @ #1
Gestern Chaosregen, heute praktisch normale Verhältnisse beim ÖPNV. Klar muß das Wasser noch aus den Kellern gepumpt werden, und es gibt gewaltige Aufgaben beim Aufräumen, aber von Toten habe ich trotz erheblicher Schäden bisher nix gelesen, und es funktioniert, als sei alles seit 10 Jahren generalstabsmäßig vorbereitet. Vergessen Sie nicht: Wuppertal heißt nicht umsonst so. Das war (und ist noch) eine phantastische Leistung, die auf Klasse-Organisation und totaler Professionalität aufbaut.
querulant_99 30.05.2018
4. Schwebebahn
Die Stadtväter von Barmen und Elberfeld bewiesen schon immer Weitblick, was den Schutz vor Hochwasser betrifft. Schon im Jahre 1901 wurde eine Schwebebahn in Betrieb genommen, damit sich die BürgerInnen sogar nach einem Wolkenbruch trockenen Fußes durch die Stadt bewegen konnten. ;-)
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