Ureinwohner Amerikas Die zwischen den Welten leben

Wenn über die indigene Bevölkerung der USA berichtet wird, dann meist über deren Probleme. Fotografin Carlotta Cardana passt das nicht. Gemeinsam mit der Autorin Danielle SeeWalker will sie Geschichten erzählen, die Mut machen.

Carlotta Cardana

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Danielle Ta'Sheena Finn trägt ein grünes, reich verziertes Gewand und überdimensional große Ohrringe: Die 23-Jährige gehört dem Stamm der Hunkpapa-Lakota-Sioux an und setzt sich dafür ein, dass die Sprachen der Ureinwohner Amerikas erhalten bleiben. Eines Tages möchte die junge Frau als Anwältin für Stammesrecht arbeiten.

Ta'Sheena Finn ist eine von rund 50 Indigenen aus den USA, die Fotografin Carlotta Cardana und Autorin Danielle SeeWalker für ihr "The Red Road Project" getroffen haben. Seit 2013 porträtieren die beiden Ureinwohner - bislang in 13 verschiedenen Bundesstaaten im Mittleren Westen, Südwesten und Südosten der Vereinigten Staaten, in Städten, Dörfern und Reservaten.

SeeWalker und Cardana fanden es erschreckend, dass in den Medien fast nur über Probleme der Ureinwohner, aber wenig über ihre Kultur berichtet werde. Alkoholabhängigkeit, Teenager-Schwangerschaften, sexueller Missbrauch, Armut, Kriminalität und die hohen Suizidraten sind laut der Fotografin zwar Herausforderungen, mit denen die indigene Bevölkerung seit Generationen konfrontiert ist - aber eben nicht die einzigen Themen, die erzählt werden können.

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Ureinwohner Amerikas: Tradition als Quelle der Kraft

"Wir wollten uns auf die Menschen konzentrieren, die ihr Erbe als Quelle der Stärke nutzen. Es liegt so viel Kraft und Schönheit in ihrer Kultur", sagt Cardana. Autorin SeeWalker ist Stammesmitglied der Standing Rock Sioux, so konnten sie und Cardana die Menschen schnell überzeugen, bei dem Projekt mitzumachen. "Die Gemeinschaft ist sehr klein und jeder scheint jeden zu kennen", sagt die Fotografin.

Cardana und SeeWalker trafen spirituelle Führer, Lehrer, Aktivisten, Gewinner von Wettbewerben, Studenten, Handwerker, Musiker, Gemeindearbeiter, Umweltschützer oder Ärzte. Sie alle gehören verschiedenen Stämmen an. Was sie eint, ist ihre starke Verbindung mit der indigenen Kultur - und dass sie diese bewahren wollen.

"Wir wollten Menschen treffen, die große Dinge für ihre Gemeinschaften tun", sagt Cardana. Oft genug muss die indigene Minderheit um Gehör kämpfen. Sie macht etwa zwei Prozent der US-Bevölkerung aus.

Eine besondere Herausforderung ist es, die Balance zwischen Tradition und zeitgenössischem Leben zu finden: "Sie sagen oft, dass sie in zwei Welten leben", so Cardana. Manche Indigene tragen traditionellen Schmuck und Mokassins zusammen mit Jeanshosen, sie gehen alltäglichen Jobs nach, treffen sich am Wochenende für Zeremonien mit ihren Stammesmitgliedern.

567 Stämme sind in den USA staatlich anerkannt. Cardana und SeeWalker reisten Zehntausende Kilometer durch das Land, um die vielfältige Community zu porträtieren. Ihr Projekt ist allerdings noch längst nicht abgeschlossen - sie wollen alle US-Bundesstaaten abdecken.

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