Dreierbeziehung in Montana Urteil zur Homo-Ehe inspiriert Polygamisten

Die Legalisierung der Homo-Ehe in den USA und Polygamie haben nichts miteinander zu tun? Falsch, sagt Nathan Collier. Er sieht das Urteil als Möglichkeit, Christine zu ehelichen - und mit Victoria verheiratet zu bleiben.

Nathan Collier mit Victoria (l.) und Christine: Mann aus Montana will gleichberechtigte Ehefrauen
REUTERS/Nathan Collier

Nathan Collier mit Victoria (l.) und Christine: Mann aus Montana will gleichberechtigte Ehefrauen


Nathan Collier liebt seine Frau Victoria. Seit dem Jahr 2000 ist das Paar aus Montana verheiratet. Nathan Collier liebt aber auch Christine. Die heiratete er ebenfalls, 2007 war die kirchliche Trauung. Auf den Gang zum Standesamt verzichtete das Paar indes - eine zweite Heiratsurkunde hätte Collier wohl ein Strafverfahren eingebracht. Mehrere rechtlich bindende Ehen parallel einzugehen ist in allen 50 US-Bundesstaaten verboten, schreibt die Nachrichtenagentur AP. Montana erlaubt Ausnahmen laut der Zeitschrift "Time" nur aus religiösen Gründen.

Nun hat Collier Hoffnung, dass Victoria und Christine endlich gleichberechtigte Ehefrauen werden können, dem Obersten Gerichtshof der USA sei Dank. Die Richter in Washington hatten die Homo-Ehe landesweit legalisiert. Vier der neun Richter - Jon Roberts, Antonin Scalia, Clarence Thomas und Samuel Alito - teilten die Meinung ihrer Kollegen nicht und begründeten ihre Ablehnung schriftlich.

Roberts' Ausführungen hätten ihn inspiriert, sagte Collier. Der Richter hatte geschrieben, Menschen in polygamen Beziehungen könnten die gleichen Argumente anführen, die Homosexuelle für die Legalisierung der Homo-Ehe vorbrächten: Wenn ihnen das Recht zu heiraten vorenthalten werde, sei das respektlos und mache sie zu Bürgern zweiter Klasse.

"Wir sind eine glückliche, funktionierende, liebevolle Familie"

"Es geht um Gleichberechtigung beim Heiraten", sagte Collier. Da könne man polygame Menschen nicht ausschließen. Deshalb hat Collier nun mit Victoria und Christine in Billings, Montana, den Behörden einen Besuch abgestattet, um die zweite Heiratsurkunde zu beantragen. Falls das Gesuch abgelehnt wird, will Collier Klage einreichen.

Erst lehnten Mitarbeiter sein Gesuch ab, dann hieß es, man werde nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung des Bezirks entscheiden. "Ich denke, er verdient eine Antwort", sagte Kevin Gillen, Mitarbeiter des Bezirks. Er habe sich Montanas Bigamie-Gesetze angesehen, sagte Gillen; derzeit lasse das Gesetz Parallel-Ehen einfach nicht zu.

Collier ist 46 und betreibt eine Kühlfirma in Billings. Er war nach eigenen Angaben früher Mormone, sei aber wegen Polygamie exkommuniziert worden. Offiziell distanzierten sich die Mormonen bereits im Jahr 1890 von der Vielehe. Derzeit gehört Collier nach eigener Aussage keiner Religionsgemeinschaft an.

Er und seine Frauen hätten jahrelang ihre Beziehung verheimlicht, sagte Collier. Irgendwann hätten sie es sattgehabt und seien in die TV-Show "Sister Wives" ("Alle meine Frauen") gegangen. "Wir sind eine glückliche, funktionierende, liebevolle Familie." Insgesamt haben sie sieben Kinder - aus den aktuellen Ehen und aus früheren Beziehungen.

"Wir definieren die Ehe nur für uns"

"Meine zweite Frau Christine, mit der ich nicht rechtlich bindend verheiratet bin, hat meinen Mist so viele Jahre ertragen", sagte Collier. Sie verdiene die Anerkennung als rechtmäßige Ehefrau. "Jeden Tag brechen wir das Gesetz, um als Familie zu existieren. Wir sind es leid."

Notfalls werde er sich für seine Überzeugung auch festnehmen lassen, sagte Collier. Man wolle nicht länger in Angst leben - genauso wenig, wie man die Ehe neu definieren wolle. "Ich zwinge niemanden dazu, an Polygamie zu glauben. Wir definieren die Ehe nur für uns." Man verlange noch nicht einmal Akzeptanz, nur Toleranz.

Die Unterstützung für Polygamie steigt, wie die "Washington Post" anhand einer Gallup-Umfrage zeigt: Befürworteten sie 2006 gerade einmal fünf Prozent der Bevölkerung, sind es heute schon 16 Prozent. Von den Zustimmungswerten für die Homo-Ehe ist das freilich noch weit entfernt.

Collier hat sich nach eigenen Angaben an die Bürgerrechtsorganisation ACLU in Montana gewandt und um Unterstützung bei einem möglichen Prozess gebeten. Jim Taylor von der ACLU weiß bislang von keiner Kontaktaufnahme, sagte aber, bei der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes sei es "um etwas ganz anderes" gegangen.

ulz/AP



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