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US-Homosexuelle am Pranger: "So was will hier keiner sehen"

In den USA nehmen Feindseligkeiten gegenüber Homosexuellen zu. New York verzeichnet eine Zunahme brutaler Hassverbrechen, Politiker wie der Republikaner Carl Paladino gießen mit homophoben Parolen Öl ins Feuer. In der Provinz sorgte nun ein Kuss zwischen zwei Frauen für einen Eklat.

Anti-Schwulen-Protest in Kansas: "Ist das normal?" Zur Großansicht
AFP

Anti-Schwulen-Protest in Kansas: "Ist das normal?"

Hamburg - Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina ist eine propere, aufstrebende Stadt. Die Hochhäuser der City recken sich ehrgeizig zum Himmel, die Verbrechensrate sinkt stetig, die Architektur aus kolonialen Zeiten ist pittoresk und dient häufig als Kulisse für historische Filme. Dennoch ist der Blick der Stadtväter vorwärtsgewandt: Vor allem Biotechnologie-Unternehmen haben sich in den letzten Jahren dort angesiedelt.

In die nationalen Schlagzeilen geriet Raleigh zuletzt jedoch wegen eines peinlichen, homophoben Zwischenfalls, der sich im Cameron Village Shopping Center zutrug.

Dort küssten sich am vergangenen Mittwoch Caitlin Breedlove und ihre Freundin nach einem Imbiss im Restaurant "Flying Biscuit". Die Zärtlichkeiten, die beide austauschten, seien "liebevoll und angemessen" gewesen, wie sich die Frau mit dem zurückgekämmten Haar und großen Ohrringen später einem US-Fernsehsender gegenüber ausdrückte.

Plötzlich jedoch trat ein Sicherheitsbeamter an das Paar heran. "So was will hier keiner sehen", sagte er und forderte das Paar auf, das Einkaufszentrum sofort zu verlassen. Die beiden Frauen beschwerten sich, auch der Besitzer des "Flying Biscuit" protestierte gegen die Maßnahme.

Inzwischen hat sich das Management des Einkaufszentrums bei Caitlin Breedlove und ihrer Freundin entschuldigt, man werde null Toleranz zeigen bei "Diskriminierungen jeglicher Art", das Sicherheitspersonal werde nachgeschult und "sensibilisiert".

Deutliche Zunahme offener Feindseligkeiten

So trivial der Zwischenfall in Raleigh auch scheinen mag, könnte er doch Indiz sein für eine zunehmende, öffentlich demonstrierte Homosexuellenfeindlichkeit in den USA.

  • Weltweit Schlagzeilen machte der Fall des Studenten Tyler C.. Kommilitonen filmten ihn beim Sex mit einem anderen Mann und stellten den Mitschnitt anschließend ins Internet - Tyler C. beging Selbstmord.
  • In der Metropole New York gab es zuletzt vermehrt brutale Übergriffe auf Schwule. In der Bronx lockte Anfang Oktober eine Gruppe junger Männer einen 30-Jährigen in einen Hinterhalt und folterte ihn und zwei seiner Bekannten stundenlang.
  • Kurz zuvor war ausgerechnet vor der berühmten Bar Stonewall Inn, die 1969 Ausgangspunkt der Christopher-Street-Proteste war, ein Besucher bepöbelt, zusammengeschlagen und ausgeraubt worden.
  • US-Homosexuellenverbände verzeichnen eine deutliche Zunahme offener Feindseligkeiten - nicht wenige führen die Übergriffe auf die von verschiedenen Politikern zum Programm gemachte Homophobie zurück.
  • Senator Jim DeMint aus South Carolina sprach sich öffentlich dafür aus, Homosexuelle nicht zum Lehrerberuf zuzulassen.
  • Auf dieselbe Weise agitiert nun auch der republikanische Kandidat für das Gouverneursamt in New York, Carl Paladino, gegen Schwule.

"Ich will nicht, dass meine Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen werden"

"Ich bin für leben und leben lassen", zitiert der US-Blog "Salon" die Äußerungen des Politikers bei einer Diskussionsrunde, "aber ich will nicht, dass meine und Ihre Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen werden und dann glauben, Homosexualität sei genau so zulässig und wertvoll wie Heterosexualität."

Bei Schwulenparaden, sagte Paladino im Fernsehen, "reiben" sich Männer in Speedos an anderen Männern - "ist das normal?"

"Solche Äußerungen sind ein Freifahrtschein für jeden, der Gewalt gegen Schwule anwendet", sagte der Aktivist Michael Cole von der Organisation Human Rights Watch dem britischen "Guardian". "Es ist doch tragisch, wenn man sich vorstellt, welche Konsequenzen solche Äußerungen haben können."

Der New Yorker Aktivist Alan Bounville, so berichtet der "Guardian", hält aus Protest gegen die Häufung der schwulenfeindlichen Übergriffe seit 16 Tagen eine Mahnwache vor dem Büro der Senatorin Kirsten Gillibrand, der Nachfolgerin Hillary Clintons in diesem Amt, ab.

"Unsere Leute sterben da draußen", sagte Bounville, "also werde ich hier sitzen und protestieren."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 256 Beiträge
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1.
SethSteiner 17.10.2010
Wäre es nicht sinnvoll militante Homophobe zwangs einzuweisen? Immerhin stellen sie eine ernste Gefahr dar und es gibt sicher genug Therapien für solche Menschen, die denken Homosexualität wäre etwas krankes. Besser jedenfalls als wenn es umgekehrt kommt. Es ist doch einfach nur verrückt zu glauben Homosexualität wäre was schlechtes oder sogar gefährliches. Die wahre Gefahr geht von den Rechten aus und dementsprechend sollten sie mit harter Hand bekämpft und resozialisiert werden. Die USA hat ziemliche Probleme und sollte ihre Gedanken über Meinungsfreiheit mal überdenken.
2. aw
kdshp 17.10.2010
Zitat von sysopIn den USA nehmen Feindseligkeiten gegen Homosexuelle zu. New York verzeichnet eine Zunahme brutaler Hassverbrechen, Politiker wie der Republikaner Carl Paladino gießen*mit homophoben Parolen Öl ins Feuer. In der Provinz sorgte nun ein*Kuss zwischen zwei Frauen für einen Eklat. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,723586,00.html
Hallo, die USA sollten hier aufpassen! 10.12.08 Bundestagswahl 2009 Westerwelle droht schwulenfeindlichen Staaten http://www.welt.de/politik/article2855313/Westerwelle-droht-schwulenfeindlichen-Staaten.html
3. Religion
sprechweise, 17.10.2010
Zitat von sysopIn den USA nehmen Feindseligkeiten gegen Homosexuelle zu. New York verzeichnet eine Zunahme brutaler Hassverbrechen, Politiker wie der Republikaner Carl Paladino gießen*mit homophoben Parolen Öl ins Feuer. In der Provinz sorgte nun ein*Kuss zwischen zwei Frauen für einen Eklat. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,723586,00.html
Dort wo Religion wieder aufflammt, werden die Menschenrechte mit Füßen getreten. Leider haben die Amerikaner nach dem 9/11 nicht gelernt bzw. akzeptiert, dass Religion(en) eine der wesentlichen Ursachen des Bösen sind.
4. Selbst schuld?
Hardisch 17.10.2010
Ein weiterer Bereich, bei dem wir zurückfallen in längst vergangen geglaubte Zeiten. Der Hauch des Faschismus legt sich erneut über die Welt und droht zum heißen Atem zu werden. Die Zeichen mehren sich. Aber: Die Schwulen sollten sich auch fragen, welchen Beitrag sie geleistet haben, um ihre Gleichberechtigung zu legitimieren. Trotz Westerwelle, Wowereit etc. bleibt von Schwulen in der Öffentlichkeit vor allem hängen, dass sie in doofen Fruenkleidern rumlaufen, lächerliche Schlager hören und sich vor allem um Sex Gedanken machen. Außerdem sind sie ständig wegen irgendwas beleidigt. Zeigt endlich, was ihr wirklich könnt und lasst nicht nur immer die Tunte raushängen. Schickt Olivia Jones und andere Halloween- Artikel endlich in die Wüste!!
5. weltmacht usa
924Frg 17.10.2010
Zitat von sysopIn den USA nehmen Feindseligkeiten gegen Homosexuelle zu. New York verzeichnet eine Zunahme brutaler Hassverbrechen, Politiker wie der Republikaner Carl Paladino gießen*mit homophoben Parolen Öl ins Feuer. In der Provinz sorgte nun ein*Kuss zwischen zwei Frauen für einen Eklat. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,723586,00.html
Obwohl man ja schon immer die unglaublichsten Nachrichten aus den USA hört, überrascht es mich immer wieder, wie zurückgeblieben und nahe an dem Niveau eines so verteufelten Iran, Afghanistan oder Irak sich dieses Land befindet.
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